Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Über den Forschungsschwerpunkt

Im Forschungsschwerpunkt "Bildung und Diversity" werden Bildungsprozesse in der Weltmigrationsgesellschaft untersucht. Wie können Teilhabe- und Anerkennungsmöglichkeiten diversity- und genderfreundlicher gestaltet werden, damit allen möglichst viele Chancen in formaler und non-formaler Bildung offen stehen? Wie kann gewährleistet werden, dass pädagogisch begleitete Bildungsprozesse zugleich zuschreibungsreflexiver werden, um Praktiken des othering (Menschen zu "Anderen" machen, indem sie als solche markiert werden) zu vermeiden? Wie verlaufen Subjektivierungen in unterschiedlichen Bildungssettings? Wie können Bildungsräume als Möglichkeitsräume für Rassismuskritik genutzt werden? Wie können dafür notwendige Daten erhoben und wissenschaftliche Untersuchungen so durchgeführt werden, dass Bildungssettings macht- und dominanzsensibel in den Blick genommen und die eigenen Forschungsergebnisse kritisch reflektiert werden?

In den Forschungsprojekten untersuchen die Mitarbeiter*innen die Bildungssituationen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen – junger und älterer Menschen, von Frauen und Männern, von Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft und mit differenten Bildungsabschlüssen, von Gruppen unterschiedlicher kultureller Selbst- und Fremdverortungen, von "Weißen" und "Schwarzen", von neuen und alten Deutschen, von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Das Erkenntnisinteresse der Intersektionalitätsforschung, das die Verflechtung verschiedener Ungleichheitsformen fokussiert, gilt hier als zielführend. Dabei agieren die Forscher*innen insbesondere im Kontext der mittlerweile zahlreichen Forschungsergebnisse über den Zusammenhang von Bildung und sozialer Ungleichheit – zeichnet sich Deutschland doch durch ein sozial selektives Bildungssystem aus. Darüber hinaus sind die Forschungen durch Gender- und Migrationsdiskurse, rassismuskritische Perspektiven, Empowermentansätze und weitere Fachdiskurse im Feld der Sozialen Arbeit getragen.

Der Forschungsschwerpunkt "Bildung und Diversity" wurde 2014 gegründet und wird im Rahmen des vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW (MIWF) initiierten Programms FH-Struktur und der Katholischen Hochschule NRW gefördert. Er kann aus den Erfahrungen des vorangegangenen Forschungsschwerpunkts "Gender und Soziale Arbeit" (2002) bzw. "Gender und Transkulturalität" (seit 2005) schöpfen. Der Fokus der dort durchgeführten Projekte lag auf den Entwicklungen hin zu einer weltoffeneren Gesellschaft, in der einseitige kulturelle Zuschreibungen gegenüber "den Migranten" allmählich aufgebrochen werden. Mit dem Zusammenschluss der beiden Forschungsschwerpunkte unter dem Label "Bildung und Diversity" im März 2016 wird nun nach außen sichtbar, was sich in den vergangenen Jahren thematisch in den konkreten Projekten herauskristallisiert hat: eine Fokussierung auf gesellschaftliche Auseinandersetzungen im Feld der Bildung. Die Forschungsthemen beschäftigen sich mit sozialen Positionen und sozialen Lagen und damit verknüpften Ungleichheitseffekten, mit Ranking- und Sorting-Prozessen bzw. -Strukturen im Bildungswesen, mit (strukturellen, institutionellen und alltäglichen) Diskriminierungen in Schule und außerschulischer Bildung, aber auch mit möglichen und zu ermöglichenden Formationen und Praktiken auf dem Weg zu inklusiveren Bildungslandschaften. Die Analyse ungleicher Bildungschancen wie die Entwicklung innovativer Handlungsansätze, die gleichermaßen soziale Inklusion wie auch die Anerkennung individueller Verschiedenheit und Potentiale fokussieren, möchten ein Beitrag zur nachhaltigen Gestaltung der demokratischen Gesellschaft sein.

Das fachliche Spektrum der Forschenden aus den vier Abteilungen der Hochschule (Aachen, Köln, Münster und Paderborn) ist interdisziplinär und umfasst (sozial-) pädagogische, sozialwissenschaftliche, psychologische und weitere Perspektiven. Beteiligt sind Professor*innen, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte. Auch Studierende aus den Master- und Bachelorstudiengängen der Sozialen Arbeit sind aktiv durch Lehrforschungsprojekte einbezogen. Die Ergebnisse der Projekte finden gezielt Eingang in die Lehre und tragen so zur Sicherung der Aktualität und Professionalität der praxis- und forschungsorientierten Lehrinhalte bei. Die meisten Forschungsprojekte – etwa in Form von Evaluations- und Entwicklungsprojekten – werden in Kooperation mit sozialen bzw. Bildungs-Einrichtungen durchgeführt und versuchen damit, zu konzeptionellen Verbesserungen und zur Qualitätssicherung von Praxis beizutragen.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014