Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Workshops Herbsttagung

 

Workshop 1
Prozesse partizipativer Organisationsentwicklung konkret für den Bereich der sexuellen Selbstbestimmung

Für die Erweiterung sexueller Selbstbestimmung sind im Forschungsprojekt ReWiKs als Zielperspektive die „Leitlinien gelingender sexueller Selbstbestimmung in Einrichtungen der Eingliederungshilfe“ (in leichter und schwerer Sprache) leitend. Zum Beispiel besagt Leitlinie 1 (schwere Sprache für Mitarbeitende): „Erwachsene Menschen mit Behinderung leben ihre Sexualität selbstbestimmt und werden dabei bedarfsorientiert, alters- und entwicklungsgemäß begleitet. Sie sind Experten und Expertinnen für sämtliche Belange ihrer Sexualität“. In Leichter Sprache für Bewohner/innen besagt Leitlinie 1: "Ich bin Experte für meine Sexualität. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen das."Im Projekt wird aktuell das weiterführende Ziel verfolgt, konkretere Möglichkeiten einrichtungsbezogener partizipativer Organisationsentwicklung für und mit Bewohner/innen zu entwickeln, um spezifische bedarfsorientierte Veränderungen in den Einrichtungen für alle Beteiligten zu erreichen. Ein erster Schritt sind im Forschungsprojekt Fortbildungsangebote für Mitarbeitende, die als Multiplikatoren/innen (sogenannte ReWiKs-Lotsen/innen) die Weiterentwicklung der Organisation im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung als Aufgabe übernehmen wollen und hierfür geschult werden. Diese Fortbildungen werden im Überblick vorgestellt werden. Erste Erfahrungen aus der Erprobung werden berichtet.Der nächste Planungsschritt ist die Beteiligung der Bewohner/innen an dieser Organisationsentwicklung. Dafür sind verschiedene Partizipationsebenen denkbar. In diesem Workshop soll gemeinsam diskutiert werden, wie Bewohner/innen  diese Organisationentwicklungsprozesse selbstbestimmt mitgestalten können und welche Weiterbildungsangebote es dafür braucht.Dazu sollen Vorschläge aus dem Projekt ReWiKs sowie Erfahrungen der Workshopteilnehmer/innen aus ihrem Arbeitsalltag genutzt werden, um gemeinsam weitere Ideen für eine konkrete partizipative Organisationsentwicklung zu entwickeln.

Workshop 2
Unterstützte Kommunikation als Entwicklungsaufgabe von und in Organisationen

In den aktuellen Fachdiskursen im Bereich der Unterstützten Kommunikation* (UK) lautet die aktuelle Herausforderung, Angebote der UK für Werkstattbeschäftigte und BewohnerInnen von Wohnheimen zu schaffen und in die Fläche zu bringen. Trotz der Verankerung von UK im deutschen Recht und in der UN Behindertenrechtskonvention sowie der Bereitstellung von Methoden und Hilfsmitteln für die heterogene Gruppe der UK-NutzerInnen, wurde UK bisher nur vereinzelt in Einrichtungen für Erwachsene mit Behinderung erfolgreich und umfassend implementiert. Damit eine erfolgreiche Umsetzung von UK in Einrichtungen gelingen kann, braucht es das UK-Fachwissen und eine Organisationperspektive, die aufklärt, wie diese Inhalte in die bestehenden Strukturen einer Organisation integriert werden können und welche Bedingungen im Kontext einer (Gesamt-) Organisation geschaffen bzw. verändert werden müssen. Dabei ist vom besonderen Interesse, welchen Stellenwert die Organisationskultur bei der Initiierung von Veränderungsprozessen und der Etablierung von Konzepten in Organisationen einnimmt. Vor diesem Hintergrund wird im Workshop der Fokus auf die Erfassung einer Organisationskultur, speziell der kulturellen Verankerung von UK in der Organisation, gelegt. Nur wenn der Untersuchungsgegenstand, hier eine UK-Kultur, mit ihren Ausprägungen klar erfasst werden kann, ist die Analyse der Wirkungen, die von einer solchen Kultur in Unternehmen ausgehen, möglich. Die Teilnehmenden werden dazu eingeladen im aktiven Austausch miteinander Vorgehensweisen und Möglichkeiten bezüglich der Erfassung einer „UK-Kultur“ in einer Organisation zu diskutieren und zu entwickeln.*mit Unterstützter Kommunikation werden alle pädagogischen und therapeutischen Hilfen bezeichnet, die Personen ohne oder mit erheblich eingeschränkter Lautsprache zur Verständigung angeboten werden (Wilken, Etta (Hg.) (2010) Unterstützte Kommunikation. Eine Einführung in Theorie und Praxis, Kohlhammer, Stuttgart)

Workshop 3
Versorgung von Menschen mit Demenz und den versorgenden Angehörigen – Herausforderungen in der Organisationsentwicklung

Die häusliche Versorgung von Menschen mit Demenz und von versorgenden Angehörigen ist ein wichtiges Thema in der Gesundheitsversorgung. Die Situation ist herausfordernd; Angehörige berichten von Isolation, sodass die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gefährdet werden kann. Sie sind auf Angebote und die Unterstützung durch Organisationen angewiesen, um langfristig die Versorgung zu stabilisieren und zu sichern. Im Workshop wird zunächst die Versorgungssituation erläutert. Weiterhin werden die Herausforderungen für Anbieter thematisiert, so werden z.B. Informationen aus dem laufenden Projekt InRegA-Dem (Inanspruchnahme und Nutzbarkeit regionaler Angebotsstrukturen bei Demenz) vorgestellt. Herausforderungen aus Anbieterperspektive entstehen unter anderem aufgrund der notwendigen Individualität und Passgenauigkeit der Angebote, um den Angehörigen und Menschen mit Demenz mit ihren individuellen Bedarfen gerecht zu werden. Weiterhin wird ein Ziel der Versorgung, die Stabilität von häuslichen Versorgungsarrangements, behandelt. Unterstützt wird das Team des Instituts für Teilhabeforschung durch das DZNE (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen), das Aspekte ihres Stabilitätskonzeptes vorstellt. Teilnehmende des Workshops werden eingeladen, zu den Themen Teilhabe und Stabilität in der Versorgung von Menschen mit Demenz und den versorgenden Angehörigen mit zu diskutieren. Welchen Beitrag können Organisationen und Anbieter zur Stabilität und Teilhabe leisten?

Workshop 4
Einwilligungsbefähigung als organisationaler Lernprozess

Die Einwilligung von Menschen mit Behinderungen in Entscheidungsprozesse am Lebensende ist ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung bzw. Sicherung von Teilhabe am Lebensende. Jedoch wird Menschen insbesondere mit kognitiver Beeinträchtigung die Einwilligungsfähigkeit oft vorschnell abgesprochen. Einwilligung stattdessen als Prozess der Befähigung und Ermächtigung zu betrachten, nimmt Organisationen, die Menschen mit Behinderungen am Lebensende begleiten, als pädagogische und organisationsgestaltende Aufgabe in die Pflicht. Der Workshop beschreibt die damit verbundenen Herausforderungen und lädt die Teilnehmenden ein, eigene Fragestellungen und Erfahrungen zu Fragen der Partizipation (besonders, aber nicht nur am Lebensende) einzubringen.

Workshop 5
Organisation von Wohndiensten

Wohneinrichtungen und Wohndienste der Behindertenhilfe stehen im Umbruch. Mit dem Bundesteilhabegesetz soll die sektorale Trennung von ambulanten Wohndiensten und stationären Wohneinrichtungen endgültig überwunden werden. Die Unterstützung im Wohnen und bei der Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben soll sich stärker als bisher an den individuellen Interessen der Bewohner_innen orientieren. Gleichzeitig wird der Mix von professionellen Hilfen, die sich aus verschiedenen sozialrechtlichen Töpfen speisen, zur Regel und muss in Abstimmung mit der informellen Unterstützung, die Menschen mit Behinderung erfahren, organisiert werden. Eine zunehmende Anzahl von Menschen mit Behinderung im Ruhestand benötigt zudem Unterstützung bei der Tagesgestaltung. Auf der anderen Seite wird es für Arbeitgeber der Behindertenhilfe immer wichtiger, in den Wohndiensten attraktive Arbeitsplätze anzubieten, die Fachkräften ohne Zweitjob ein Auskommen und die Gestaltungsfreiräume ermöglichen, sich beruflich zu verwirklichen. Wie können Anbieter im Wohnen unter Erschließung welcher finanziellen Ressourcen teilhabeförderliche Unterstützung mit vertretbarem Aufwand zukünftig organisieren?

Workshop 6
Pflege-, Versorgungs- und Betreuungsbedarf von Migrant_innen als Herausforderung für stationäre Pflegeeinrichtungen

Bei „älteren Migrant_innen“ handelt es sich um eine schnell wachsende und überaus heterogene Bevölkerungsgruppe, die gegenüber der Mehrheitsbevölkerung deutlich früher und häufiger von geriatrischen Erkrankungen betroffen ist. Da sich die ausschließliche Pflege innerhalb der Familie auch bei Menschen mit Migrationshintergrund als zunehmend schwieriger umsetzbar erweist, erscheint eine steigende Relevanz der Pflege, Versorgung und Betreuung von Migrant_innen außerhalb des familiären Umfelds und speziell in stationären Pflegeeinrichtungen offenkundig. So sind kulturelle und religiöse Besonderheiten sowie sprachliche Barrieren nur eine kleine Auswahl von möglichen Problemen, die für stationäre Pflegeeinrichtungen und deren Fachkräfte zukünftig weiter in den Fokus rücken werden. Im Workshop stellen wir zunächst eigene Forschungserkenntnisse zu kultursensibler Pflege in Heimen vor. Diese konfrontieren wir mit Erfahrungen von Expert_innen aus der Praxis, wobei sowohl die Perspektive der Professionellen als auch jene der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen einbezogen wird. Im Gespräch mit den Teilnehmenden des Workshops sollen Erkenntnisse, Fragen und Herausforderungen systematisiert werden, um zu einer Entwicklung von problembezogenen Kriterien der Organisationsentwicklung beizutragen.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2018