Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Fokusartikel Newsletter 1/2018

An-Sichten eines Teilnehmers
Die Workshop-Teilnehmenden bei der Arbeit
Ein Mund als Symbol für Leichte Sprache
Alle Workshop-Teilnehmenden mit den Ergebnissen

Vom Workshop zum Logo – Ein partizipativer Entwicklungsprozess

Das Logo des Instituts für Teilhabeforschung ist mittlerweile gut bekannt. Doch wie ist es entstanden? Und welche Botschaft soll es vermitteln?

In diesem Artikel berichten wir vom partizipativen Entwicklungsprozess, den die Koordination des Instituts Ende 2016 startete.

Am Anfang stand die Idee, dass der Schritt vom Forschungsschwerpunkt zum Institut für Teilhabeforschung auch durch ein eigenes Logo versinnbildlicht werden sollte. Um den frisch gesteckten Zielen von inter- und transdisziplinärer sowie partizipativer Arbeit gerecht zu werden, wollten Leitung und Koordination der Teilhabeforschung an der KatHO nicht lediglich eine Design-Agentur mit der Gestaltung des Logos beauftragen. Die Anforderung war hoch Das Logo sollte „Teilhabe“ einfach und positiv symbolisieren. Aus der inhaltlichen Arbeit des Instituts zeigte sich jedoch als große Herausforderung, dass es weder eine eingängige Definition noch eine einheitliche Vorstellung von Teilhabe gab und was diese umfassen sollte. Nach verschiedenen Überlegungen nicht nur eine der „beforschten“ Personengruppen (Menschen mit Behinderung) an dem Prozess zu beteiligen, sondern auch Studierende mit einzubeziehen, kamen Ines Röhm und Henrik Wiegelmann als Koordination des Instituts mit „kollektivdrei“ ins Gespräch. Hinter diesem Namen verbergen sich drei Design-Studierende der Fachhochschule Münster, die neugierig waren auf den partizipativen Prozess und sich als Start-up anboten, die kreative Begleitung der Logoentwicklung zu übernehmen.

Im Januar 2017 trafen sich daraufhin die beiden Institutskoordinator_innen, die drei Designer sowie fünf Mitglieder der WiM (Selbstvertretungsgruppe „Wir Menschen mit Lernschwierigkeiten in Münster“) zu einem partizipativen Workshop, um gemeinsam Vorschläge und Ideen für das Logo zu sammeln. Unterstützt wurde die Gruppe von einer wissenschaftlichen Hilfskraft des Instituts und einer Assistenz der WiM-Gruppe. Im Vorfeld hatte die Institutskoordination mit den Design-Studierenden bereits Erwartungen und Ziele an den Workshop geklärt. Maßgeblich für das Gelingen war, dass alle als gleichberechtigte Teilnehmende angesehen wurden und ihre Vorstellungen einbringen konnten. Zu Beginn stellte sich das Institut für Teilhabeforschung mit einer Präsentation in einfacher Sprache vor. Anschließend befasste sich die gesamte Gruppe mit der Frage: Was ist Teilhabe? Kernbegriffe wurden gesammelt und auf einer Stellwand aufgeschrieben. In einem nächsten Schritt erstellten die Teilnehmenden erste eigene, auch kreative Entwürfe zu den jeweiligen Begriffen, die dann die gesamte Runde gemeinsam weiterentwickelte. Am Ende des Workshoptages trugen die Designer die inhaltlichen und kreativen Ergebnisse zusammen, um daraus drei Vorschläge für das Institutslogo zu entwerfen.

Auf der Eröffnungsveranstaltung des Instituts am 13. Februar 2017 stellten die Design-Studierenden den Logoentwicklungsprozess sowie ihre Erfahrungen mit dem partizipativen Projekt vor. Als besonders gewinnbringend empfanden sie die enge Prozessbegleitung und Arbeit mit der Zielgruppe. Auch die Mitglieder der WiM berichteten durchweg Positives. Insbesondere als Sebstvertretungsgruppe zum Thema Teilhabe einbezogen und befragt zu werden, weckte großes Interesse bei weiteren derartigen Projekten mitzumachen.

An einem weiteren Termin im Mai 2017 stellte „kollektivdrei“ daraufhin den Institutsmitgliedern und Workshopteilnehmenden die Entwürfe vor. In den Rückmeldungen und der gemeinsamen Diskussion der Vorlagen stellten sich zwei Versionen des Logos als Favoriten heraus.

Die Entscheidung für das endgültige Logo fiel im Nachgang unter Einbezug der Meinungen der übrigen Institutsmitglieder. Es wurde aus der Idee einer Workshopteilnehmerin, die einen Mund zeichnete, um Leichte Sprache zu symbolisieren, weiterentwickelt. Das Logo zeigt den Mund als Schwung, der in dieser Form nicht nur für Leichte Sprache und Kommunikation als Teilhabeaspekt stehen kann, sondern auch für die Offenheit des Instituts und das Überwinden von Hürden. So leitet dieser auch den Blick zum grün hervorgehobenen Wortteil „Teilhabe“. Bewusst wird viel weiterer Interpretationsspielraum gelassen und es zeigte sich, dass unter den Institutsmitgliedern viele unterschiedliche Teilhabeaspekte entdeckt werden konnten.  Zum Beispiel kann der Mund als lächelnd, als offene Hand oder als Waagschale (Gerechtigkeit) interpretiert werden. Alle überzeugte die Einfachheit und das positive Gefühl, das das Logo auslöst.

Die Logoentwicklung ist ein Baustein einer Reihe partizipativer Prozesse, die durch das Institut für Teilhabeforschung initiiert werden. Neben der Wanderausstellung „Teilhabe“, die 2013 aus einem Fotoprojekt mit dem damaligen Forschungsschwerpunkt, Studierenden der Heilpädagogik, Bewohner_innen in Wohneinrichtungen der Lebenshilfe und dem Fotografen André Zelck entstanden ist, sind in Zukunft unter anderem auch barrierearme Medieninhalte für die Homepage geplant, um die Arbeit und Forschungsergebnisse des Instituts für möglichst viel Menschen zugänglich zu machen.

Redaktion: Ines Röhm, i.roehm(at)katho-nrw.de

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2020