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Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

"Alters-CM³"

Drogenabhängigkeit im Alter: Erfahrungs-, lebenswelt- und versorgungs- systemorientiertes Case Management für ältere drogenabhängige Menschen in drei Regionen

 

Im Rahmen der Förderlinie „Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter“ / Forschung an Fachhochschulen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung war das DISuP der KatHO NRW erneut in einer Antragsstellung zum Themenbereich "Sucht im Alter" erfolgreich - diesmal in einem Verbundprojekt mit der Hochschule Koblenz unter Beteiligung von elf Praxisinstitutionen.

In dem dreijährigen Projekt "Alters-CM3" sollten Lebens- und Versorgungssituation älterer Drogenabhängiger (ab 45 Jahren) zunächst mittels quantitativer, standardisierter Erhebungsmethoden analysiert und sodann über verbesserte Vernetzung und Vernetzungsmethoden, u.a. über ein zielgruppenspezifisches Case Management, optimiert werden.

Hintergrund

Menschen, die von illegalen Drogen wie Heroin abhängig sind, werden in Deutschland heute deutlich älter, als dies früher angenommen wurde. Eine Ursache hierfür ist die Substitutionsbehandlung und die insgesamt gut ausgebaute medizinische und psychosoziale Versorgung Drogenabhängiger.

Allerdings geht damit auch eine Verschiebung der Problemlagen einher. Mehrere Studien weisen darauf hin, dass ältere Drogenabhängige nicht nur in erheblichem Ausmaß gesundheitlich und psychosozial belastet sind, sondern auch früher als andere von altersbedingten Problemen wie Mobilitätseinbußen und Pflegebedarf betroffen sind. In den nächsten Jahren wird die Zahl der älteren Drogenabhängigen mit Pflegebedarf und alterskorrelierten Erkrankungen erheblich ansteigen. Für häusliche Pflege fehlt in den meisten Fällen das erforderliche familiäre Umfeld. Die somatische und psychiatrische Multimorbidität der Zielgruppe, häufige Behandlungsabbrüche und Wiederaufnahmen, Exklusionserfahrungen z.B. durch lange Inhaftierungszeiten sowie die soziale Isolation vieler älterer Drogenabhängiger erschweren eine angemessene Versorgung zusätzlich. Mangels entsprechender Erwerbsbiographien fehlen oft Ansprüche an Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, sodass die Kosten hierfür größtenteils auf die Kommunen zukommen werden.

Die ambulanten Pflegedienste, die stationären Pflegeheime und andere Einrichtungen der Altenhilfe verfügen bisher kaum über Erfahrungen in der medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Versorgung älterer Drogenabhängiger, die meist von kommunal finanzierten Drogen- und Suchtberatungsstellen betreut werden, denen aber wiederum alters- und pflegespezifische Kompetenzen fehlen.

Studienmethodik

Im Mittelpunkt des Projektes Alters-CM3 stand deshalb die Organisationen angemessener ambulanter (und bei Bedarf auch stationärer) Versorgungsstrukturen durch eine stärkere Vernetzung und Kooperation zwischen Drogen- und Suchthilfe, Altenhilfe und Pflege sowohl auf der Einzelfallebene als auch auf der Ebene der lokalen Versorgungssysteme. Zur Umsetzung dieser Projektidee wurde intensiv mit Praxispartnern aus den drei Modellregionen kooperiert. Die beiden Hochschulen haben hierzu drei Module entwickelt:

Modul 1: Zunächst wurde in den drei Modellregionen (Frankfurt am Main, Koblenz und Köln/Düsseldorf) eine Bedarfserhebung zur Lebenssituation und zu den Hilfe- und Pflegebedarfen älterer Drogenabhängiger durchgeführt, die derzeit ausgewertet wird (= Querschnittsanalyse).

Modul 2: Hier ging es mittels quantitativer und qualitativer Verfahren um die Analyse und Optimierung der kommunalen und lokalen Vernetzung der an der Versorgung von illegal Drogenabhängigen beteiligten Diensten.

Modul 3: Auf diese Erhebungen aufbauend wurde dann ein auf die Zielgruppe der älteren Drogenabhängigen zugeschnittenes Manual für ein fallbezogenes Case Management-Modell erarbeitet, das – nach entsprechenden Schulungen – derzeit in den Modellregionen erprobt und evaluiert wird.

Ergebnisse

Angestrebte Projektergebnisse waren u.a. die erfolgreiche Erprobung und Veröffentlichung eines Manuals für Case Management mit älteren Drogenabhängigen sowie die Verbesserung der Kooperations- und Netzwerkstrukturen zwischen Drogenhilfe, Altenhilfe und Pflege. So wurden   notwendige Unterstützungsleistungen für diese Zielgruppe effektiver und effizienter und mit weniger Reibungsverlusten erbracht und dadurch die Versorgung älterer Drogenabhängiger und deren Lebenssituation verbessert werden. Arztpraxen, Pflegedienste und Drogenhilfeeinrichtungen sollten dadurch bei der Erbringung ihrer Dienstleistungen unterstützt und entlastet und älteren Drogenabhängigen die Leistungen der unterschiedlichen Hilfesysteme besser erschlossen werden.

Publikationen

Schmid, M., Hoff, T., Arendt, I., Follmann-Muth, K., Kuhn, U. & Vogt, I. (2016): Case Management für ältere Drogenabhängige - Modellprojekt zu Case Management in der Drogenhilfe. Zeitschrift für Case Management, 4, 176-182.

Kongress- und Tagungsbeiträge

Hoff, T. & Schmid, M.: Case Management für ältere Drogenabhängige: Erkenntisse aus dem Forschungsprojekt. Vortrag auf der Fachtagung "Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe ..." - Ältere Drogenabhängige, Hilfesysteme und Lebenswelten" / Abschlusstagung des Verbundprojekts Alters-CM3 (Koblenz, 27.09.2017)

Kuhn, U. & Becker, J.: Interdisziplinäre Initiativen und Projekte für nachhaltige Kooperationen und Zusammenarbeit von Suchthilfe und Pflege. Workshop auf der Fachtagung "Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe ..." - Ältere Drogenabhängige, Hilfesysteme und Lebenswelten / Abschlusstagung des Verbundprojekts Alters-CM3 (Koblenz, 27.09.2017)

Hoff, T. & Kuhn, U.: Ausrichtung und Vorsitz des Symposiums „Potenziale und Grenzen vernetzter Versorgung älterer Drogenabhängiger“ auf dem 10. Deutschen Suchtkongress 2017 (Lübeck, 18.09.2017) mit weiteren Beiträgen von I. Vogt, U. Kuhn, K. Fuhrmann

Kuhn, U., Hoff, T., Hofmann, L. & Becker, J.: Netzwerk- und Kooperationsstrukturen in der Versorgung von älteren Drogenabhängigen - Ergebnisse einer sozialen Netzwerkanalyse in drei deutschen Großstädten. Vortrag auf dem 10. Deutschen Suchtkongress in Lübeck 2017 (Lübeck, 18.09.2017)

Kuhn, U, Hoff, T, Hofmann, L, Becker, J.: Untersuchung der Versorgungsstrukturen für ältere Drogenabhängige in Köln, Düsseldorf und Frankfurt anhand einer sozialen Netzwerkanalyse. Postervortrag auf der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie e.V. (DGEpi), der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie e.V. (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) (Lübeck, 07.09.2017)

Kuhn, U, Hoff, T, Hofmann, L, Becker, J.: Ältere Abhängige illegaler Drogen: Ergebnisse einer empirischen Studie zur gesundheitlichen Situation und Exklusionserfahrungen. Vortrag auf der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie e.V. (DGEpi), der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie e.V. (DGMS) und der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) (Lübeck, 06.09.2017)

Kuhn, U. & Hoff, T.: Gesundheitliche Probleme, Lebenslagen und Versorgungssituation älterer Drogenabhängiger. Posterpräsentation auf dem 12. Österreichisch-Deutschen Geriatriekongress & 57. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (Wien, 21.04.2017).

Kuhn, U. & Hoff, T.: Altersspezifische Gesundheits- und Problemlagen Drogenabhängiger. Posterpräsentation auf dem Kongress "Armut und Gesundheit" (Berlin, 17.03.2017)

Kuhn, U. & Hoff, T.: Bedarfserhebung zur gesundheitlichen und psychosozialen Situation von älteren Opiatabhängigen und polyvalenten DrogengebraucherInnen - Ergebnisse einer quantitativen Befragung. Posterblitzvortrag auf der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS; Berlin, 28.09.2016) und der 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP, Berlin, 28.-30.09.2016)

Kuhn, U. & Hoff, T.: Sozialraumorientierte Analyse von Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen in der Versorgung von älteren Drogenabhängigen in drei Regionen. Posterblitzvortrag auf der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS; Berlin, 28.09.2016) und der 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP, Berlin, 28.-30.09.2016)

Kuhn, U. & Hoff, T.: Pilotstudie zu regionalen Netzwerk- und Kooperationsstrukturen in der Versorgung älterer Opiatabhängiger und polyvalenter DrogengebraucherInnen in drei Regionen. Posterblitzvortrag auf dem 9. Deutschen Suchtkongress 2016 (Berlin, 07.09.2016)

Kuhn, U. & Hoff, T.: Körperliche und psychische Dimensionen der Gesundheit, Lebenssituation und Versorgungsbedarfe von älteren Drogenabhängigen. Vortrag auf der 52. Jahrestagung der DGSMP (Essen, 14.09.16)

Hoff, T. & Kuhn, U.: Life quality, social inclusion and health of older drug dependents. Results of a quantitative study in three German regions. Vortrag auf dem 31. International Congress of Psychology (Yokohama, 24.07.2016)

Kuhn, U., & Hoff, T.: Ergebnisse einer quantitativen Studie zur (Versorgungs-) Bedarfserhebung bei älteren Drogenabhängigen als Grundlage für die Entwicklung eines altersspezifischen, inklusionsorientierten und fallbezogenen Case Management Ansatzes. Vortrag auf der Jahrestagung der DGSA (Düsseldorf, 30.04.2016)

Hoff, T.: Herausforderungen und Handlungsoptionen zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Drogenabhängiger. Vortrag auf der 6. MCC Fachkonferenz: "Health aktuell: Geriatrie 2016" (Köln, 27.01.2016)

Kuhn, U., Hoff, T., Schmid, M., Färber, N.: Drogenabhängigkeit im Alter: Erfahrungs-, lebenswelt- und versorgungssystemorientiertes Case Management für ältere drogenabhängige Menschen in drei Regionen (Alters-CM3) - Erste Ergebnisse einer quantitativen Untersuchung. Vortrag auf dem 8. Deutschen Suchtkongress 2015 (Hamburg, 17.09.2015)

Förderung

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Förderzeitraum: 01.10.2014 bis 31.10.2017

Förderkennzeichen: 03FH005SB4 / ab 06/2017: 13FH005SB4

Projektleitung für den Verbundteil der KatHO NRW

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Tanja Hoff

E-Mail: t.hoff(at)katho-nrw.de  |  Tel.: +49 (0)221-7757-137

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Jennifer Becker, M.A.

Dr. Ulrike Kuhn, Dipl.-Soziologin

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014