Trampolin: Konzeption und Evaluation eines modularen Präventionskonzeptes für Kinder aus suchtbelasteten Familien

Ziel des Trampolin-Projektes war, Kinder aus suchtbelasteten Familien in ihrer Selbstwahrnehmung und in ihren Problemlösefähigkeiten zu stärken. Kinder sollen lernen, wie sie trotz ihrer Situation zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Die Methodologie des Projekts war im Sinne einer experimentellen Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit präventiver Interventionen aufgebaut.

Hintergrund

In Deutschland leben 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von bis zu 18 Jahren zeitweise oder dauerhaft mit einem alkoholabhängigen Elternteil zusammen. Ca. 50.000 Kinder haben einen drogenabhängigen Elternteil. Betroffene Kinder erleben oftmals ein dysfunktionales familiäres Umfeld, welches gekennzeichnet ist durch Vernachlässigung, Isolation und Schamgefühlen. Dementsprechend sind Kinder aus suchtbelasteten Familien als eine Hochrisikogruppe für die Entwicklung einer psychischen oder substanzbezogenen Störung zu betrachten. Die bisher angebotenen selektiven Präventionsmaßnahmen zur Reduzierung der psychischen Belastung der betroffenen Kinder sind zumeist Gruppenangebote, über die kein ausreichend wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis existiert. Mit „Trampolin“ sollte diese Lücke in der Forschung geschlossen werden und es wurde ein modulares Präventionskonzept für betroffene Kinder entwickelt, welches in verschiedenen Settings implementierbar ist, die psychische Belastung der Kinder reduziert und ihre Handlungskompetenz im Sinne eines langfristigen Empowerments erhöht. Dabei war das Programm niedrigschwellig, alters- und gendersensibel ausgerichtet und leicht durchführbar.

Studienmethodik

Das gemeinsam vom Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) der Katholischen Hochschule (KatHO) NRW und Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickelte „Trampolin“-Programm wurde an 27 ausgewählten Projektstandorten im gesamten Bundesgebiet an N=218 Kindern im Durchschnittsalter von 9.79 Jahren implementiert und evaluiert. Zur Überprüfung der Wirksamkeit der Präventionsmaßnahme wurde ein prospektiv randomisiert-kontrolliertes Untersuchungsdesign mit drei Messzeitpunkten (t1= Eingangserhebung, t2= Abschlusserhebung, t3= Katamnese) gewählt. Die Zuteilung auf die Interventionsgruppe IG (spezifische Intervention) und die Kontrollgruppe KG (suchtunspezifische Intervention) erfolgte randomisiert. Die IG (130 Kinder) erhielt die neu entwickelte modulare Präventionsmaßnahme „Trampolin“. In der KG (88 Kinder) fand eine suchtunspezifische Intervention (manualisierte Spielgruppe) im gleichen zeitlichen Umfang wie bei der IG statt. Kinder und Eltern wurden vor und nach der Intervention sowie sechs Monate später befragt. Ferner gab es eine Prozessevaluation durch umfangreiche Dokumentationsarbeiten und Videoaufnahmen der „Trampolin“-Gruppenstunden.

Ergebnisse

Es profitierten sowohl die Kinder aus der IG als auch die Kinder aus der KG in vielfältigen Bereichen sowohl vom „Trampolin“-Programm als auch von der suchtunspezifischen Intervention, ohne dass sich signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen benennen ließen. Beobachtet wurden für beide Gruppen bedeutsame Besserungen in den Bereichen der vermeidenden Stressbewältigung, der konstruktiv-palliativen Stressbewältigung, der negativen Stressbewältigung insgesamt, der psychischen Belastung durch die elterliche Sucht, des psychischen Wohlbefindens als einem Aspekt der Lebensqualität sowie des Selbstkonzepts.

Es zeigten sich jedoch auch Bereiche, in denen die suchtspezifische Intervention alleine oder in stärkerem Maße als die suchtunspezifische Intervention zu positiven Veränderungen geführt hat. Bei diesen Bereichen – die konkret mit dem Thema Sucht in Beziehung gebracht werden können – zeigt sich der Mehrwert von „Trampolin“ gegenüber einer suchtunspezifischen Intervention. So verbesserten nur die Kinder der „Trampolin“-Gruppe ihr Wissen zum Thema Alkohol und Drogen, und dies auch langfristig. Dieses spezifische Wissen stellt einen wesentlichen Resilienzfaktor dar. Ebenso wichtig für die Kinder – und ein wesentliches Ziel des „Trampolin“-Programms – ist der Rückgang der psychischen Belastung in der IG. Dieser Befund trifft – vermutlich bedingt durch den hohen motorisch-kinetischen Anteil sowie die positiven Gemeinschaftserlebnisse des suchtunspezifischen Programms– zwar auch auf die KG zu, auf die IG aber in deutlich stärkerem Maße. Außerdem ist dieser zentrale Effekt langfristiger Natur, d.h. er ist, genau wie die Verbesserung des Wissens, sechs Monate nach Ende des Kurses identifizierbar.

Weitere Informationen auch nach Projektende unter www.projekt-trampolin.de

Publikationen

  • Klein, M., Moesgen, D., Bröning, S. & Thomasius, R. (2013). Kinder aus Suchtfamilien stärken. Das „Trampolin“-Programm. Göttingen: Hogrefe.

  • Ruths, S., Moesgen, D., Bröning, S., Klein, M. & Thomasius, R. (2013). Präventionsangebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien – eine bundesweite Bestandsaufnahme. Suchttherapie, 14, 22-28.

  • Bröning, S., Moesgen, D., Klein, M. & Thomasius, R. (2012). Ressourcenorientiertes Arbeiten mit Kindern aus Suchtfamilien. Das Beispiel "Trampolin". Psychotherapie im Dialog, 4, 44-48.

  • Moesgen, D., Bröning, S., Ruths, S., Pflug, E., Schaunig-Busch, I., Thomasius, R. & Klein, M. (2012). Trampolin – Ein Präventionsprogramm für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Sucht, 58 (4), 277-285.

  • Bröning, S., Kumpfer, K., Kruse, K., Sack, P.M., Schaunig-Busch, I., Ruths, S., Moesgen, D., Pflug, E., Klein, M. & Thomasius, R. (2012). Selective prevention programs for children from substance-affected families: a comprehensive systematic review. Substance Abuse Treatment, Prevention, and Policy, 7, 23.

  • Bröning, S., Wiedow, A., Wartberg, L., Ruths, S., Haevelmann, A., Kindermann, S.S., Moesgen, D., Schaunig-Busch, I., Klein, M. & Thomasius, R. (2012). Targeting children of substance-using parents with the community-based group intervention TRAMPOLINE: a randomized controlled trial – design, evaluation, recruitment issues. BMC Public Health, 12, 223 (1-11).

Kongressbeiträge

  • Moesgen, D., Klein, M., Thomasius, R., Bröning, S., Wartberg, L. & Haevelmann, A. (2014, Mai). Projekt Trampolin – Ein modulares Präventionskonzept für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Vortrag auf dem 32. Symposium Klinische Psychologie und Psychotherapie der DGPs Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie, Braunschweig.

    Moesgen, D. (2012, Juni). Projekt Trampolin – ein modulares Präventionskonzept für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Konzept und erste Ergebnisse. Vortrag auf dem 25. Heidelberger Kongress des Fachverband Sucht e.V., Heidelberg.

  • Moesgen, D. (2012, Juni). Projekt Trampolin – Vorstellung eines modularen Präventionskonzeptes für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Vortrag auf der Tagung „Entwicklungsförderung für Kinder aus suchtbelasteten Familien“ der LVR-Klinik, Düren.

  • Moesgen, D. (2012, Februar). Informationen zum Projekt Trampolin und Vorstellung des Manuals. Vortrag auf der Trampolin-Abschlusskonferenz, Köln.

  • Moesgen, D. & Klein, M (2011, Juni). Projekt Trampolin. Ein modulares Präventionskonzept für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Vortrag auf den Hamburger Suchttherapietagen 2011, Hamburg.

  • Moesgen, D. (2011, Mai). Sucht und Familie – Neue Ergebnisse der Suchtforschung. Vortrag auf dem Ehemaligentreffen Fachklinik Gut Zissendorf, Hennef (Sieg).

  • Moesgen, D., Bröning, S., Ruths, S., Pflug, E., Schaunig-Busch, I., Thomasius, R. & Klein, M. (2010, November). Projekt Trampolin: Ein modulares Präventionskonzept für Kinder aus suchtbelasteten Familien - Ergebnisse der Manualentwicklung. Vortrag auf dem DGPPN-Kongress 2010, Berlin.

  • Ruths, S., Bröning, S., Moesgen, D., Klein, M. & Thomasius, R. (2010, November). Präventionsangebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien – eine bundesweite Bestandsaufnahme. Vortrag auf dem DGPPN-Kongress 2010, Berlin.

  • Moesgen, D., Schaunig-Busch, I., Bröning, S., Ruths, S., Pflug, E., Thomasius, R. & Klein, M. (2010, September). Trampolin - Konzeption und Evaluation eines modularen Präventionskonzeptes für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Eine prospektive randomisiert-kontrollierte Multicenter-Studie. Posterpräsentation auf den Fachbereichtagen Soziale Arbeit, Berlin.

  • Pflug, E., Moesgen, D. & Klein, M. (2010, Juni). Trampolin – ein modulares Präventionskonzept für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Vortrag auf dem III. ENCARE-Symposium „Gesundheitliche Ungleichheiten als Folge elterlichen Problemtrinkens – Strategien, Praxis, Prävention“, Bad Honnef.

  • Bröning, S., Ruths, S., Moesgen, D., Pflug, E., Klein, M. & Thomasius, R. (2010, Juni). Project Trampoline – Designing and Evaluating a Modular Prevention Program for Children from Substance-Affected Families. Poster presentation at the National Institute on Drug Abuse (NIDA) International Society for Prevention Research (SPR) Poster Session, Denver, CO, USA.

  • Bröning, S., Moesgen, D., Schaunig-Busch, I., Jordan, S., Ruths, S., Thomasius, R. & Klein, M. (2009, September). Modulares Präventionskonzept für Kinder suchtkranker Familien – Ergebnisse der Manualentwicklung. Vortrag auf dem 2. Deutschen Suchtkongress, Köln.

Förderung

Bundesministerium für Gesundheit

Förderzeitraum: Oktober 2008 bis September 2011

Förderkennzeichen: IIA5-2508DSM211

Projektleitung

Prof. Dr. Michael Klein

E-mail: mikle(at)katho-nrw.de

Tel. +49 (0)221-7757-156

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen

Dr. Diana Moesgen, Psychologie M.Sc.

E-Mail: d.moesgen(at)katho-nrw.de

Tel. +49 (0)221-7757-173

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Dipl.Soz.-Arb. Ellen Pflug

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2021