Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Seminar geht auch anders! Studierende und Grundschulkinder schaffen Lehmkunst auf dem Abenteuerspielplatz (27.11.2019, Aachen)

Ein studentischer Seminarbericht

 

Vom 3.–7. September 2019 nahmen 13 Studierende der KatHO Aachen bei relativ bescheidenen Wetterverhältnissen an einem Lehm-Projekt auf dem Abenteuerspielplatz „Zum Kirschbäumchen“ des Deutschen Kinderschutzbundes Aachen e.V. teil. Das Projekt fand unter Anleitung der Künstlerin Kate Studley und pädagogischen Begleitung durch Miriam Hartmann, der Leiterin des Abenteuerspielplatzes statt.

Ziel des Seminars sollte sein, die Studierenden zu befähigen, mit Kindern im Grundschulalter Lehmskulpturen zu gestalten und mit diesen gestalterischen Erfahrungen gruppenorientiert zu arbeiten. Das Projekt fand im Rahmen des TbHs in M10 und des M3/4 Seminars des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit an der KatHo Aachen

 

Tag 1: Selbsterfahrung in der Arbeit mit Lehm

Am ersten Tag gab es eine Einführung durch die britische Künstlerin, welche im Rahmen ihres Kunststudiums viel Erfahrung durch eigene Projekte in der Arbeit mit Naturmaterialien, v.a. Lehm gesammelt hat. Ziel dieser Arbeit ist es unter anderem, Materialien die uns die Natur bietet, zu nutzen, welche irgendwann auch wieder in die Natur zurückgehen.

Um das Lehmprojekt mit den Kindern durchführen zu können, war es am ersten Tag unsere Aufgabe, selbst eine Lehmskulptur zu bauen und somit selbst Erfahrungen in der neuen Arbeit mit den gegebenen Materialen (Lehm, Stroh, Draht, Holz, …) zu machen.

Nachdem wir Studierende in kleinen Gruppen ihre Lehmprojekte beendet und zum Teil auch nicht vollkommen fertig gestellt hatten, wurde die Arbeit reflektiert und der Ablauf der kommenden Tage geplant. Wir Studierende taten uns zu zweit zusammen und sollten jeweils drei bis vier Grundschulkinder der vierten Klasse anleiten. Die Gestaltung des Projektes war jeder Gruppe individuell überlassen und es gab wenig feste Vorgaben. Dadurch waren die Möglichkeiten und Selbstbestimmung für die Arbeit mit den Kindern sehr offen, groß und frei. Ziel sollte jedoch in jedem Fall sein, sowohl prozess- als auch zielorientiert zu arbeiten.

 

Tag 2 & 3: Planung und Bau der Lehmskulpturen

Am zweiten und dritten Tag fand die Arbeit mit den Schüler_innen der sich in der selben Straße befindenden Schule statt. Zu Beginn wurden die Kinder den uns in Gruppen zufällig zugeteilt. In diesen Kleingruppen durften sich die Kinder nach Vorstellung des Projektes durch die uns selbst eine Figur/Skulptur ausdenken und planen, wie sie diese bauen möchten. Unsere Aufgabe war in dem Fall, die Kinder bei der eigenständigen Planung ihres Projektes anzuleiten, die Gruppendynamik im Blick zu haben und gegebenenfalls Unterstützung zu geben. Nachdem die Kinder ihre Ideen skizziert und geplant hatten ging es an die Arbeit. Dabei war es für uns wichtig, die Projektarbeit innerhalb der eigenen Gruppe zu koordinieren, und die Einbindung und Position jedes Kindes zu beachten. Es war schnell zu sehen, wie viel Motivation, Eigeninitiative und Kreativität die Schüler_innen mit- und einbrachten. Die unglaublich große Fantasie war ebenfalls anhand der einzelnen Projektideen zu erkennen, welche von Burg, über Minecraft-Figur und Fußballspieler bis hin zu Lamborghini usw. reichte. Wichtig war es zum Teil, die Kinder bei der Wahl der Materialen zu beraten und manchmal auch bei der Arbeit mit Werkzeugen zu unterstützen, da zum Beispiel auch mit größeren Holzblöcken gebaut wurde.

Gegen Mittag wurde dann eine gemeinsame Reflexionsrunde mit der Grundschulklasse mit Lehrer, uns Studierenden, Kate Studley und Miriam Hartmann gemacht. Dabei wurde zusammengetragen, was die Kinder und Studierenden von dem Tag mitnehmen und gelernt haben.

Nach dieser gemeinsamen Abschlussrunde haben sich auch die Studierenden gemeinsam mit der pädagogischen Begleitung nochmals über den Verlauf des Tages und die Arbeit in den Kleingruppen ausgetauscht. Es bestand die Möglichkeit, von positiven Ereignissen zu berichten und Kritik sowie Verbesserungsvorschläge, Fragen oder aufgetretene Schwierigkeiten zu äußern und zu diskutieren.

 

Tag 4: Fertigstellen der Figuren und Reflexion der entstandenen Kunstwerke durch die Kinder

Am vierten Tag wurden fast alle entstandenen Grundgerüste und Figuren mit Lehm fertig „verkleidet“. Am Ende wurde sich Zeit genommen, einen Rundgang zu allen Skulpturen zu machen und die Kinder präsentierten jeweils ihre Projekte und Ideen. Sie berichteten eigenständig von dem Ablauf der Arbeit der letzten Tage und was sie dabei alles gelernt haben. Sie äußerten unter anderem, dass sie Teamwork erfahren, den Nutzen von Lehm kennengelernt und Erfahrung in der Arbeit mit diesem Material der Natur gemacht haben. Es wurden viele neue Selbstkompetenzen erworben und zum Teil neue Kontakte unter den Kindern geknüpft.

 

Tag 5: Abschluss und Seminarreflexion

Am letzten Tag gab es zum Abschluss eine Lehmparty mit verschiedenen Lehmangeboten. Es konnten Baumgesichter aus Lehm modelliert, an nicht fertiggewordenen Projekt gearbeitet, in Lehmbad und Wannen mit heißem Wasser über dem Feuer gebadet und dazu Pizza aus dem Lehmofen gegessen werden. Trotz schlechtem Wetter kamen einige der Kinder der Klasse und weitere Familien an ihrem freien Wochenendtag vorbei.

Am Ende dieses schönen letzten Tages des Lehmprojektes trafen wir, die Studierenden uns nochmals, um zu reflektieren, was wir aus dem Seminar für uns persönlich mitnehmen. Dabei kam heraus, dass alle super viel Spaß an dem gesamten Projekt hatten und die praktische Arbeit als sehr lehrreich empfunden haben. Es wurde gelernt, dass Erwartungen nicht immer erfüllt werden müssen und es in Ordnung ist, wenn nicht alles von Anfang an so funktioniert und läuft, wie man es sich vorgestellt hat, sondern man immer wieder anpassen und vom Plan abweichen kann oder auch muss. Für die meisten war diese Arbeit auch die erste Erfahrung mit dieser Zielgruppe von Grundschulkindern und stellte sich somit als eine neue Selbstkompetenz heraus. Des Weiteren wurden neue positive Erkenntnisse in der Arbeit mit Ästhetik und Einblicke in die erlebnispädagogische Arbeit erfahren.

Die Rückmeldung an die gesamte Gruppe war sehr positiv und es wurden sogar neue Kontakte untereinander geknüpft. Wunsch und Anliegen von uns Teilnehmer_innen ist es, auch in Zukunft weiterhin Seminare wie dieses anzubieten, da sie sehr sinnvoll und lehrreich sein und eine reflektierte Praxiserfahrung darstellen können.

 

Bericht: Luisa Bühler

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2020