Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

PAG-S: Präventiver Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung für Beschäftigte im Sozial- und Gesundheitswesen am Beispiel der Suchthilfe

 

Die Arbeit im Bereich der Suchthilfe ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die aufgrund des oftmals bedürftigen Klientels z.T. belastend, stressig und frustrierend sein kann (Fengler, 2000; Ducharme et al. 2007). Das Projekt PAG-S hatte das Ziel mit Hilfe qualitativer und quantitativer Untersuchungsmethoden (mixed methods Design) die spezifischen Arbeitsbeanspruchungen, Belastungen und die psychische Gesundheit von Suchthelfern aus dem Bereich der Drogenhilfe zu untersuchen. Außerdem wurden in dieser Studie auch Informationen zu gesundheitsrelevanten Ressourcen und Selbstmanagementfähigkeiten der Fachkräfte erfasst.  Auf der Grundlage der Auswertung dieser Untersuchungsergebnisse wurde anschließend ein fachkräftespezifisches Präventionsprogramm für Suchthilfemitarbeiter für die Bewältigung von Arbeitsbeanspruchungen entwickelt, angewendet und im Anschluss auch evaluiert.

Hintergrund

Burnout als Prozess des körperlichen und geistigen Erschöpfungszustandes wurde und wird bereits in vielen Arbeitsbereichen umfassend untersucht. Daher ist es verwunderlich, dass es bisher wenige Forschungsarbeiten zu diesem Thema bei Fachkräften aus dem Bereich der Suchthilfe gibt (Premper, 2010). Dabei gilt die Arbeit in der Suchthilfe als sehr beanspruchend und z.T. auch als besonders stressig. Ziel dieses zweijährigen Forschungsprojektes (vom 1.07.2011 bis zum 30.06.2013) war es, den wissenschaftlichen Diskurs zu diesem Thema zu erweitern und die spezifischen Arbeitsbeanspruchungen, Belastungen und die psychische Gesundheit von Suchthelfern aus dem Bereich der Drogenhilfe zu untersuchen. Darüber hinaus sollten in der Studie auch Informationen zu gesundheitsrelevanten Ressourcen und Selbstmanagementfähigkeiten der Fachkräfte erfasst werden. Auf der Grundlage der Auswertung dieser Untersuchungsergebnisse sollte anschließend ein fachkräftespezifisches Präventionsprogramm für Suchthilfemitarbeiter für die Bewältigung von Arbeitsbeanspruchungen entwickelt, angewendet und im Anschluss auch evaluiert werden. Durch die enge Zusammenarbeit mit zwei Praxispartnern/Kooperationspartnern (dem Sozialdienst Katholischer Männer e.V./Fachbereich Sucht- und Aidshilfe und der Drogenhilfe Köln gGmbH) konnte der Zugang zu den Fachkräften im Bereich der Suchthilfe gesichert werden.

Studienmethodik

Bei dem entwickelten Studiendesign des Projektes kamen sowohl quantitative (postalische Befragungen zu zwei Messzeitpunkten: T1 vom 07.03.-10.04.2012 und T2 vom 17.01.-22.02.2013) als auch qualitative Verfahren (problemzentrierte Interviews, moderierte Fokusgruppendiskussion) zum Einsatz.

Ergebnisse

Bei den schriftlichen Befragungen zeigten sich bei den Suchthelfern insgesamt betrachtet für die Beanspruchungsfolgen/Burnout erfreuliche Ergebnisse. Dennoch ist zu konstatieren, dass im Hinblick auf die psychosomatische Symptombelastung wie bspw. Somatisierung, Depressivität, eine substantielle Subgruppe der Befragten als risikobehaftet beurteilt werden musste. Des Weiteren haben diese postalischen Befragungen gezeigt, dass die Suchthilfemitarbeiter im Bereich der individuellen gesundheitsförderlichen Ressourcen und Selbstmanagementfähigkeiten im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung überdurchschnittliche Ergebnisse/Qualitäten aufweisen.
Mit Hilfe der qualitativen Untersuchungsmethoden und dabei insbesondere den persönlichen Interviews konnte gezeigt werden, dass angegebene Arbeitsbelastungen zudem auch bereichsspezifisch sind - dabei werden im Bereich der niedrigschwelligen Hilfen vor allem klientenbezogene Aspekte z.B. die Nähe-Distanz-Problematik, Abgrenzungsprobleme sowie die geringen Erfolgsaussichten berichtet. Tätigkeitsfeldübergreifend wurden als wichtigste Ressource das Team und der Austausch mit Kollegen benannt.
Aufbauend auf den Ergebnissen der verschiedenen methodischen Verfahren, wurde dann ein fachkräftespezifischen Präventionskonzept in Form von Stressbewältigungstrainings entwickelt und bei 30 Suchthelfern durchgeführt. Zentral bei der inhaltlichen Gestaltung der Workshops war der Grundsatz die Aufmerksamkeit nicht auf die Funktionseinbußen zu lenken, sondern entsprechend der Befragungsergebnisse, sich eher im Sinne einer „positiven Psychologie“ auf die Stärkung von Ressourcen zu konzentrieren (Satterfield, 2001; Yamey & Wilkes, 2001). Die insgesamt positive Bewertung der Trainings hat gezeigt, dass solche Angebote auch für Suchthilfemitarbeiter relevant sind.
Aus den verschiedenen Ergebnissen ergeben sich weitere interessante Forschungsideen, u.a. spezifische Suchthilfebereiche (wie z.B. den Bereich des ambulant betreuten Wohnens oder den stationären Bereich) noch vertiefter zu untersuchen. Eine weitere Idee ist zudem auch die Überprüfung der zeitlichen Stabilität der Ergebnisse in weiteren Folgestudien/Follow-up-Untersuchungen.

Publikationen

  • Kuhn, U., & Klein, M. (2013). Die psychische Gesundheit, Beanspruchungsfolgen und Burnout von Suchthelfern. Dokumentation der 53. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V., Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, Frühjahrstagung der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin (Manuskript zum Vortrag/im Tagungsband digital auf der Homepage der DGAUM veröffentlicht).
  • Kuhn, U., & Klein, M. (2013). Die psychische Gesundheit, Beanspruchungsfolgen und Burnout von Suchthelfern. Abstract zum Vortrag (15.03.2013). Eine Sonderpublikation von DGAUM, ÖGA, SGARM und ASU zur 53. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V., Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, Frühjahrstagung der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin. Stuttgart: Gentner Verlag, S. 81-82.
  • Kuhn, U., Papazova, I., & Klein, M. (2012). Burnout-Prozesse und psychische Belastungen bei Mitarbeitern der Suchthilfe – eine quantitative Untersuchung, Abstract zum Vortrag am 29.09.2012 auf dem 11. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung und 4. Nationalen Präventionskongress in  Dresden vom 27.-29.09.2012. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift (DMW), 137. Jg (3):  140-141.
  • Wortberg, S., Kuhn, U., & Klein, M. (2012). Soziale Arbeit in der Suchthilfe – Ergebnisse zweier empirischer Studien zum Berufsfeld, Suchttherapie, 13: 167-174.

Kongressbeiträge

  • Kuhn, U., & Klein, M.: "Zusammenhänge zwischen Burnout und Arbeitsplatzbedingungen bei Mitarbeitern aus dem Bereich der Suchthilfe".  Posterpräsentation auf dem 12. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung zusammen mit dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (Berlin, 23.10.2013)
  • Kuhn, U., & Klein, M.: "Effekte eines spezifisch für Suchthilfemitarbeiter entwickelten Stressbewältigungstrainings". Posterpräsentation auf dem 12. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung zusammen mit dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (Berlin, 23.10.2013)
  • Kuhn, U., & Klein, M.: "Evaluation eines Gesundheitsförderungskonzeptes zur Prävention psychischer Beschwerden und Arbeitsbelastungen für Suchthilfemitarbeiter". Posterpräsentation auf dem 6. Deutschen Suchtkongress (Bonn, 20.09.2013)
  • Kuhn, U., & Klein, M.: "Tätigkeitsfeldspezifische Arbeitsbelastungen, Bewältigungsstrategien und Ressourcen von Suchthelfern". Posterpräsentation auf dem 6. Deutschen Suchtkongress (Bonn, 20.09.2013)
  • Kuhn, U., & Klein, M.: "Berufsbezogene Belastungen und gesundheitsrelevante Ressourcen bei Mitarbeitern aus dem Bereich der Suchthilfe". Vortrag auf dem 6. Deutschen Suchtkongress (Bonn, 19.09.2013)
  • Kuhn, U., & Klein, M.: "Dimensionen von Burnout und Ressourcen bei Beschäftigten im Drogenbereich- eine quantitative Untersuchung". Vortrag auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) (Berlin, 21.11. 2012)

Förderung

Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW im Rahmen des mit Mitteln des „Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung“ (EFRE) ko-finanzierten Operationellen Programms Ziel2.NRW  „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ 2007 - 2013

Förderzeitraum: 01.07.2011 bis 30.06.2013

Förderkennzeichen: 005-1010-0028

Projektleitung

Prof. Dr. Michael Klein

Email: mikle(at)katho-nrw.de

Tel. +49 (0)221-7757-156

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Ulrike Kuhn

Email: u.kuhn(at)katho-nrw.de

Tel. +49 (0)221-7757-169

Verwendete Literatur

Fengler, J. (2000). Handbuch der Suchtbehandlung: Beratung-Therapie-Prävention. Landsberg/Lech: ecomed.

Ducharme, L. J., Knudsen, H. K., & Roman, P. M. (2007). Emotional Exhaustion and Turnover Intention in Human Service Occupations: The Protective Role of Coworker Support. Sociological Spectrum, 28 (1): 81-104.

Premper, V. (2010). Rezension zu Reissner, V. (2008). Burnout und Coping bei Suchttherapeuten. Ein internationaler Vergleich aus dem Bereich illegale Drogen. Berlin: Logos Verlag. Online verfügbar: www.socialnet.de/rezensionen/7399.php. Zugegriffen am 05.03.2013.

Satterfield, J. M. (2001). Happiness, excellence and optimal human functioning. Journal Digest, 174: 26-29.

Yamey G., & Wilkes, M. (2001). Promoting wellbeing among doctors. British Medical Journal, 322: 252-253.

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