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Tag der Menschenrechte - Gedanken und Appelle zum Tag (08.12.2017, Aachen)

"Kinderarbeit, Zwangsheirat, Zensur: Die Einhaltung der Menschenrechte ist auch im 21. Jahrhundert nicht selbstverständlich. Dabei stehen sie allen Menschen zu. In gleicher Weise. Unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion und Alter. Der Tag der Menschenrechte erinnert jedes Jahr am 10. Dezember daran (www.unesco.de*)."

Wir haben diesen Tag zum Anlass genommen, unsere Dozierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Vertreter*innen von AStA/StuPa an der Abteilung Aachen zu bitten, ein kurzes persönliches Statement zur Bedeutsamkeit der Menschenrechte zu formulieren:

 

Susanne Bücken, M.A. / Inklusionsbeauftragte der Abteilung Aachen:
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sagt in Artikel 14: „Jeder hat das Recht, in  anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.“ Sichtbar wird hier, dass ein nach dem zweiten Weltkrieg zunächst anvisiertes garantiertes Recht auf Asyl und Zuflucht schon im Entstehen der Erklärung verworfen wurde. Die gegenwärtige europäische Fluchtpolitik verweist erneut auf diese Verweigerung eines Rechtsanspruchs auf Asyl und zieht Grenzen in geographischen, rechtlichen und politischen Zusammenhängen. Anknüpfend an Hannah Arendt wird deutlich, dass die internationale Gemeinschaft bis heute nicht bereit ist, aus einer selbstkritischen Haltung für die Integrität und Unverletzlichkeit jedes Menschen solidarisch und empathisch einzutreten. Eine menschenrechtsbasierte Soziale Arbeit ist aus ihrer Professionsethik dringend aufgefordert, diese Widersprüche zu hinterfragen, konkret die eigene Beteiligung an deutschen und europäischen Grenzregimes zu reflektieren und sozialarbeiterisches Handeln an Kriterien einer globalen sozialen Gerechtigkeit zu messen."

 

Prof. Dr. Wolfgang Domma:
Die Charta der Menschenrechte ist die Leitidee der Sozialen Arbeit! In ihr sind nachfolgende, neuere und neueste, meines Erachtens immer schon enthalten und deshalb bleibt sie - im Gegensatz zu diesen - unverzichtbar!

 

Tim Ernst, Referat für Politik/AStA der Abteilung Aachen:
Artikel 2: „Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, [...]“. Gerade in Zeiten, in denen Parteien im Bundestag sitzen, welche gegen diesen wichtigen Teil der Menschenrechtscharta verstoßen, muss es die Aufgabe von Sozialer Arbeit sein, sich klar gegen derlei gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu positionieren. Hierbei sollte sich die Soziale Arbeit zum einen klar und deutlich schützend vor Menschen, die Opfer menschenfeindlicher Politik und Ideologien werden, stellen und gleichzeitig Präventionsarbeit leisten, um eine bessere Zukunft für alle Menschen mitzugestalten.

Prof.'in Dr. Marianne Genenger-Stricker:
Für mich ist es unabdingbar, dass wir uns, die in der Sozialen Arbeit tätig sind, der Förderung und dem Schutz der Menschenrechte verschreiben, auch wenn dies alles andere als einfach ist, denn sie stehen in harter Konkurrenz zu der dominanten Kultur der Wirtschaftswerte wie ökonomische Rationalität, Wettbewerb, Gewinnorientierung und Machtexpansion.

Prof.'in Dr. Marion Gerards:
Ein Zitat von Rosa Luxemburg ist mir in Bezug auf Menschenrechte wichtig, es ist quasi ein Motto meiner Musik- und Kulturveranstaltungen. Es lautet: Entfremdet und entwürdigt ist nicht nur der, der kein Brot hat, sondern auch der, der keinen Anteil an den großen Gütern der Menschheit hat.

Prof. Dr. Rainer Krockauer:
Am Tag der Menschenrechte erinnere ich mich an die am 10.8.2017 verstorbene katholische Ordensfrau Ruth Pfau (geb. 1929). Jahrzehntelang hat sie als Lepraärztin in Pakistan zahllose Menschen in ihrer physischen und psychischen Not behandelt und begleitet und weltweite Hilfe im Kampf gegen Lepra organisiert. In ihrer Lebensbilanz (2014) bekennt sie sich zu einer Lebensweisheit, u.a. überliefert im Talmud: „Wer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt. Ich muss nicht die Welt retten, aber ich brauche auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich nur bei einer einzigen Frau am Bett sitze oder wenn ich gerade nur einen Patienten behandle. Der Mensch, der gerade vor mir ist, ist der wichtigste Mensch auf der Welt. Sich auf ihn ganz zu konzentrieren“, bleibt ein wichtiger Impuls, gerade an diesem Tag.

 

Prof.'in Dr. Antonia Lammel / Dekanin der Abteilung Aachen:
Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession setzt sich ganz alltäglich vielfältig für Chancengerechtigkeit und Teilhabe ein. Am Tag der Menschenrechte liegen mir besonders die Kinder und Jugendlichen dieser Welt und hier in Deutschland am Herzen. Es ist unsere Aufgabe, uns an ihrer Seite für ihr Recht auf Nahrung, Schutz, Förderung und Bildung einzusetzen.

Prof. Dr. Andreas Reiners:
Menschenrechte in neuer Weise herausgefordert
Aktuell wird die Wahrung der Menschenrechte in neuer Weise herausgefordert. Das Handeln fundamentalistisch, nationalistisch, ökonomistisch oder autoritär orientierter Akteur*innen drängt menschenrechtliche Errungenschaften wieder zurück. Gleichzeitig stehen stärker pluralisierte und sozial zunehmend gespaltene Gesellschaften vor der Herausforderung, sich gemeinsam auf geteilte normative Bezüge und Leitlinien zu verständigen. (vgl. DGSA 2017)

Prof. Dr. Barbara Schermaier-Stöckl:
Die juristische Durchsetzung von Menschenrechten ist vielfach ein langer und hindernisreicher Weg, deshalb braucht es engagierte Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, die sich politisch, gesellschaftlich und in der Arbeit mit dem einzelnen Klienten für Menschenrechtsbildung und die Verwirklichung der Menschenrechte einsetzen!


Prof. Dr. Joachim Söder:
Angesichts der Globalisierung des Wirtschafts- und Finanzwesens müssen wir 70 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte unsere Anstrengungen verstärken, die GLOBALISIERUNG DER HUMANITÄT UND DER MENSCHENWÜRDE voranzubringen!

 

 

* Das Zitat zu Beginn des Artikels wurde der Seite der UNESCO entommen:

www.unesco.de/wissenschaft/2010/uho-1210-tag-der-menschenrechte.html (Stand 08.12.17)

Redaktion: Carmen Nos (Dekanatsreferentin der Abteilung Aachen)

 

 

 

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