Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

„Die haben mir gesagt, dass das nicht schwer ist, aber zu schwer für mich.“ – Teilhabekolloquium zu Internetnutzung von Menschen mit sog. Geistiger Behinderung

Am 05. Juli 2018 fand das 20. Kolloquium Teilhabeforschung an der KatHO Münster zum Thema Internetnutzung von Menschen mit sog. Geistiger Behinderung statt. Theresia Haßler stellte die Ergebnisse aus ihrem Lehrforschungsprojekt und ihrer Masterarbeit im Rahmen des Masterstudiums „Teilhabeorientierte Netzwerke in der Heilpädagogik“ vor und Vanessa Heitplatz die Ergebnisse einer Vorstudie im Rahmen ihrer Promotion.

Mit dem Vortrag „Internetnutzung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung“ machte Theresia Haßler, die derzeit Wissenschaftliche Mitarbeiterin in zwei Forschungsprojekten des Instituts für Teilhabeforschung der KatHO ist (MUTIG und UTE), ein sehr aktuelles Thema auf. Bei rund 80% der Allgemeinbevölkerung, die das Internet nutzen, stellte sie sich die Frage, welche Zugangs- und Nutzungsbedingungen diesbezüglich für Menschen mit sog. Geistiger Behinderung bestehen. Von der gleichen Ausgangslage ging Vanessa Heitplatz aus, welche aktuell Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fachgebiets Rehabilitationstechnologie der Fakultät Rehabilitationswissenschaften an der TU Dortmund ist. Ihr Vortrag behandelte die Nutzung und Akzeptanz von Smartphones durch Menschen mit sog. Geistiger Behinderung.

Beide Forschenden stellten fest, dass trotz der hohen Relevanz für die angesprochene Personengruppe, eine mangelnde Studienlage (vor allem national) zu der Thematik besteht. Vor dem Hintergrund, dass Wohneinrichtungen häufig nicht über einen Internetzugang verfügen oder die technische Ausstattung fehlt, führten sie Untersuchungen mit Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe durch. Die Mitarbeitenden der Einrichtungen gaben entweder an, dass kein Bedarf für einen Internetzugang bestehe oder mehr Risiken als Chancen für die Bewohner*innen gesehen werde. Aber auch Datenschutz und Zeitmangel der Mitarbeitenden seien Gründe, das Thema nicht weiter anzugehen. Es wird dennoch die Bedeutung vor allem für jüngere Bewohner*innen gesehen. Wird das Internet von ihnen bereits genutzt, dann vorwiegend zur Kommunikation in sozialen Netzwerken, Informationssuche und zur Unterhaltung. Denjenigen, die noch kein Internet nutzen, fehlen entweder die Geräte, das Interesse oder schätzen die Handhabung als zu schwierig für sie oder zu gefährlich ein.

Beide Vorträge fanden großen Zuspruch und wurden mit den Zuhörenden stark diskutiert. Die Barrierefreiheit von Webseiten und Apps sowie in Bezug auf die Geräte-Handhabung müsse in Zukunft maßgeblich erweitert werden. Einrichtungen sollten ihre Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Richtung Medienbildung anpassen, sowohl für Mitarbeitende als auch für Bewohner*innen, und Beratungsangebote schaffen.

Das nächste Kolloquium Teilhabeforschung findet am 11. Oktober 2018 statt. Weitere Infos finden Sie hier.

Redaktion: Ines Röhm, i.roehm(at)katho-nrw.de

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