Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Wissenschaftliche Ergebnisse

Studienteilnehmer

Insgesamt wurden im Rahmen des Modellprojekts 88 Angehörige begleitet. Im Durchschnitt nahmen sie das Beratungsangebot des „Angehörigenlotsen“ sieben Monate lang in Anspruch, während der Patient in unterschiedlichen Kliniken und Reha-Einrichtungen behandelt wurde. 62 Studienteilnehmer füllten den Angehörigenfragebogen zu zwei Erhebungszeitunkten aus, wobei t0 während der stationären Behandlung des Patienten (Reha-Phase A oder B) und t1 nach dessen Rückkehr ins häusliche Umfeld realisiert wurde. Es handelte sich um 38 Ehe- oder Lebenspartner, 19 erwachsene Kinder, zwei Elternteile, zwei Schwestern sowie eine enge Freundin von Schlaganfallbetroffenen. Die Befragten waren zwischen 28 und 83 Jahren alt, das Durchschnittsalter betrug 56,4 Jahre (SD = 12,0), der Frauenanteil lag bei 76%. 30 der Angehörigen nahmen zusätzlich an dem abschließenden qualitativen Interview teil.

Quantitative-statistische Ergebnisse

Die Fragebogendaten wurden mit SPSS 22.0 ausgewertet, wobei insbesondere Veränderungen im Beratungsverlauf überprüft wurden (Prä-Post-Vergleiche). Ferner wurde eine Faktorenanalyse durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Angehörigen nach dem Ende der Beratung signifikant weniger Ängste und belastende Gefühle erlebten als vor deren Beginn. Zugleich fühlten sie sich deutlich besser informiert und berichten mehr funktionale Copingstrategien. Auch bei der Skala „Subjektive Lebensqualität“ zeigte sich ein deutlich positiver Trend. Fast alle Veränderungen sind statistisch signifikant und weisen Effektstärken in mittlerer Höhe auf. Eine detaillierte Darstellung der quantitativen Ergebnisse findet sich in den wissenschaftlichen Publikationen, die im Rahmen des Forschungsprojekts entstanden sind.

Qualitative Ergebnisse

In den qualitativen Interviews berichteten die interviewten Angehörigen  vielfältige emotionale Belastungen nach dem Schlaganfall, wie Schock, Angst, Überforderung und Hilflosigkeit. Sehr häufig wurden dabei auch negative Erfahrungen mit Professionellen und Institutionen geschildert (z.B. unzureichende oder unverständliche Informationen, fehlende oder ständig wechselnde Ansprechpartner, Personal- und Zeitmangel, Anonymität, Gleichgültigkeit und Zynismus). Vor diesem Hintergrund bewerteten die Studienteilnehmer das Beratungsangebot des „Angehörigenlotsen“ sehr positiv. Sämtliche Interviewpartner beurteilten das Beratungsangebot rückblickend als hilfreich und entlastend. Dabei wurde die Fachkompetenz der Beraterin besonders hervorgehoben, im Sinne von einschlägigen Kenntnissen zu den Themen Schlaganfall, Behandlung und Rehabilitation. Als weiterer wichtiger Aspekt wurde die kontinuierliche, phasenübergreifende Begleitung durch eine feste Ansprechperson benannt; ferner das Angebot, sich auch nach dem Ende der Beratung im Bedarfsfall wieder melden zu können. Eine zentrale Bedeutung hatten Faktoren auf der Beziehungsebene (z.B. Empathie, Wertschätzung, Vertrauen, sich Zeit nehmen); diese wurden von den Angehörigen insgesamt noch häufiger benannt als praktische Hilfestellungen, Ratschläge und Informationsangebote.

Diskussion

Die dargestellten Ergebnisse deuten darauf hin, dass das rehabilitationsbegleitende Mehrkomponenten-Konzept des „Angehörigenlotsen“ dem komplexen Hilfebedarf der Angehörigen in hohem Maße entspricht. Gemessen an der Teilnehmerzufriedenheit, der Belastungsreduktion, dem Zuwachs an Wissen sowie der verbesserten Bewältigungs- und Problemlösekompetenzen hat sich das Konzept bei der untersuchten Stichprobe als effektiv erwiesen. Als besonders hilfreich erlebten die befragten Angehörigen das zugehende, phasenübergreifende Beratungs- und Beziehungsangebot der Angehörigenlotsin, die im gesamten Reha-Verlauf als Ansprechpartnerin zur Verfügung stand.

 

 

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2018