Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Call for Papers: Religiöse Migrantengemeinden und Altenhilfe - Chancen und Herausforderungen für die Unterstützung älterer Menschen mit Migrationserfahrung

Können religiöse Migrantengemeinden hilfreich sein, um Zugänge älterer Menschen mit Migrationserfahrung zu professionellen Dienstleistungen der Altenhilfe zu verbessern? Die Tagung führt Fragestellungen der Sozialpolitik, der gerontologischen Wissenschaften und der Sozialen Arbeit mit solchen der migrations- und religionsbezogenen Forschung zusammen.

In der Literatur wird einerseits diskutiert, dass die Zahl älterer Menschen mit Migrationserfahrung stetig zunimmt. In dieser Bevölkerungsgruppe werden Dienstleistungen der professionellen Altenhilfe nach wie vor unterdurchschnittlich genutzt. Angesichts rückläufiger Potentiale familiärer Pflege stellt sich die Frage, wie sich Barrieren in der Nutzung professioneller Angebote überwinden lassen, z.B. mithilfe kultur- und diversitätssensibler Konzepte. Andererseits finden religiöse Migrantengemeinden, z.B. Moscheen, christlich-orthodoxe, freikirchliche, katholische, jüdische oder Hindu-Gemeinschaften wachsende Aufmerksamkeit. Solche Gemeinden halten keinesfalls alleine religiöse Angebote im engeren Sinne vor, sondern treten vielfach auch als Anbieter sozialer Dienstleistungen auf. Oftmals haben sie gerade für ihre älteren Mitglieder nach dem Renteneintritt eine zentrale lebensweltliche Bedeutung. Bezogen auf muslimische Gemeinden wurden Unterstützungsleistungen für ältere Menschen auch im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz zwischen 2014 und 2017 diskutiert.

Ziel der Tagung ist es, Perspektiven relevanter Disziplinen, z.B. der Sozialpolitikforschung, Gerontologie, Sozialen Arbeit sowie der Migrations- und Religionssoziologie ins Gespräch zu bringen. Einen einführenden Vortrag hält Prof. Dr. Alexander Nagel (Göttingen), der wesentlich zur Erforschung sozialer Dienstleistungen in religiösen Migrantengemeinden beigetragen hat. Gesucht werden empirische, theoretische und konzeptionelle Beiträge, die sich insbesondere mit folgenden Fragen beschäftigen:

-        Welche Relevanz haben religiöse Identitäten, Netzwerke und Gemeinschaften für ältere Menschen mit Migrationserfahrung? Inwiefern tragen religiöse Zugehörigkeiten und Ressourcen zur Bewältigung insbesondere altersspezifischer Unterstützungsbedarfe bei?

-        Welche Relevanz haben ältere Menschen als Besucher_innen oder Mitglieder für religiöse Migrantengemeinden? Welche Angebote und Aktivitäten für diese Bevölkerungsgruppe lassen sich erkennen? Wie positionieren sich religiöse Akteure im Blick auf Unterstützungs- und Pflegebedarfe sowie gegenüber der professionellen Altenhilfe?

-        Welche Erfahrungen, Interessen und Konzepte finden sich in der professionellen Altenhilfe – z.B. bei privaten Trägern, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen – zur Berücksichtigung religiöser Identitäten von älteren Migrant_innen und zur Kooperation mit migrantischen Religionsgemeinschaften?

Anlass der Tagung ist der Abschluss des zweijährigen Forschungsprojektes „Religiöse Migrantengemeinden als Kooperationspartner von Altenhilfe und Seniorenarbeit in Nordrhein-Westfalen/ ReMigAS NRW“. Das Projekt wird seit Oktober 2018 vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und unterstützt durch die Katholische Hochschule NRW. Im Projekt untersuchen wir Möglichkeiten und Grenzen religiöser Migrantengemeinden hinsichtlich der Unterstützung älterer Menschen mit Migrationserfahrung. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, inwiefern Kooperationen solcher Gemeinden mit Kommunen sowie Wohlfahrtsverbänden als Akteuren der Altenhilfe und Seniorenarbeit aus der Sicht beteiligter Akteure zielführend sein können. Ergebnisse des Projektes sollen bei der Tagung in den Austausch mit verwandten Untersuchungen gebracht werden.

Die interdisziplinäre Tagung findet an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Paderborn, am 7.-8. September 2020 statt.

Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag im Umfang von max. 500 Wörtern

bis zum 15. Mai 2020

an m.breuer(at)katho-nrw.de

Eine Rückmeldung über die Annahme Ihres Vorschlags erhalten Sie bis zum 29. Mai 2020.

Abschließend ein Hinweis aufgrund der Corona-Krise: Wir hoffen, dass die Durchführung der Tagung im September wie geplant möglich sein wird. Sollte dem nicht so sein, werden wir mit den Mitwirkenden einen Ersatztermin abstimmen.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2020