Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

„Auch wer nicht sprechen kann, hat viel zu sagen!“ - Seminar am 20.05.2019 an der KatHO Münster

 

Diesen Titel des Seminars „Kommunikationsförderung bei Menschen mit Behinderungen“ haben die Studierenden des Bachelors Heilpädagogik und soziale Arbeit in ihrem Seminar von Frau Aßmann (wissenschaftliche Mitarbeiterin des Institut für Teilhabeforschung) live miterleben können. Zu Gast war Herr Almon, ein schwer körperbehinderter Mann, der, da er nicht mit dem Mund sprechen kann, mit den Augen spricht. So liest man es in vielen seiner autobiografischen Texte. Er steuert mit den Augen seinen Sprachcomputer an, der an seinem Rollstuhl befestigt ist. Die Studierenden waren hoch erstaunt wie komplex diese elektronische Kommunikationshilfe ist – dass man mit ihr Mails verschicken, eine Powerpoint ansteuern oder eben sprechen kann. Herr Almon erklärte den Interessierten die Wortstrategie Minspeak, die es ihm ermöglicht, sich auszudrücken. Und wer hätte schon vermutet, dass sich hinter der Kombination der Symbole Apfel und Elefant das Wort „Käse“ verbirgt? Es ist, als wenn man eine Fremdsprache lernt – und das ist Herrn Almon in sehr kurzer Zeit gelungen.
Herr Almon ist im Rahmen des Vereins ISAAC e.V. (International Society of Argumentative and Alternative Communication; deutsches Chapter: Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V.) zu einem Referenten ausgebildet worden, der als Experte in eigener Sache zu vielen Fragen rund um das Thema Unterstützte Kommunikation (UK) Auskunft gibt. In dieser Funktion besucht er die KatHO in Münster schon seit vielen Jahren und hinterlässt immer wieder einen bleibenden Eindruck bei allen Beteiligten.
All das was die Studierenden zuvor im Seminar über die Besonderheiten einer Kommunikation mit einem UK-Nutzer bereits theoretisch kennen gelernt haben, konnten sie nun hautnah miterleben - insbesondere das „mit den Augen sprechen“, wie Herr Almon es beschrieben hat. Aufgrund zeitweise technischen Störung des Talkers, schwenkte Herr Almon flexibel um auf die Kommunikation über „Ja-Nein-Fragen“. Mit seinem Assistenten Christoph Hartkamp bewies Herr Almon, dass eine erfolgreiche und schnelle Unterhaltung auch auf diesem Wege möglich ist. Mit unbekannten Menschen allerdings nicht immer ganz reibungslos – bei der offenen Fragerunde wurden die Studierenden darauf aufmerksam gemacht wie wichtig eine eindeutige und langsame Sprache ist sowie „Oder-Fragen“ und „Mehrfach-Fragen“ zu vermeiden sind. Wie will man auf die Frage: „Sind Sie schon in der Schule gefördert worden oder wusste man da noch nichts über UK?“ mit Ja oder Nein beantworten? Und wie will man eine Frage zurückstellen, wenn man nur „Ja“ und „Nein“ signalisieren kann. Es bedarf einer besonderen Aufmerksamkeit und Kreativität auf beiden Seiten der Gesprächspartner. Das verdeutlichten Herr Almon und sein Assistent als ein eingespieltes und vertrautes Team sehr eindrücklich an diesem Tag.
Dabei waren die Studierenden davon beeindruckt, dass Herr Almon trotzdem sehr offen und engagiert die Fragen zu seinen Erfahrungen beantwortet hat. „Eine sehr beeindruckende und besondere Seminarsitzung“ fasste eine Studentin ihre Erfahrung am diesem Tag zusammen.
Zu erwähnen ist allerdings auch, dass der Benediktushof in Maria Veen, in dem Herr Almon arbeitet, ihn für diese Referententätigkeit von seiner Arbeit freistellt und ein Mitarbeitender der Einrichtung ihn nach Münster gebracht, ihm assistiert und wieder nach Maria Veen gefahren hat. Eine Wertschätzung von Seiten der Werkstatt für die Referententätigkeit von Herrn Almon, die den Seminarbesuch möglich gemacht hat.

Für weitere Informationen:

Theresa Aßmann

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2020