Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

ReWiKs: Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohner/innen zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen

Projektförderung: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Projektlaufzeit: 11/2014 – 11/2018

Projekthintergrund
Konzeptansätze und einzelne Ideen zur Schaffung sexualfreundlicher, d.h. sexuelle Selbstbestimmung aller Bewohnerinnen und Bewohner unterstützender Strukturen in Institutionen der Eingliederungshilfe finden sich immer wieder in der entsprechenden Fachliteratur (vgl. Walter 2005 , Fegert et al. 2006, Clausen/Herrath 2013). Mitarbeitende, so wird oft gefordert (vgl. Clausen/Herrath 2013), sollen sich in der Regel fortbilden, um angemessen auf die Bedarfe der Bewohner und Bewohnerinnen reagieren zu können. Aus den Analysen der qualitativen Interviews mit Mitarbeitenden aus Einrichtungen der Eingliederungshilfe (vgl. Jeschke et al. 2006) wird deutlich, dass aufgrund der komplexen, auch innerpsychischen Prozesse bei den Mitarbeitenden, (klassische) Fortbildungen nicht ausreichen, sondern Ansatzpunkte inhaltlich und strukturell vielfältiger sein müssen. Weitere inhaltlich differenzierte Hinweise bzgl. dieser Unterstützungsnotwendigkeiten und Entwicklungsperspektiven ergab eine Mitarbeitendenbefragung, die die Autorin 2013 in Einrichtungen der Eingliederungshilfe durchführte (N=640) (vgl. Ortland 2016).

Diese Ergebnisse waren Anlass für die Initiierung des Forschungsprojektes ReWiKs. Dieses wird gemeinsam von den Kollegen und Kolleginnen Barbara Ortland von der Katholischen Hochschule NRW, Kathrin Römisch von der Evangelischen Hochschule Bochum, Sven Jennessen von der HU Berlin sowie deren jeweiligen Mitarbeitenden mit drei inhaltlichen Schwerpunkten umgesetzt.

Projektziele und methodisches Vorgehen
Die Projektarbeit basiert auf einer engen Kooperation mit Bewohnern und Bewohnerinnen und Mitarbeitenden aus Einrichtungen der Eingliederungshilfe und differenziert sich in die nachfolgenden drei Bereiche:

Projektbereich Reflexion (Berlin): Auf der Grundlage von „Leitlinien gelingender sexueller Selbstbestimmung“, die es in Ausführungen sowohl in schwerer Sprache für Mitarbeitende als auch in Leichter Sprache für Bewohner und Bewohnerinnen gibt, werden für beide Gruppen Reflexionsmanuale entwickelt. Diese dienen dazu die aktuelle Arbeits- und Lebenssituation komplex zu reflektieren und Ansatzpunkte für Veränderungsnotwendigkeiten zu finden.

Projektbereich Wissen (Münster): Aufbauend auf neu entwickelten und mit der Praxis diskutierten Fortbildungsmodulen werden exemplarisch Fortbildungsbausteine und vielfältige Materialien für verschiedene Settings (alleine, im Team, in größeren Gruppen) entworfen, die in der Praxis erprobt, evaluiert und weiterentwickelt werden. Weiterhin werden Fortbildungen für Multiplikatoren und Multiplikatorinnen entwickelt, die sexuelle Selbstbestimmung in den Einrichtungen konzeptionell auf Organisationsebene voranbringen wollen.

Projektbereich Können (Bochum): Basierend auf einer umfassenden Recherche gelingender Praxisprojekte zur Realisierung (sexueller) Selbstbestimmung werden ein Handbuch in schwerer und eines in Leichter Sprache entwickelt, in denen Handlungsempfehlungen für Veränderungsprozesse in der Praxis erarbeitet, erprobt, evaluiert und weiterentwickelt werden.

Termin für die Abschlusstagung: 7./8.11.2018

Ausführliche Informationen

Leitlinien gelingender sexueller Selbstbestimmung in Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe

Projektleitung
Prof. Dr. Barbara Ortland

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen
Dorothea Kusber-Merkens
Andreas Nitsche; a.nitsche(at)katho-nrw.de

Kooperationspartner
Prof. Dr. Kathrin Römisch (Ev. Hochschule Bochum)
Prof. Dr. Sven Jennessen  (Humboldt Universität zu Berlin)

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2018