Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Zum Unterstützungsbedarf der Angehörigen

Vielfach hängt es wesentlich von den Angehörigen des Betroffenen ab, wie erfolgreich die Rehabilitation nach einem Schlaganfall verläuft. Andererseits sind die Angehörigen selbst oft in hohem Maße belastet. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass Angehörige aufgrund von Belastungen durch Betreuung und Pflege ein erhöhtes Risiko für psychische und psychosomatische Störungen tragen. Es ist somit davon auszugehen, dass die meisten Angehörigen von Schlaganfallbetroffenen entlastende Hilfen, Beratung und  Unterstützung benötigen.

Diesbezüglich zeigte sich in zahlreichen Studien, dass Angehörige sich in sämtlichen Phasen der neurologischen Rehabilitation professionelle Unterstützung wünschen, wobei sich der Unterstützungsbedarf im zeitlichen Verlauf in charakteristischer Weise verändert. So wird anfangs eher praktische und informative, später vermehrt psychologische Unterstützung gewünscht. Ein besonders hoher Informations- und Beratungsbedarf existiert offenbar im Hinblick auf die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Rehabilitationsphasen. So empfinden die Angehörigen den Wechsel in eine andere Behandlungseinrichtung und die damit verbundenen Veränderungen als sehr verunsichernd. Vor allem die Entlassung der Patienten nach Hause und die damit verbundenen organisatorischen und alltagsbezogenen Anforderungen werden als bedrohlich und überfordernd erlebt.

Angesichts des großen Unterstützungsbedarfs der Angehörigen wurden insbesondere im englischen Sprachraum unterschiedliche Interventionskonzepte entwickelt. Evaluationsstudien haben gezeigt, dass Mehrkomponenten-Interventionen im Vergleich zu anderen Interventionstypen am besten geeignet sind, die Belastung von Angehörigen zu reduzieren, ihre Lebensqualität zu verbessern und ihre Alltagsbewältigung zu stärken. Durch die Kombination unterschiedlicher Informations- und Beratungsangebote, Pflegetraining sowie die Einbeziehung psychotherapeutischer Elemente kann der Unterstützungsbedarf der Angehörigen offenbar am besten berücksichtigt werden. Als günstig hat sich ferner ein bedürfnisangepasstes „Timing“ unterschiedlicher Beratungsangebote im Verlauf der Rehabilitation erwiesen. Unterstützungsprogramme für Angehörige zeigen am ehesten dann positive Effekte , wenn sie sich über einen längeren Zeitraum hinweg erstrecken. Punktuelle oder kurzzeitige Interventionen mit dem Fokus auf Psychoedukation oder Instruktionen für die häusliche Pflege sind hingegen wenig effektiv.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2018