Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Rückblick: Vortrag zu „Pop als Kulturkampf? Gangstarap und Identitätsrock als Ausdruck sozialer Konflikte im Neoliberalismus“ (21.10.2019, Aachen)

 

Im Rahmen der Reihe „Rechte Verhältnisse in Hochschule und Gesellschaft. Rassismus, Rechtspopulismus und Extreme Rechte zum Thema machen“ fand am Donnerstag, den 17. Oktober 2019 der Vortrag „Pop als Kulturkampf? Gangstarap und Identitätsrock als Ausdruck sozialer Konflikte im Neoliberalismus“ von Dr. Martin Seeligers an der KatHO in Aachen statt.

Dr. Martin Seeliger promovierte am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln und ist zurzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Sozialwissenschaften im Bereich Wirtschafts- und Organisationssoziologie tätig der Universität Hamburg tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen neben der Arbeits- und Wirtschaftssoziologie auch die Auseinandersetzung mit Gegenständen aus dem Feld der Geschlechterforschung und Cultural Studies.

Der Vortrag widmete sich zweier wesentlicher Kontroversen der deutschen Populärkultur im letzten Jahrzehnt: die Debatte um Gangstarap im Zusammenhang mit der deutschen Migrationsgeschichte sowie die Auseinandersetzung um einen (vermeintlichen) Rechtsradikalismus der Gruppe Frei.Wild. Dass gerade diese beiden Themen eine derartige öffentliche Resonanz erfahren konnten, so die Annahme des Vortrags, stellt nun keineswegs einen Zufall dar. Vielmehr, so wurde argumentiert, bilden beide die Demarkationslinien zeitgenössischer sozialer Konflikte ab. Diese Konflikte betreffen auf der einen Seite Erfahrung rassistisch begründeter Exklusion aus sozialen Systemen, auf der anderen Seite Erfahrungen der Verunsicherung aufgrund gewandelter männlicher Rollenbilder und Arbeitsverhältnisse. Während der erste Erfahrungskomplex seinen Ausdruck im Gangsterrap findet, gelangt der zweite zu seiner Artikulation in der identitären Rockmusik. Kultur, so die Quintessenz, kann daher als Raum der Aushandlung sozialer Konflikte verstanden und auf diese hin interpretiert werden.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine angeregte Diskussion unter den ca. 40 Teilnehmenden. Diese betraf u.a. die Frage nach den normativen Status von kulturellen Artikulationen und, inwiefern diese selbst kritisierbar sind oder lediglich als Produkt kritikwürdiger sozialer Verhältnisse beschrieben werden können. Darüber hinaus wurde der Status der Anerkennung, den Gangstarrapper*innen erfahren, erörtert und geprüft, ob dieser Status den Ansprüchen einer bürgerlichen Gesellschaft genügt oder primär Spuren „verwilderter Anerkennungsverhältnisse“ (Honneth) trägt. Nicht abschließend, sondern vielmehr weitere Horizonte eröffnend, gelangte die Diskussion zur Herausforderung, wie die Soziale Arbeit selbst mit Jugendlichen agieren kann, die in der Aneignung der thematisierten kulturellen Artikulationen ihre Identitäten bilden.

 

Text: Markus Baum

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