Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Rückblick: Vortrag zu „Die antisemitische Feindbildung“ (02.12.2019, Aachen)

 

Im Rahmen des Pogromnacht-Gedenkens 2019 sowie der Veranstaltungsreihe „Rechte Verhältnisse in Hochschule und Gesellschaft. Rassismus, Rechtspopulismus und Extreme Rechte zum Thema machen“, organisiert von Diskursiv Aachen, dem AK Politik der KatHo Aachen und dem AStA/StuPa KatHO Aachen wurde am 14. November 2019 der Vortrag „Die antisemitische Feindbildung. Zur Sozialpsychologie eines kollektiven Wahns“ von Prof. Dr. Rolf Pohl an der KatHo Aachen gehalten.

 

Prof. Dr. Rolf Pohl lehrt am Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind: Psychoanalyse und psychoanalytische Sozialpsychologie, sozialpsychologische Jugendforschung, politische Psychologie, sozialpsychologische und sexualwissenschaftliche Männlichkeits- und Geschlechterforschung.

 

Zum Vortrag

„Der Antisemitismus wird gesellschaftlich und politisch erzeugt und immer wieder erneuert. Seine Massenwirksamkeit aber erhält er erst durch seinen irrationalen Charakter in Form eines kollektiven Wahns, dessen Attraktivität vor allem in den Mechanismen seiner Feindbildung liegt. Das begünstigt die entgegenkommende Bereitschaft und damit die Anfälligkeit der Einzelnen. Die psychischen Wurzeln des Antisemitismus liegen dabei in unbewussten, mit starken Affekten gepaarten Wahrnehmungsmustern und die Hauptantriebskraft antisemitischer Einstellungen und Gewalttaten ist eine subjektiv und kulturell tiefsitzende, bis zum Hass steigerbare Feindseligkeit. Vor diesem Hintergrund weist die verschwörungstheoretische Konstruktion des „Juden“ als „absoluten Feind“ trotz historisch wechselnder Erscheinungsformen des Antisemitismus Übereinstimmungen auf, die eine Kontinuität immer wiederkehrender Motive erkennen lässt. Dies soll in dem Vortrag vor allem aus einer wahrnehmungspsychologischen Perspektive untersucht werden.“

 

In der an den Vortrag anschließenden Diskussion wurden verschiedene thematische Schwerpunkte gesetzt. Es wurden diejenigen Aspekte, die gegenwärtige rechtspopulistische Strategien erfolgreich machen, erörtert. Die Möglichkeit, Antisemitismus durch die Abschaffung des Kapitalismus zu überwinden, wurde ebenso kritisch befragt wie die theorieimmanenten Ausweglosigkeiten, die sich aus der Aneignung der Überlegungen der Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers ergeben.

 

Der Link zum Mitschnitt des Vortrags wird alsbald hier nachgereicht.

 

Bericht: Dr. Markus Baum

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