Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Anliegen

Der nachfolgende Text verarbeitet inhaltliche Aussagen des Protokolls der Steuerungsgruppe vom 9.4.08 und Anregungen für ein Raumkonzept in der KatHO, Aachen, von C. Simonsen

Das Anliegen: Ein Raum am Puls der Zeit und ihrer Menschen

  • „Räume der Stille“ liegen im Trend und stellen eine besondere Bau- und Gestaltungsaufgabe dar. Sie entstehen in neuen gesellschaftlichen Kontexten unter veränderten individualisierten und pluralen Vorzeichen: in Krankenhäusern, in Bahnhöfen, Einkaufszentren oder Schulen und Bürogebäuden. „Räume der Stille“ führen an den Puls eines neuen Gegenwartsbewusstseins.
  • Anthropologisch gesehen hat eine Spiritualität der Stille in den letzten Jahren einen neuen Stellenwert erlangt. Menschen verlangen mehr und mehr Respekt für persönliche seelische Bedürfnisse oder verlangen schlichtweg nach Möglichkeiten zu Ruhe und Rückzug. Der Sinn für die Stille, für die sammelnde und öffnende Kraft von Schweigen, Betrachten, Meditation und von entschleunigender Langsamkeit ist erneut wachgerufen worden. Dieser Sinn entspringt einer veränderten Innerlichkeit, die sowohl einen Gottesbezug einschließt wie auch ohne ihn existiert.
  • Das Bedürfnis nach Stille verlangt die Erhaltung von bewährten Orten (z.B. Kirchenräumen), aber auch die Schaffung von besonderen Orten und dadurch die Erneuerung und Ermöglichung einer Kultur der Stille. „Räume der Stille“ zu schaffen dient einem humanen und einem religiösen Anliegen. Denn sie können das menschliche Leben und Miteinander humanisieren und zugleich auch einen neuen Transzendenz- und Gottesbezug ermöglichen.

Der Ort: Ein Raum im Rudolf-Schwarz-Bau der Katholischen Hochschule

  • Das Projekt eines „Raums des Stille“ ist in einem baulich einmaligen Gebäude der Katholischen Hochschule angesiedelt, erbaut 1930 von Rudolf Schwarz. Das Gebäude verkörpert Offenheit für die konkrete Welt in christlich-religiöser Begründung und konfessioneller Trägerschaft (Es bleibt eine Arbeitsaufgabe, das Stifterkreuz in Raum 8 und dessen Geschichte in die Raumgestaötung mit einzubeziehen). Das Projekt ist damit nicht in einem luftleeren Raum, sondern in einem übergeordneten architektonischen und konfessionellen Gesamtgefüge angesiedelt.
  • Ein Raum im Raum von R. Schwarz zu entwerfen, kann bedeuten, in seinem Sinne einen „Weltraum“ zu denken, „der von unabsehbarer Inkarnation erfüllt ist“. Die Raumvision von Schwarz ist auf den Menschen als eine Gestalt ausgerichtet, die „niemals in sich bleibt, (sondern) ein gerichtetes und geöffnetes Wesen“ darstellt. Schwarz baut für den Menschen als Gestalt, die für das Unfassbare offen ist: „Im Stehen kommt ihr die Ferne entgegen, die der stille Stand herbeiruft“(R.S., Kirchenbau. Welt vor der Schwelle, Heidelberg 1960, 6 und 335; R.S. Liturgie und Kirchenbau: Konturen. Rothenfelser Burgbrief (2004) 02, 10 (Denkschrift aus dem Jahre 1936).
  • Vom R. Schwarz her gesehen gilt es, die Spannung zwischen Leere bzw. Nicht-Gegenständlichkeit und inhaltlicher Konkretheit bzw. Gegenständlichkeit, zwischen religiös eindeutigen und weltanschaulich offenen Symbolen zu wagen.

Das Konzept: Ein Raum mit einem Nutzungskonzept für bestimmte Zielgruppen

  • Die Raumgestaltung richtet sich an einem weiter zu konkretisierenden Nutzungskonzept und an dessen Zielgruppen aus. Zielgruppen sind in erster Linie Studierende, aber auch Lehrende bzw. Mitarbeiter(-innen) des Hauses (Mitte 2008 waren unter den Studierenden 442 römisch-katholisch, 130 evangelisch-lutherisch bzw. reformiert, 48 Angehörige anderer Konfessionen und Religionen, 38 ohne Kirchen - und Religionszugehörigkeit). So homogen die einzelnen Gruppierungen auch erscheinen mögen, so differenzieren sie sich doch dahingehend aus, was die persönliche spirituelle und religiöse Orientierung der Einzelnen, v.a. der Studierenden, betrifft. Als eine verbindende Klammer können, so die Hypothese, der Wunsch und der oben erwähnte Sinn für die Stille identifiziert werden.
  • Im weltlichen Raum einer öffentlichen Bildungseinrichtung ist eine konfessionelle, interkonfessionelle, interreligiöse und interkulturelle Prägung des Raumes gefordert. Die inhaltliche Zielausrichtung bei der Raumgestaltung soll, so eine frühe Zielstellung der hausinternen Steuerungsgruppe, der Profilierung des christlichen und katholischen Profils der Hochschule, aber zugleich auch der Offenheit für Studierende anderer Konfessionen und Religionen und für Suchende und Interessierte dienen.
  • Übereinstimmung bestand und besteht ferner auch darin, die Eindeutigkeit der christlichen Symbolik und zugleich die Verbundenheit unter den abrahamitischen Religionen zum Ausdruck bringen zu wollen.
  • Unstrittig bleibt ferner, dass der neue Raum nur spirituell-religiös genutzt und nicht als Besprechungs- bzw. Tagungsraum mit benutzt werden soll.

Die Vision: Ein Raum und Ort der anderen Erfahrung

  • Ein Ort der Stille und des Schweigens;
  • Ein Ort der Begegnung mit christlicher und religiöser Symbolik und ihren Inhalten; •Ein Ort der persönlichen Betrachtung, des Gebetes und der Meditation;
  • Ein Ort des gemeinsamen Feierns und Gottesdienstes.

 gez Prof. Dr. Rainer Krockauer, 24.05.09 (redatkionell geringfügig überarbeitet, 12.05.2012)

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