Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Sozialraumorientiertes Wohnen von Menschen mit Behinderung

 

Von der Wohnung aus erschließen sich Teilhabegelegenheiten – innerhalb der Wohnung, in der Nachbarschaft, im Ortsteil und in der Gemeinde. Wohndienste unterstützen ihre Nutzer/innen bei der Organisation der gesamten Lebensführung im Alltag. Die UN-BRK, Art. 8, betont das Recht von Menschen mit Behinderung, wie Andere zu entscheiden, wo, mit wem und wie sie wohnen wollen. Sie dürfen nicht gezwungen sein, in „besonderen Wohnformen“ zu leben. Für viele Erwachsene mit Behinderung in Deutschland besteht diese Wahlfreiheit nicht. Insbesondere Frauen und Männer mit komplexem Unterstützungsbedarf haben nur geringe Chancen, allein oder mit Anderen in einer eigenen Wohnung unterstützt zu leben. Auch wenn „Ambulantisierung“ propagiert wird, bleibt ihnen oft nur der Umzug in ein Wohnheim der Eingliederungshilfe oder sie werden schon in einem frühen Lebensalter auf Pflegeheime verwiesen. Wohneinrichtungen richten ihre Angebote und Dienste selten auf das Quartier aus, was jedoch für die Erschließung von Teilhabebereichen von größter Bedeutung ist. Daneben wohnen auch viele Erwachsene mit Behinderung bei Eltern oder Angehörigen.

Größere Forschungsprojekte im Themenschwerpunkt „Sozialraumorientiertes Wohnen von Erwachsenen mit Behinderung“ befass(t)en sich mit der Wohnsituation von Menschen mit geistiger Behinderung im Alter und haben die Veränderungsbedarfe in verschiedenen Wohnsettings beleuchtet: die drei BMBF-Projekte LEQUI, SOPHIA, MUTIG; die „Alter erleben“-Studie (Dieckmann & Metzler, 2013) in Baden-Württemberg & Westfalen;  die Expertise „Die Lebenssituation von Menschen mit lebenslanger Behinderung in NRW sowie die Evaluation inklusiver Quartierskonzepte für das MGEPA NRW. Hinsichtlich der Wohn- und Lebenssituation sowie der Teilhabemöglichkeiten von älter werdenden, Menschen mit einer psychischen Behinderung finden sich in Deutschland bislang nahezu keine wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Folgende Themenbereiche sollen in den kommenden Jahren systematisch und mit Blick auf anstehende Veränderungen (z. B. das Bundesteilhabegesetz) angegangen werden:

  • Entwicklung von Teilhabe ermöglichenden, organisierbaren und wirtschaftlich tragfähigen Wohnsettings und Unterstützungsstrukturen für das Leben in der eigenen Wohnung, in Hausgemeinschaft bzw. Nachbarschaften
  • Weiterentwicklung von Forschungsmethoden für die die Entwicklung der evaluativen Wohnforschung mit Bezug auf Menschen mit Behinderung in Deutschland
  • Die Rolle von Eltern und Geschwistern und ihre Beziehungen zu Menschen mit geistiger Behinderung und zu professionellen Unterstützer/innen in einer Lebenslaufperspektive
  • Älterwerden von Menschen mit psychischer Behinderung: Wohnen und Lebensgestaltung

 

Leitung:

Prof. Dr. Friedrich Dieckmann

Prof. Dr. Christiane Rohleder

 

Aktuelle Forschungsprojekte:

MUTIG

UTE

Evaluation des Modellprojekts „Selbstständiges und technikunterstütztes Wohnen“ in Westfalen

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2019