Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Menschenrechte – gestern, heute und morgen (03.07.2019, Aachen)

Kongresshalle auf den ehemaligen Reichsparteitagsgelände, heute Dokumentationszentrum

Straße der Menschenrechte

Exkursion nach Nürnberg im Frühjahr 2019

 

Viele historische Sehenswürdigkeiten bestimmen das Bild der Stadt Nürnberg. Grund genug, um mit einer Gruppe Studierenden der Sozialen Arbeit, der Masterstudiengänge der Abteilung Aachen und Kanzler Bernward Robrecht sich auf den Weg nach Nürnberg zu machen. In Begleitung von Prof. Dr. Rainer Krockauer und Oliver Krings haben die Exkursionsteilnehmer_innen die „Stadt der Menschenrechte“ erkundet.

Am Freitag den 22. März 2019 machten wir uns mit dem Zug auf den Weg. In Nürnberg angekommen erwartete uns eine Stadtführung unter dem Aspekt der Menschenrechte. Im Literaturhaus ließ es sich Frau Dr. phil. Doris Katheder (Kulturhistorikerin, Leitung des Menschenrechtsressorts an der Akademie CPH Nürnberg) nicht nehmen, uns einen Impulsvortrag zur historischen Entwicklung Nürnbergs zu halten. Wir bekamen ein Gespür für die Wandlung als Territorium des Heiligen Römischen Reiches zu einem globalen Schauplatz als „Stadt der Reichsparteitage Hitlers“, der Rassengesetze und der „Nürnberger Prozesse“ bis hin zu einer modernen, weltoffenen Stadt, die trotz aller beispielhaften Bemühungen der geschichtlichen Aufarbeitung noch immer Anziehungspunkt rechtsradikaler Gesinnung ist. Unsere gemischte Gruppe verband sich schnell und fing rückwirkend betrachtet die vielen intensiven Momente auf. Es herrschte eine positive, offene Stimmung, die alle mit einbezog. So eingestimmt besuchten wir vor dem Schicksal behafteten, geschichtlichen Hintergrund Deutschlands die „Straße der Menschenrechte“, die die Kurzform der Menschenrechtsartikel in deutscher und einer anderen Sprache abbildet.

Das Wochenende stand unter dem Begriff „Faszination und Gewalt“ und bewegte die Gruppe in ihrem Ethikbewusstsein, das alle Menschen gleich und die Würde des Menschen unantastbar sei. Was das bedeutet, wenn dieses Menschenbild nicht existiert, macht das Eintauchen in die nationalsozialistische Gewaltherrschaft deutlich:

Hitlers Gigantismus und Größenwahn im Kontext von ideologischen Rassendenken und Massenvernichtung wird durch den Besuch des Dokumentationszentrums offensichtlich. Die begriffsbezogene Ausstellung vor Ort vertieft den Eindruck von Unverständnis, da das Undenkbare trotz vorherrschender Vernunft in der Bevölkerung möglich wurde und der Nationalsozialismus mit seinen Ideologien wie ein grausamer Schrecken über Deutschland hinaus herrschte.  

Der Besuch von Gedenkstätten und Ausstellungen macht den Nationalsozialismus  erfahrbar, die intensiven Gespräche mit Zeitzeugen jedoch mit tiefer Erschütterung erlebbar. Wir begegneten unter anderem Rudi Ceslanski, den Ehrenvorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Nürnbergs, der als Sechsjähriger mit einem der letzten Kindertransporte seine deutsche Heimat verließ und nach dem Krieg zurückkehrte. Die Gruppe war beeindruckt und tief bewegt von seiner Lebensgeschichte und seinem Mut, diese mit uns zu teilen. Er verbindet diese Begegnungen mit der Hoffnung, dass jeder Einzelne aus der Geschichte lernt und negativ geprägten gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen früh entgegentritt.

 

Diese Hoffnung nehmen die Teilnehmer der Exkursion nicht als Vertrauen in die Zukunft mit, sondern als Aufgabe. Um alle Menschen in die Gesellschaft einzubeziehen, bedarf es entsprechendes (sozial-) politisches Handeln. Courage und Engagement fördert die Integration aller Menschen, unabhängig von Religion, Hautfarbe, Herkunft oder sozialem Status und setzt der rechten Gesinnung in unserem Land eine Wirkungskraft entgegen.

Fazit: Diese Exkursion ist zu empfehlen. Die Wahrung der Geschichten der Zeitzeugen ist unerlässlich, um den Geschehnissen ein Gesicht zu geben und ein Vergessen zu verhindern.

 

Bericht: Claudia Krey und Monique Eschweiler

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