Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Crystal Meth und Familie II

Konzeption und Evaluation einer Intervention für methamphetaminabhängige Eltern zur Förderung der Familienresilienz und Elternkompetenz

 

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projektes „Crystal Meth und Familie II – Konzeption und Evaluation einer Intervention für methamphetaminabhängige Eltern zur Förderung der Familienresilienz und Elternkompetenz (CM II)“ wurde ein Gruppenprogramm für methamphetaminabhängige Eltern mit Kindern zwischen 0 und 8 Jahren entwickelt, welches ihre Elternkompetenzen und die Familienresilienz stärkt, die Substanzabstinenz stabilisiert und die weitere Inanspruchnahme von Hilfen fördert. Das Programm wurde an 7 Praxisstandorten in besonders von Crystal Meth-Konsum betroffenen Regionen (Sachsen, Thüringen) implementiert und hinsichtlich Akzeptanz und Wirksamkeit evaluiert.

Zur projektspezifischen Homepage kommen Sie hier: www.shift-elterntraining.de

Hintergrund

Bisherige Studien aus den USA (Brown und Hohman 2006, Haight et al. 2009) und aus Deutschland, v.a. aus der Region Sachsen (Klein et al. 2016), zeigen ein konsistent komplexes und kritisches Bild der Lebenswelt von Kindern methamphetaminabhängiger und -missbrauchender Eltern auf mehreren Ebenen. In den meisten betroffenen Familien lag z.B. eine elterliche Arbeitslosigkeit vor und in etwa jeweils der Hälfte der Fälle konnten eine Verschuldung und justizielle Probleme festgestellt werden. In den meisten Fällen waren die leiblichen Eltern der Kinder getrennt; ein Großteil der Kinder war fremduntergebracht. Beobachtete emotionale und Verhaltensänderungen bei den Eltern durch den Konsum bezogen sich u.a. auf eine erhöhte emotionale und körperliche Distanziertheit gegenüber den Kindern, starke Stimmungsschwankungen, negativen Affekt, erhöhte Impulsivität und Aggressivität, Vernachlässigung von allgemeinen und familiären Pflichten, signifikante Verschiebungen des Tag-Nacht-Rhythmus, inkonsequentes Verhalten in der Erziehung, sozialen Rückzug sowie eine Unfähigkeit für das Wohlbefinden und die Sicherheit des Kindes zu sorgen. Typische Verhaltensänderungen beim Kind waren in der Konsequenz Rückzugsverhalten, Ängste und Unsicherheit, Parentifizierung sowie externalisierende Auffälligkeiten.

Diese Ergebnisse unterstreichen den deutlichen Hilfebedarf für Familien, in denen elterlicher Methamphetaminkonsum eine Rolle spielt. Eine besondere Lücke im aktuellen Hilfesystem bildet die Tatsache, dass suchtspezifische, wissenschaftlich fundierte und evaluierte Elternprogramme fehlen, die zum einen die besonderen Charakteristika einer Methamphetaminabhängigkeit berücksichtigen und zum anderen auf die Förderung von Erziehungskompetenz, familiärer Resilienz und Bewältigungsfertigkeiten der Familien abzielen. Eine Förderung dieser Faktoren ist insofern von besonderer Bedeutung, als dass das elterliche Verhalten und die Resilienz der Familie den zentralen Ausgangspunkt für das Familienleben und die psychische Gesundheit der Eltern bilden. Entsprechend sind sie damit auch für die gesundheitliche Entwicklung der Kinder (psychisch und körperlich) von fundamentaler Relevanz. Die Entwicklung, Implementierung und wissenschaftliche Evaluation eines derartigen Programms mit dem Fokus auf Elternkompetenz und Familienresilienz vor dem Hintergrund des problematischen Crystal Meth-Konsums war Gegenstand des Projekts "CM II".

Studienmethodik

Es wurde ein modularisiertes Gruppenprogramm für methamphetaminabhängige und - missbrauchende Eltern mit Kindern zwischen 0 und 8 Jahren entwickelt, welches darauf abzielt, die Elternkompetenzen und die familiäre Widerstandsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig die elterliche Substanzabstinenz sowie die weitere Inanspruchnahme von Hilfen zu fördern und zu stabilisieren. Das „SHIFT Elterntraining“ orientiert sich inhaltlich und didaktisch an aktuellen Forschungsergebnissen und bewährten sucht- und verhaltenstherapeutischen Techniken und Programmen. Jedes Modul behandelt ein bestimmtes Thema und besitzt eine Dauer von jeweils 90 Minuten. Didaktische Elemente sind z.B. Psychoedukation, Arbeitsblätter oder Rollenspiele.

Zur Überprüfung und Bewertung der Intervention wurde ein hochqualitatives Evaluationsdesign eingesetzt, welches eine umfassende Prozess- und Wirksamkeitsevaluation auf Basis eines quasi-experimentellen Forschungsdesigns mit Prä-Post- und Follow-Up-Messungen anhand standardisierter Erhebungsinstrumenten beinhaltete.

Ergebnisse

Die ersten Evaluationsergebnisse zeigen, dass die Intervention sich bezüglich der Förderung positiven Erziehungsverhaltens und der Reduzierung drogenbezogener Probleme als wirksam erwiesen hat. Beide Gruppen verbesserten sich hinsichtlich Familienfunktionalität, psychischer Belastung sowie Elternstress. Auch kindliche Problemlagen konnten in beiden Gruppen reduziert werden. Darüber hinaus konnte „SHIFT“ eine außergewöhnlich hohe Akzeptanz bei sowohl Trainern als auch Eltern erzielen. Hierbei wurden vor allem ressourcen-orientierte Ansätze von den Teilnehmern als hilfreich empfunden.

Publikationen

Dyba, J., Moesgen, D., Klein, M., Pels, F. & Leyendecker, B. (under revision). Evaluation of a family-oriented intervention for methamphetamine-involved mothers and fathers – The SHIFT Parent Training.

Dyba, J. Moesgen, D., Klein, M & Leyendecker, B. (2019). Mothers and fathers in treatment for methamphetamine addiction - Parenting, parental distress and children at risk. Child and Family Social Work, 24, 106-114. Doi: 10.1111/cfs.12587.

Dyba, J, Klein, M & Moesgen, D. (2018). Methamphetaminabhängigkeit und Elternschaft. NeuroTransmitter, 29 (11), 30-34. doi:10.1007/s15016-018-6570-y.

Moesgen, D., Dyba, J. & Klein, M. (2017). Methamphetaminabhängigkeit und Elternschaft – Herausforderungen und Hilfen. In: H. Stöver, A. Dichtl & N. Graf (Hrsg.). Crystal Meth. Prävention, Beratung und Behandlung (S. 244-253). Frankfurt a.M.: Fachhochschulverlag.

Moesgen, D., Dyba, J. & Klein, M. (2017). Abhängigkeitserkrankungen und Elternschaft – Herausforderungen und Möglichkeiten der Hilfe. Suchttherapie, 18 (2), 65-72.

Kongressbeiträge

Moesgen, D., Dyba, J. & Klein, M. (2018). SHIFT parent training - an intervention for mothers and fathers using methamphetamine. Vortrag auf der AFINet Conference, Newcastle upon Tyne, Vereinigtes Königreich am 10.11.2018.

Moesgen, D., Dyba, J. & Klein, M. (2018). Praxisforum. Das SHIFT-Elterntraining. Vortrag auf dem 13. Fachtag des Suchthilfezentrums für Mutter und Kind Trockenborn-Wolfersdorf am 24.10.2018.

Moesgen, D., Dyba, J. & Klein, M. (2018). SHIFT-Elterntraining. Aktuelle Forschungsergebnisse. Vortrag auf dem Sommerfest der Jugend- und Drogenberatungsstelle Dresden am 21.06.2018.

Dyba, J., Klein, M. & Moesgen, D. (2018). Metamphetaminabhängige Eltern: Problemlagen und Konsequenzen. Vortrag auf dem 11. Deutschen Suchtkongress am 18.09.2018.

Dyba, J., Klein, M. & Moesgen, D. (2018). SHIFT Elterntraining - Konzeption und Evaluation einer Intervention für methamphetaminabhängige Eltern. Vortrag auf den Tübinger Suchttherapietagen am 11.04.2018.

Dyba, J., Klein, M. & Moesgen, D. (2017). SHIFT-Elterntraining - Eine Intervention für methamphetaminabhängige Eltern zur Förderung der Elternkompetenz und Familienresilienz. Vortrag auf dem Arbeitskreis COA-NRW, Köln am 17.03.2017.

Klein, M. (2017). Präventive Hilfen bei Suchtstörungen in Familien. Vortrag auf den Tübinger Suchttherapietagen, Tübingen am 05.04.2017.

Klein, M. (2017). Kinder aus suchtbelasteten Familien - Implementierungsansätze vom Public-Health-Problem bis zur Kindergruppe. Vortrag auf der Fachtagung „Netze knüpfen für Kinder süchtiger Eltern – eine regionale und gesamtgesellschaftliche Herausforderung für Versorgungsforschung und Gesundheits- und Sozialpolitik“, Köln am 06.07.2017.

Moesgen, D., Klein, M. & Dyba, J. (2017). Parenting interventions for mothers and fathers using methamphetamines and other substances. Vortrag auf dem WPA XVII World Congress of Psychiatry 2017, Berlin am 10.10.2017.

Dyba, J., Klein, M. & Moesgen D. (2017). Dysfunctional parenting behavior and parental role strain in methamphetamine-using men and women. Vortrag auf dem WPA XVII World Congress of Psychiatry 2017, Berlin am 10.10.2017.

Klein, M., Moesgen, D. & Dyba, J (2017). Psychosocial living circumstances of methamphetamine-involved families. Vortrag auf dem WPA XVII World Congress of Psychiatry 2017, Berlin am 10.10.2017.

Klein, M. (2017). Methamphetamin und Familie – Welche Hilfen benötigen die Kinder? Vortrag auf der Kinderschutzfachtagung des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, Schmalkalden-Meiningen am 18.10.2017.

Moesgen, D., Klein, M. & Dyba, J. (2017). SHIFT – A parenting intervention for methamphetamine abusing mothers and fathers. Vortrag auf der Lisbon Addictions Conference am 26.10.2017.

Dyba, J., Klein, M. & Moesgen D. (2017). Parenting stress and familial coping in the context of parental methamphetamine use. Vortrag auf der Lisbon Addictions Conference am 26.10.2017.

Klein, M., Dyba, J. & Moesgen, D. (2017). The living situation of children from methamphetamine-involved families. Vortrag auf der Lisbon Addictions Conference am 26.10.2017.

Förderung

Bundesministerium für Gesundheit

Förderzeitraum: 01.03.2016 - 30.09.2018

Förderkennzeichen: ZMVI1 - 2516DSM202

Projektleitung

Prof. Dr. Michael Klein

E-Mail: mikle(at)katho-nrw.de  |  Tel. +49 (0)221-7757-156

wissenschaftliche Mitarbeiterinnen

Dipl.-Psych. Janina Dyba

E-Mail: j.dyba(at)katho-nrw.de  |  Tel.:  +49 (0)221-7757-178

und

Dr. Diana Moesgen

E-Mail: d.moesgen(at)katho-nrw.de  |  Tel.:  +49 (0)221-7757-173


Verwendete Literatur:

Brown, J. A. & Hohman, M. (2006). The Impact of Methamphetamine Use on Parenting. Journal of Social Work Practice in the Addictions, 6 (1-2), 63–88.

Haight, W., Ostler, T., Black, J. & Kingery, L. (2009). Children of Methamphetamine-involved Families. The Case of Rural Illinois. New York: Oxford University Press.

Klein, M., Dyba, J., Moesgen, D. & Urban, A. (2016). Crystal Meth und Familie – Zur Analyse der Lebenssituation und des Hilfebedarfs betroffener Kinder. Abschlussbericht. Berlin: Bundesministerium für Gesundheit.

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