Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Sakralität und Moderne (17.10.2019, Aachen)

Der zweite Teil der Ausstellung im Foyer der KatHO in Aachen

Ein nicht realisierter Entwurf zum Bau der Wohlfahrtsschule in Aachen

Ausstellung der FH Aachen in der Katholischen Hochschule in Aachen bis 29.11.2019

 

Bauhaus wird 100 Jahre alt. Im Rahmen des Jubiläums zeigt die von der FH Aachen konzipierte Ausstellung „Sakralität und Moderne: Bauhaus im Westen? Die Ära Rudolf Schwarz an der Aachener Kunstgewerbeschule 1927 bis 1934“ die programmatischen Ideen und Projekte der Kunstgewerbeschule Aachen aus der Zeit zwischen 1927 und 1934 am authentischen Ort eines ihrer Werke: dem Bau der ehemaligen Sozialen Frauenschule und heutigen Katholischen Hochschule in Aachen. Die Kunstgewerbeschule ging im heutigen Fachbereich Gestaltung der FH Aachen auf. 

 

Vom 9. Oktober bis zum 29. November 2019 ist die Ausstellung montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Ausstellungsort ist die Katholische Hochschule in Aachen (Robert-Schuman-Str. 25, 52066 Aachen. Veranstalterinnen sind Prof. Dr. Anke Fissabre, Fachbereich Architektur, FH Aachen, und Dr. Bettina Frindt, Archiv der FH Aachen, in Kooperation mit der Katholischen Hochschule.

Die Ausstellung umfasst zwei Teilbereiche: In einem ersten Teil werden anhand von Reproduktionen von Originalfotografien und -texten die Ideen der Kunstgewerbeschule, ihre Arbeitsweisen, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie ihre Werke in Form von Bauten und kunstgewerblichen Objekten vorgestellt.

Ein zweiter Teil der Ausstellung zeigt das Ergebnis einer studentischen Seminararbeit am Fachbereich Architektur der FH Aachen. Anhand von digital modellierten und 3D-gedruckten Architekturmodellen, ergänzenden Zeichnungen sowie Texten erläutern die Studierenden die teilweise wenig bekannten und nicht realisierten Projekte der Kunstgewerbeschule. Hierzu zählen studentische Entwürfe, Idealentwürfe, nicht umgesetzte Wettbewerbsbeiträge oder Vorstudien zu realisierten Bauten.

Die Ausstellung thematisiert den eigenständigen Weg der Aachener Kunstgewerbeschule in die Moderne und wirbt dabei für ein Verständnis für eine heute, 90 Jahre nach der Entwicklung der ersten Entwurfszeichnungen für St. Fronleichnam, oft noch wenig gewürdigte moderne Sakralarchitektur.

Prof. Fissabre betont, dass die Ausstellung von vielen Seiten unterstützt wurde: „Ohne die Förderung durch den Landschaftsverband Rheinland, 100 Jahre Bauhaus im Westen und die FH Aachen, wäre die Ausstellung nicht umsetzbar gewesen.“

 

Hintergrundinformationen: Bauhaus im Westen?

Als Rudolf Schwarz 1927 die Leitung der bereits seit 1904 bestehenden Kunstgewerbeschule Aachen übernimmt, richtet er sie organisatorisch und programmatisch neu aus. Den „formal veralteten“ reinen Zeichenunterricht kritisierend ist sein Ziel, die praktische Umsetzung der von Lehrenden, Schülerinnen und Schülern gemeinschaftlich geschaffenen Werke im Sinne einer Bauhütte voranzutreiben. In sakralem Duktus formuliert er den Wunsch zum Aufbau einer Werkgemeinde, „von einem einzigen einheitlichen Willen beseelt“.

Wunschbild ist das Erschaffen eines Gemeinschaftswerks, eines großen neuen Baues, der ihm mit St. Fronleichnam schließlich wenige Jahre später gelingen sollte.

Zahlreiche seiner Reformideen, wie etwa die starke Betonung der Werkstattarbeit oder der Wunsch nach Serienproduktion von Prototypen, lehnen sich an die Arbeitsmethoden des Bauhauses an.

Zugleich unterscheiden sie sich wesentlich dadurch, dass sie weit westlich von Dessau, im katholischen Rheinland und in Abgrenzung zum profan ausgerichteten Bauhaus, einer „Sakralen Moderne“ entspringen. Ähnlich wie die Kölner Werkschulen steht die Schule nicht nur in der Tradition der kunstgewerblichen Handwerksausbildung, sondern vertritt in den zwanziger Jahren äußerst innovative Gestaltungsideen und Ausbildungsmethoden, insbesondere im Bereich sakraler Entwurfsaufgaben. Die sakrale Moderne beschränkt sich hierbei nicht nur auf die Ausführung von Gestaltungsaufgaben im Auftrag der Kirche, sondern bedeutet vielmehr auch weit über die profane Funktionalität und neue Sachlichkeit hinausgehend die Übersetzung sakraler Ideen in eine neue Formensprache und moderne Ausdrucksweise.

 

 

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