SANOPSA: Sucht im Alter – Netz- und netzwerkbasierte Optimierung der ambulanten und stationären Pflege

 

Im Rahmen der Förderlinie „Soziale Innovationen für Lebensqualität in der alternden Gesellschaft – SILQUA-FH“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurde mit dem Projekt SANOPSA eine Verbesserung der Versorgung älterer Menschen mit Substanzkonsumstörungen (riskanter und/oder abhängiger Konsum von Alkohol, Medikamenten, Tabak und/oder illegalen Drogen) innerhalb und durch die ambulante und teil-/vollstationäre Altenpflege angestrebt. Dabei stand im Fokus die Verbesserung der Lebensqualität dieser Zielgruppe. Umsetzungsfähige Konzepte und Handlungsempfehlungen der ambulanten und teil-/vollstationären Altenhilfe wurden neu bzw. weiterentwickelt und z.T. erprobt sowie eine nachhaltige Vernetzung und Weiterbildung beteiligter Pflegemitarbeiterinnen und -mitarbeiter hergestellt.

Hintergrund

Aktuell wie auch prognostisch steigen die Prävalenzzahlen von Alkohol-, Medikamenten- und Tabakmissbrauch/-abhängigkeit unter älteren Menschen. Dabei erweisen sich vor allem die Zugangswege des Suchthilfesystems zu dieser älteren Zielgruppe als schwierig. Wenn aber suchtspezifische Interventionen und Behandlungen stattfinden, sind sie ähnlich wirksam wie bei jüngeren Personengruppen. 

Personen, die von illegalen Drogen abhängig sind oder waren, werden u.a. durch die mittlerweile etablierten Substitutionsbehandlungen deutlich älter als früher und damit auch zum potentiellen Klientel der geriatrischen Pflege und Versorgung. Die Erkenntnisse zur Lebenssituation, zum pflegerischen Versorgungsbedarf wie auch zu pflegerischen Vorgehensweisen bei älteren Suchtkranken sind dabei hinsichtlich der Zielgruppe illegal drogenabhängiger Älterer weit weniger fortgeschritten als im Bereich Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit im Alter.

In der repräsentativen Studie von Kuhn und Haasen (2009) wurde die Frage nach einem Unterstützungsbedarf bei einer Konzeptfindung zum Umgang mit Personen mit einem Suchtmittelproblem von 34,6% der ambulanten und 28,9% der stationären Pflegedienste bejaht; weitere 34,8% der ambulanten und 32,0% der stationären Einrichtungen waren hier zumindest unentschieden. Vor dem Hintergrund der bestehenden und wachsenden Anzahl an ambulanten Diensten (Stand 2009: 12.000) und an teil-/vollstationären Einrichtungen (Stand 2009: 11.600) in der BRD lässt sich aus den o. g. Kennzahlen ein Unterstützungsbedarf bei der Konzeptentwicklung für ca. 4.150 ambulante Dienste und 3.350 teil-/vollstationäre Einrichtungen schätzen. Dieser konzeptionelle Unterstützungsbedarf kann von den Einrichtungen selbst derzeit nur unzureichend eingelöst werden. Gut etablierte Methoden der Suchthilfe (z.B. Screenings, Motivierende Kurzinterventionen, Selbstkontrollmethoden des Konsums) werden bislang eher wenig aufgegriffen und in das alltägliche pflegerische Handeln integriert. Auch stellt sich die Frage des Wissensmanagements: Wie kommen Pflegende in einem aktuell und zukünftig durch knappe Zeitressourcen begrenzten Berufsalltag schnell und effektiv zu Informationen über den konzeptionellen Umgang mit der Zielgruppe „ältere Pflegebedürftige mit einem Suchtproblem“ aus der Perspektive und den aktuellen Erfahrungen anderer Pflegender / Pflegeeinrichtungen?

Studienmethodik

Auf der Basis von qualitativen Experten- und Klienteninterviews, Fokusdiskussionen sowie einer kriteriengeleiteten Analyse vorhandener Vorgehensweisen und Konzepte wurden unter Einbeziehung sucht- und pflegewissenschaftlicher Expertise Pflegehandlungsempfehlungen (legale Substanzen) und ein manualisiertes Pflegekonzept (illegale Substanzen) entwickelt und in der Praxis erprobt. Die Verbreitung umsetzungsfähiger Konzepte und Handlungsempfehlungen wurde mithilfe eines „Open-Access“-Modells zum elektronischen, onlinegestützten Wissensmanagement angestrebt. Auf dieser im Projekt entwickelten Plattform wurden neben den expertengeleiteten Handlungsempfehlungen auch verschiedene, in der Praxis bereits vorhandene Vorgehensweisen, Pflege- und Handlungskonzepte und die damit verbundenen Erfahrungen dargestellt, diskutiert und weiterentwickelt. Die Plattform wurde zunächst für einen Wissenstransfer und zur Vernetzung der Projektbeteiligten erprobt. In einem weiteren Schritt wurde sie als Wissensplattform auch für andere interessierte Personen und Institutionen geöffnet. Bundesweit waren im Projektverlauf 16 Praxis-Kooperationspartner aus der Altenpflege und der Suchthilfe beteiligt.

Ergebnisse

www.sanopsa.de

Publikationen

Hoff, T., Kuhn, U., Kuhn, S., Isfort, M. (Hrsg.) (im Druck). Sucht im Alter – Maßnahmen und Konzepte für die Pflege. Berlin, Heidelberg: Springer.

Isfort, M., Hoff, T., Keller, K., Kuhn, U., Färber, N., Monke, S. (2015). Riskanter Konsum: Umgang mit Suchterkrankten. Die Schwester, Der Pfleger, 54 (3), 18-22.

Keller, K., Hoff, T., Isfort, M., Kuhn, U., Färber, N. (2015). Systematisierte Pflegehandlungsempfehlung für die Mitarbeitenden von Altenpflegeeinrichtungen (vorrangig teil-/vollstationär) zum Umgang mit und zur Reduzierung des Konsums von legalen Suchtmitteln (Alkohol, Medikamente, Nikotin). Onlinepublikation unter URL: www.sanopsa.de/internet/projektergebnisse/

Keller, K., Monke, S., Hoff, T., Isfort, M. (2015). Kriterien zur Beschreibung und Diskussion von Konzepten zur Pflege bei Sucht im Alter. Onlinepublikation unter URL: www.sanopsa.de/internet/projektergebnisse/

Kongressbeiträge

  • Hoff, T. & Kuhn, S.: Ausrichtung und Vorsitz des Symposiums „Sucht im Alter – Perspektiven und Konzeptentwicklung für ältere Suchterkrankte“ auf dem Deutschen Suchtkongress 2015 (Hamburg, 17.09.2015) mit weiteren Beiträgen von K. Keller/M. Isfort, U. Kuhn/T.Hoff und B. Lieb
  • Hoff, T. & Kuhn, U.: Ein manualisiertes Pflegekonzept für KonsumentInnen illegaler Drogen in der stationären Altenpflege – Konzeptentwicklung und -evaluation. Vortrag auf dem Deutschen Suchtkongress 2015 (Hamburg, 17.09.2015)
  • Keller, K., Hoff, T., Isfort, M., Kuhn, U.: Handlungsempfehlungen und Pflegekonzepte zum Thema Sucht im Alter in der Altenhilfe und Altenpflege. Vortrag auf dem Kongress "Armut und Gesundheit" (Berlin, 06.03.2015)
  • Kuhn, U., Hoff, T., Isfort, M., Keller, K.: Die Entwicklung eines manualisierten Pflegekonzeptes zur Betreuung von älteren KonsumentInnen illegaler Drogen in der stationären Altenpflege. Vortrag auf dem XII. DGGPP-Kongress/Gerontopsychiatrie 2015 – Multiprofessionell Denken und Handeln (Essen, 05.03.2015)
  • Hoff, T.: Sucht im Alter - Fakten, Herausforderungen, Perspektiven. Vortrag auf der Fachtagung „Genuss und Lebensqualität im Alter – Abhängigkeiten wahrnehmen und neue Wege aus der Sucht fördern“ der Diakonie Dortmund (Dortmund, 28.01.2015)
  • Keller, K., Hoff, T., Isfort, M. & Monke, S.: "Konzeptentwicklungen zum Thema Sucht im Alter in der ambulanten, teilstationären und stationären Altenhilfe und Pflege – Nutzungsmöglichkeiten des Open-Access-Modells SANOPSA". Vortrag auf den Hamburger Suchttherapietagen (Hamburg, 10.06.2014)
  • Isfort, M., Hoff, T., Keller, K. & Monke, S.: "Netz- und netzwerkbasierte Optimierung der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege bei riskanten oder abhängigen Konsummustern im Alter". Vortrag auf dem 10. Dreiländerkongress Pflege in der Psychiatrie: Blick zurück nach vorn! (Bielefeld, 17.-18.10.2013)
  • Hoff, T.: Ausrichtung des Kongress-Symposiums „Sucht im Alter in der Pflege“ auf dem 6. Deutschen Suchtkongress (Bonn, 19.09.2013) mit weiteren Beiträgen von S. Kuhn, D. Geyer, H. Bertelsmann
  • Hoff, T., Isfort, M., Keller, K. & Monke, S.: "Sucht im Alter in der Pflege – Netz- und netzwerkbasierte Optimierung der ambulanten und stationären Pflege (SANOPSA)". Vortrag auf dem 6. Deutschen Suchtkongress (Bonn, 19.09.2013)
  • Hoff, T.: "Sucht – Alter – Pflege: Problemstellungen und -antworten aus dem Projekt SANOPSA". Vortrag auf der Fachtagung „Sucht im Alter: Die Süchte der Senioren – Neue Herausforderungen für die Altenpflege“ des Caritasverbandes Düsseldorf (Düsseldorf, 09.05.2013)
  • Hoff, T.: "Netzwerkorientierte Versorgung – Versorgungsziele, -wirklichkeit und -ideale". Vortrag auf der Kooperationstagung Sucht- und Altenhilfe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. und des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (Weimar, 22.-23.04.2013)

Förderung

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Förderzeitraum: 01.10.2012 bis 30.09.2015

Förderkennzeichen: 03FH009SX2 / ab 06/2017: 13 FH009SX2

Projektleitung

Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Tanja Hoff

E-Mail: t.hoff(at)katho-nrw.de

Tel.: +49 (0)221-7757-137

- - - - - - - - - -

Prof. Dr. rer. medic. Michael Isfort

E-Mail: m.isfort(at)katho-nrw.de

Tel.: +49 (0)221-7757-205

Wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen

Dipl.-Psych. Karsten Keller

E-Mail: ka.keller(at)katho-nrw.de

Tel.: +49 (0)221-7757-172

- - - - - - - - - -

Dr. Ulrike Kuhn

E-Mail: u.kuhn(at)katho-nrw.de

Tel. +49 (0)221-7757-169

- - - - - - - - - -

Nina Färber, Sozialarbeiterin/-pädagogin M.A.

Zitierte Literatur

Kuhn, S. & Haasen, C. (2009). Repräsentative Erhebung zum Umgang mit suchtmittelabhängigen älteren Menschen in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen. Abschlussbericht. Hamburg: Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung an der Universitätsklinik Hamburg. Online verfügbar unter www.zis-hamburg.de/uploads/tx_userzis/Kuhn_Haasen_2009_Abschlussbericht_Sucht_im_Alter.pdf. (zuletzt geprüft am 07.10.2014).

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2021