Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

ChAPAPs: Kinder und Alkohol in der Familie – Gesundheitsförderung und Schadensbegrenzung (Reducing Harm and Building Capacities for Children Affected by Parental Alcohol Problems in Europe)

Hintergrund

Kinder aus suchtbelasteten Familien gelten als Hochrisikogruppe, später selbst eine Suchterkrankung oder andere psychische Störungen zu entwickeln. Übergeordnetes Ziel des EU-Projekts ChAPAPs war es, den durch familiäre Alkoholprobleme verursachten Schaden zu begrenzen und die Gesundheit betroffener Kinder und Jugendlicher europaweit zu fördern.

Hierzu wurde ein internationales Konsortium, bestehend aus 19 Forschungs- und Praxisinstitutionen aus 16 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen, ins Leben gerufen. Die Aufgaben des Projekts wurden innerhalb des Konsortiums auf acht verschiedene „Arbeitspakete“ verteilt, welche unterschiedliche Zielsetzungen verfolgten. So sollten z.B. auf individuellem Niveau die Auswirkungen elterlichen Alkoholmissbrauchs auf die psychische und physische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen erforscht werden. In gesamtgesellschaftlicher Betrachtung sollten die volkswirtschaftlichen Konsequenzen sowie der Status Quo in Sachen Forschung, Präventions- und Interventionsmaßnahmen und die Infrastruktur bestehender Hilfssysteme in den beteiligten Ländern erfasst werden. Durch das Aussprechen von Handlungsempfehlungen für politische Richtlinien, die Konzeption von Fachkräftetrainings und das Zusammenstellen wirksamer Maßnahmen in einem Handbuch für Fachleute, sollten schließlich die aus den Forschungsaktivitäten gewonnenen Erfahrungen in die Praxis umgesetzt werden.

Studienmethodik

Das facettenreiche Projekt integrierte unterschiedliche methodische Ansätze. Um den Status Quo zur Forschung, Infrastruktur, Politik und zu bestehenden, wirksamen Maßnahmen in allen Ländern zu erfassen, wurden spezielle Survey-Instrumente entwickelt. Um die Gesundheit der betroffenen Kinder auf individueller Ebene zu erfassen, wurde in 12 beteiligten Ländern eine Onlinebefragung unter Jugendlichen durchgeführt. Zusätzlich wurde mit betroffenen Kindern und Jugendlichen eine umfassende Fragebogenuntersuchung durchgeführt. Diese Untersuchung wurde durch telefonische Interviews mit deren Eltern sowie mit erwachsenen Kindern aus alkoholbelasteten Familien ergänzt. Regelmäßige Projekttreffen trugen zur Entwicklung eines Trainingskonzeptes für Fachleute, zur Ausarbeitung politischer Handlungsempfehlungen, zur Sammlung von Beispielen guter Praxis und zur allgemeinen Qualitätssicherung des Projektes bei. 

Ergebnisse

Innerhalb Europas wurde eine fundierte, empirische Datenbasis über die Situation von Kindern und Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien geschaffen. Schwerpunkte waren dabei v.a. Prävalenzen und bestehende Hilfeangebote sowie die individuellen gesundheitlichen Konsequenzen (körperlich und psychisch) für die Kinder durch die elterliche Erkrankung. So zeigte sich zum Beispiel, dass in den verschiedenen Ländern ein sehr unterschiedliches Muster an Aktivitäten und Angeboten für betroffene Kinder zu erkennen ist. Die Ergebnislage ist allerdings so heterogen, dass aussagekräftige Vergleiche der Länder hinsichtlich der Versorgungssituation nicht getroffen werden können.

Gesichert ist jedoch, dass betroffene Kinder generell nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen. Auf individuellem Niveau zeigte sich, dass betroffene Kinder und Jugendliche psychisch stärker belastet sind als Kinder aus unbelasteten Familien - auch noch später im Erwachsenenalter. Dies wurde sowohl in Selbst- als auch in Fremdeinschätzungen durch die Eltern deutlich. Darüber hinaus wurde im Projekt ein Manual mit Empfehlungen guter Praxis für Fachkräfte entwickelt, die mit Kindern und Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien arbeiten. Ebenso wurden Strategieempfehlungen für notwendige Veränderungen in verschiedenen Politikbereichen erarbeitet. In europäischen Ländern, in denen weniger Bewusstsein oder Hilfe für die Gesundheitsprobleme von Kindern aus alkoholbelasteten Familien besteht, wurden durch die Implementierung von Fachkräftetrainings Weiterbildungskapazitäten entwickelt und ausgebaut.

Publikationen

Moesgen, D. (2014). Kinder und Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien. Dysfunktionale Kognitionen und Verhaltensauffälligkeiten. Hamburg: disserta.

Moesgen, D., Schulz, W. & Klein, M. (2012). Elterliche Alkoholprobleme: Kognitionen der Kinder und Verhaltensauffälligkeiten. Sucht, 58 (2), 109-118.

Belles, S., Budde, A., Moesgen, D. & Klein, M. (2011). Parental Problem Drinking Predicts Implicit Alcohol Expectancy in Adolescents and Young Adults. Addictive Behaviours, 36 (11), 1091-1094.

Budde, A., Moesgen, D., Belles, S., & Klein, M. (2010). The Effects of Parental Problem Drinking on Children. A Review of Current Research Findings and their Relevance for Practice. Socialinis darbas. Patirtis ir metodai/Social Work. Experience and Methods, 5 (1), 17-30.

Moesgen, D. & Klein, M. (2010). Kinder aus suchtbelasteten Familien. Public Health Forum, 67, 18-19.

Budde, A., Belles, S., Moesgen, D. & Klein, M. (2009). Entwicklung eines Verfahrens zur Messung impliziter Kognitionen bei Kindern aus alkoholbelasteten Familien. Suchttherapie, 10, DOI:10.1055/s-0029-1240455.

Kongressbeiträge

  • Moesgen, D. & Klein, M. (2010, September). Die Rolle kognitiver Faktoren für die Entwicklung psychischer Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien und Implikationen für präventive Angebote. Vortrag auf dem Deutschen Suchtkongress, Tübingen.
  • Moesgen, D. & Klein, M. (2010, Juni). Psychische und körperliche Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien: Ergebnisse des Projektes ChAPAPs in Deutschland. Vortrag auf dem III. ENCARE-Symposium „Gesundheitliche Ungleichheiten als Folge elterlichen Problemtrinkens – Strategien, Praxis, Prävention“, Bad Honnef.
  • Moesgen, D. & Klein, M. (2009, September). Kognitive Bedingungsfaktoren in der Entstehung psychischer Auffälligkeiten bei Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien. Vortrag auf dem Deutschen Suchtkongress, Köln.
  • Belles, S., Budde, A., Moesgen, D. & Klein, M. (2009, September). Implizite und explizite Alkoholwirkungserwartungen und elterliches Problemtrinken. Posterpräsentation auf dem Deutschen Suchtkongress, Köln.
  • Moesgen, D. & Klein, M. (2009, Juni). Kinder und Alkohol in der Familie - Aktuelle Forschungsergebnisse und deren Relevanz für die Praxis. Vortrag auf den Hamburger Suchttherapietagen 2009, Hamburg.
  • Moesgen, D. (2009, Mai). Lebenswelten von Kindern aus suchtbelasteten Familien. Aktueller Stand der Suchtforschung. Vortrag auf der Fachtagung „Lebenswelten psychisch kranker und suchtkranker Eltern und ihrer Kinder“, Euskirchen.
  • Moesgen, D. (2009, April). Suchtfalle Familie? Kinder aus alkoholbelasteten Familien. Aktuelle Forschungsergebnisse und praktische Ansätze. Vortrag auf der Sozialtherapie-Tagung, Bad Münstereifel.

Förderung

Europäische Kommission, Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz (DG SANCO)

Förderzeitraum: August 2007 bis Juli 2010

Förderkennzeichen: Grant Agreement No. 2006327

Projektleitung

Prof. Dr. Michael Klein

E-Mail: mikle(at)katho-nrw.de

Tel.: +49 (0)221-7757-156

Wissenschaftliche Mitarbeiter/-in

Dr. Diana Moesgen, Psychologie M.Sc.

E-Mail: d.moesgen(at)katho-nrw.de

Tel. +49 (0)221-7757-173

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Axel Budde, Psychologie M.Sc.

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