PROCHILD

PROCHILD – Protection and Support of abused Children through multidisciplinary Intervention (2018-2020)

 

Im Rahmen des Projekts PROCHILD soll ein multiprofessionelles und ganzheitliches Modell einer Kooperation zwischen verschiedenen Beteiligten am Kinderschutzprozess entwickelt werden.
Zugrunde liegt dem Projekt dabei die EU-Richtlinie 2012/29, die danach strebt, betroffene Kinder und ihre Sorgeberechtigten über das jeweilige Vorgehen angemessen zu informieren sowie ihnen den Zugang zu Unterstützungs- und Schutzmaßnahmen zu erleichtern. Außerdem soll die Rolle des Kindes in strafrechtlichen Ermittlungsverfahren in dessen Interesse gestärkt werden.
Zentrale Bestandteile sind darüber hinaus eine Reduzierung der Dunkelziffer von Kindesmisshandlung, -missbrauch und -vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen unter anderem durch die verbesserte Kooperation von Fachkräften. Dies geschieht durch die Erhebung erfolgreicher europäischer Vorgehensweisen und die praktische Unterstützung von Fachkräften.

Hintergrund

Kindesmisshandlung, -missbrauch und -vernachlässigung ist ein alle sozialen Schichten betreffendes, vielgestaltiges Problem. In jedem Fall gilt es verschiedene Charakteristika zu berücksichtigen: das Alter des Opfers, die Art und Schwere der Misshandlung oder aber das Verhältnis zwischen Täter und Opfer. Oft sind Kindeswohlgefährdungen schwer zu erkennen, da sie einerseits oft innerhalb der Familie geschehen und andererseits kulturelle Mechanismen des Leugnens oder der Verharmlosung existieren (WHO, 2002).

Bei Kindesmisshandlung, -missbrauch und -vernachlässigung handelt es sich in der Regel nicht um ein singuläres Ereignis, sondern um wiederholte Vorkommnisse. Dies führt dazu, dass rehabilitative oder psychotherapeutische Hilfsangebote die Opfer oftmals erst mit großer zeitlicher Verzögerung erreichen. Traumatische Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen werden häufig geleugnet oder gar nicht erst angesprochen und deswegen auch nicht verarbeitet. Bisherige Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass die kurz- und langfristigen Folgen von Kindeswohlgefährdungen sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sind. Diese Verbindung zwischen traumatischen Erlebnissen in der Kindheit und physischen und mentalen Folgen im Erwachsenenalter stellte die ACE-Studie (Adverse Childhood Experiences) als eine der ersten epidemiologischen Untersuchungen fest. Um diese Folgen abzumildern ist es notwendig, Betroffenen möglichst frühzeitig integrierte sowie spezialisierte Hilfe- und Unterstützungsmaßnahmen zu ermöglichen.

Um betroffene Kinder und Jugendliche angemessen unterstützen zu können, ist es notwendig, dass die verschiedenen Versorgungsbereiche, bestehend aus Gesundheitswesen, Jugendhilfe, Pädagogik und Strafverfolgungsbehörden, miteinander kooperieren. Momentan bestehen einige Hindernisse, die eine gelingende Kooperation erschweren. Dies beginnt bereits bei der Einschätzung und Meldung von Kindeswohlgefährdungen und reicht über die Schutz- und Behandlungsmaßnahmen bis hin zur Strafverfolgung von Kindesmisshandlung, -missbrauch oder -vernachlässigung.

Methodik

PROCHILD strebt danach, ein multi-professionelles Kooperationsmodell zu entwickeln, das auf den Empfehlung der WHO zugunsten eines ganzheitlichen Ansatzes basiert. Voraussetzung für eine erfolgreiche Kooperation zwischen Fachkräften aus Gesundheitswesen, Jugendhilfe, pädagogischen Einrichtungen sowie Polizei und Ermittlungsbehörden von der Identifikation von Kindeswohlgefährdungen bis hin zur Vermittlung von Schutz- und Unterstützungsangeboten, ist ein gemeinsames Verständnis.

Das Projekt arbeitet nicht nur an einer Verbesserung der Koordination von Hilfsmaßnahmen, sondern ebenso daran sekundäre Viktimisierungen durch unangemessene oder widersprüchliche Maßnahmen zu vermeiden.

Die spezifischen Ziele des Projekts sind:

  1. der Schutz der Rechte von Kindern und Jugendlichen (Art. 19 Abs.1 UNCRC) entsprechend des General Comment Nr. 13 des UN Komitees und der  Implementation der 2012/29 EU-Richtlinie
  2. die Förderung der Früherkennung und Meldung von Kindesmisshandlung, -missbrauch und -vernachlässigung
  3. die Übernahme eines multi-professionellen Modells des Schutzes und der Versorgung betroffener Kinder und Jugendlicher (Bronfenbrenners Ökologisches Modell)
  4. die Entwicklung ganzheitlicher und gemeinsam genutzter Vorgehensweisen für Gesundheitswesen, Jugendhilfe, pädagogische Fachkräfte, Polizei und Strafverfolgungsbehörden um Kinder und Jugendliche gemeinsam zu schützen und Kriterien und Prioritäten hinsichtlich einer Meldung zu definieren.
  5. Fachkräfte darin zu schulen, Kindeswohlgefährdungen frühzeitig zu erkennen und sie mit einem ganzheitlichen sowie gemeinschaftlichen Ansatz zum Umgang damit vertraut zu machen.
  6. die Suche nach tragfähigen und angemessenen Möglichkeiten betroffene Kinder sowie ihre Familien aktiv in die Beurteilung und Verbesserung der Schutz- und Unterstützungsangebote einzubeziehen.


Bisherige Ergebnisse

vgl. Projektwebsite: www.prochildproject.org

Publikationen

-

Kongressbeiträge

-

Partnerinstitutionen neben der KatHO NRW

Alma Mater Studiorum – Universität Bologna (Italien)

Nationales Institut für Gesundheit und Wohlfahrt (Finnland)

La Voix De L'enfant (Frankreich)

Nationales Institut für Unabhängige Akademische Forschung (Großbritannien)

Institut für Kindergesundheit (Griechenland)

Förderung

Europäische Union im Rahmen des Programms "Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft” 2014-2020 der Generaldirektion Recht und Verbraucher

Förderzeitraum: November 2018 – November 2020

Förderkennzeichen: 810109 — PROCHILD — REC-AG-2017/REC-RDAP-GBV-AG-2017

Projektleitung

Prof. Dr. Michael Klein

E-Mail: mikle(at)katho-nrw.de  |  Tel.: +49 (0)221-7757-156

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

 Dipl. Psych. Michelle Rohde

E-Mail: m.rhode(at)katho-nrw.de

 

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2021