Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Geglückte Inklusion! - Auf dem Weg zu mehr sexueller Selbstbestimmung Abschlusstagung des Forschungsprojekts ReWiKs

Eröffnungsvortrag Ortland
Prof. Dr. Barbara Ortland (KatHO Münster) erläutert in ihrem Eröffnungsvortrag den Begriff der sexuellen Selbstbestimmung anhand von Metacom-Symbolen (Nutzung der Symbole für das Projekt ReWiKs mit freundlicher Genehmigung von Annette Kitzinger) (Foto: Michaela Kaiser)
Teilnehmende in einem Workshop
Impression aus den Workshops, die sowohl nur für Bewohner/innen oder nur für Mitar-beitende oder inklusiv angeboten wurden (Foto: Michaela Kaiser)
Teilnehmer beim Markt der Möglichkeiten
Ein Teilnehmer votet beim „Markt der Möglichkeiten“ mit einem Klebepunkt für das Symbol der Tagung (Foto: Michaela Kaiser)
ReWiKs Gesamt-Team
Das ReWiKs Gesamt-Team: oben v.l.n.r Rahel Schowalter, Prof. Dr. Sven Jennessen, Andreas Nitsche, Prof. Dr. Barbara Ortland, Anneke Arlabosse, Prof. Dr. Kathrin Römisch unten v.l.n.r Jenny Trübe, Dorothea Kusber-Merkens, Carina Bössing (Foto: Anneke Arlabosse)
ReWiKs Team Münster
Das (nicht ganz vollständige) Münsteraner ReWiKs-Team: v.l.n.r Dorothea Kusber-Merkens, Andreas Nitsche, Sandra Knoblich, Maria Köpsel, Prof. Dr. Barbara Ortland, Theresa Aßmann (es fehlte: Ann Kathrin Scholten) (Foto: Anneke Arlabosse)
 

 

Menschen mit Behinderung, Menschen ohne Behinderung, Frauen und Männer, Wissenschaftler/innen oder interessierte Mitarbeitende, Leitungskräfte aus Einrichtungen oder Mitarbeitende aus Ministerien – das Publikum war bunt und vielfältig, so wie es von Frau Hessling und Frau Paschke von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie den drei Professoren/innen und ihren Mitarbeitenden aus dem Projekt ReWiKs gewünscht war. „Hier können wir alles machen […] ich bin ganz begeistert wie viele von Ihnen hier mitreden, sich melden und ausprobieren!“ so Frau Paschke im Resümee zum ersten Tag der Abschlusstagung.


Im Rahmen einer zweitägigen, inklusiv ausgerichteten Abschlusstagung im barrierefreien Saal des Hotel Franz in Essen (7./8.11.2018) wurden vier Jahre Projektarbeit unter dem Motto „Sexualität selbstbestimmt leben in Wohneinrichtungen. Wir wollen. Wir wissen. Wir können“ abgeschlossen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Sven Jennessen (Humboldt Universität Berlin), Prof. Dr. Barbara Ortland (Katholische Hochschule Münster) und Prof. Dr. Kathrin Römisch (Evangelische Hochschule Bochum) verfolgte das Forschungsprojekt mit der Abkürzung ReWiKs, das von der BZgA gefördert wird, die Erweiterung sexueller Selbstbestimmung von Erwachsenen Menschen mit Behinderung, die in Wohneinrichtungen leben. In den drei Teilbereichen des Forschungsprojektes (Reflexion, Wissen, Können; kurz: ReWiKs) wurden differenzierte Materialien entwickelt, mit denen Mitarbeitende und/oder Bewohner und Bewohnerinnen zum Thema sexueller Selbstbestimmung arbeiten können.


Die Eröffnung der Tagung erfolgte durch Frau Hessling, die vertretend für den Leiter der Abteilung Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung von der BZgA, Herrn Eckhard Scholl, begrüßende und wertschätzende Worte an die Forscherinnen und Forscher richtete: „Wir freuen uns Ihre Pionierarbeit heute zeigen zu dürfen. Noch kein Forschungsteam hat das so zuverlässig, partizipativ und damit repräsentativ gemacht“. Die Leiterin des Referats Schwangerschaftskonfliktgesetz, Sexualaufklärung, Frauen mit Beeinträchtigung aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Julia Krieger, musste leider sehr kurzfristig ihre Teilnahme absagen. Sie richtete dennoch Grußworte an das ReWiKs-Team und bedankte sich bei allen Mitwirkenden für die wichtige Arbeit und beendete ihren Beitrag mit “Selbstbestimmt leben und lieben ist eines der grundlegendsten Rechte. Um Freiheit leben zu können muss man Dinge frei ansprechen und bereden können, denn Sie wollen - Sie wissen - Sie können! Liebe ist das Kind der Freiheit […] hier sind wir alle gleich!“ Selbst der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Herr Jürgen Dusel, hat es sich nicht nehmen lassen, Worte an die Teilnehmer/innen der Tagung zu richten. „Inklusion ist ein Prozess. Inklusion beginnt im Kopf. Inklusion ist eine Haltungsfrage. Inklusion ist eine Frage der Herzensbildung“. Damit forderte Herr Dusel alle auf, die eigenen Bilder im Kopf immer wieder kritisch zu hinterfragen.


Informierende Vorträge, die durch verschiedene Übersetzungen in Leichte Sprache für alle Zuhörer/innen verständlich waren, wurden abgewechselt von der aktiven Auseinandersetzung mit den entwickelten Materialien auf dem Markt der Möglichkeiten und reflektierenden Aktivitäten im Plenum. Summend konnte so z. B. das Publikum verschiedenen Sätzen zu sexueller Selbstbestimmung zustimmen. Und der ganze Saal fing kräftig an zu summen!


Workshops zu verschiedenen Themen, wie zum Beispiel „sexuelle Vielfalt“ oder „Grenzen – mein Bereich, dein Bereich“ oder „Liebe, Sex und Partnerschaft“, boten ein abwechslungsreiches und informatives Programm für alle Teilnehmer/innen. Workshops wurden sowohl spezifisch für einzelne Zielgruppen oder inklusiv angeboten. So sagte ein Bewohner der Wohneinrichtungen: „[…] haben uns gefreut, dass wir die Möglichkeit hatten gemeinsam mit euch zu reden. Reden hilft unheimlich. Und wir werden das nie vergessen. Wir würden euch gerne wieder besuchen. Das ist natürlich die Frage des Könnens und auch von euch eine Frage des Könnens. Darum vielen vielen Dank an alle von euch.“ 

Die inklusive Ausrichtung dieser besonderen Tagung wurde durch ein ansprechendes Abendprogramm abgerundet. Die BZgA lud zu einem gemeinsamen Abendessen ein, das durch einen beeindruckenden DJ. und gemeinsamen Tanz mit zum Highlight der Tagung wurde. Der fachliche hoch qualifizierte und ansprechende Input konnte so durch weitere Gespräche am Abend und gemeinsames Feiern noch abgerundet werden. Eine Teilnehmerin bestätigt dies auf dem Evaluationsbogen: „Ich fand das Klima sehr angenehm. Offen. Viel Raum. Sehr freundlich. Drucklos. Ich empfinde es als großes Geschenk, das es eine solche Veranstaltung gibt. Das wir eingeladen sind, nachzudenken, zu lernen. Und eingeladen zu schönem Essen auch noch. Kostbar! Danke! Auch das gestrige Abendprogramm, Musik und Tanz. Toll! Danke für die Möglichkeit, mit Menschen aus ganz verschiedenen Ecken zum Thema nachzudenken und voneinander zu hören“


„Mir hat die Fachtagung sehr gut gefallen. Wenn es noch mehr Seminare geben sollte, bin ich, wenn möglich, wieder mit von der Partie. Ich gebe euch die Note eins Plus mit Sternchen. Die beste Note die es gibt“ kommentiert ein Teilnehmer mit Behinderung abschließend die Tagung. Ein Nachfolgeprojekt ist in Planung und so kann man nur wünschen, dass es mit ReWiKs und somit mit sexueller Selbstbestimmung in Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe weitergeht.


Die vorgestellten Materialien sind im Frühjahr 2019 durch die BZgA zu beziehen.

 

Die Fachtagung wurde veranstaltet von der BZgA in Kooperation mit ReWiKs.

 

Redaktion: Theresa Aßmann, t.assmann(at)katho-nrw.de

 

Link zur Seite von ReWiKs

 

 

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