Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Forschungsdesign und Methodik

Das Projektdesign des „Angehörigenlotsen“ orientiert sich an den Grundprinzipien der Handlungsforschung („action research“), die auf die prozessbegleitende Untersuchung von Effekten sozialer Intervention abzielt und diese zeitnah in die Praxis zurückspeist. Die zu Grunde liegende Forschungsstrategie kann als eine sich wiederholende Spirale der drei Arbeitsschritte Konzeption, Implementation und Evaluation beschrieben werden. Konkret bedeutet dies, dass Praxiserfahrungen des Angehörigenlotsen kontinuierlich dokumentiert, systematisch ausgewertet und im Hinblick auf möglicherweise notwendige Anpassungen des Beratungskonzepts diskutiert wurden. Eine Reihe von Modifikationen und Erweiterungen hat sich dabei im Projektverlauf als sinnvoll erwiesen.

 

Evaluation: Methoden und Instrumente

Um die Beratungsprozesse und die erzielten Effekte zu dokumentieren, war die wissenschaftliche Evaluation ein wesentlicher Bestandteil des Modellprojekts. Dabei wurde das Beratungskonzept des „Angehörigenlotsen“ als der zu untersuchende Evaluationsgegenstand definiert. Die Evaluationsergebnisse sollen als Informations- und Argumentationsbasis im Hinblick auf eine mögliche Verstetigung und Ausweitung des Beratungsangebots dienen. Um Erfahrungen und Bewertungen der Klienten sowie Beratungsprozesse, Veränderungen und Effekte zu evaluieren, wurden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden eingesetzt. Für sämtliche Beratungsfälle wurde eine Basisdokumentation angelegt und gepflegt; diese enthält u.a. soziodemografische Stammdaten zu Alter, Geschlecht, Bildung, Beruf, Beziehung zum Patienten sowie Zugang zum „Angehörigenlotsen“. Die Studienteilnehmer wurden vor dem Beginn (t0) sowie nach dem Ende der Beratung (t1) gebeten, einen Angehörigenfragebogen zur Einschätzung ihrer aktuellen Situation und zu erlebten Belastungen auszufüllen. Zudem wurde die Depressionsneigung der Angehörigen mit Hilfe des Beck Depressions-Inventars (BDI-II) erhoben.  Die Funktionsbeeinträchtigung des Schlaganfallbetroffenen wurde zu beiden Befragungszeitpunkten mit Hilfe des Barthel-Index erfasst.

Darüber hinaus wurden nach Abschluss der Beratung qualitative Interviews mit Angehörigen durchgeführt. Primäres Ziel war es dabei, Erfahrungen und Bewertungen der Klienten im Hinblick auf die erhaltene Beratung differenziert zu erfassen. Der flexibel zu handhabende Interviewleitfaden umfasste daher Fragen zum Zugang, zum Beratungsverlauf, zur Bewertung unterschiedlicher Aspekte der Beratung sowie zu Anmerkungen und Verbesserungsvorschlägen. Die Interviews wurden von einer Wissenschaftlichen Mitarbeiterin durchgeführt, die nicht selbst an der Beratung beteiligt war. Sämtliche Interviews wurden digital aufgezeichnet und vollständig transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet. Dabei wurden die zentralen Inhalte der Interviews herausgefiltert und in ein Kategoriensystem eingeordnet.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014