Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Trauer um Mirjam Ohringer (08.06.2016, Aachen)

Foto: F. Großmann

 

In Amsterdam sind ihr als Zeitzeugin des Widerstands im Nationalsozialismus etwa tausend Studierende unserer Abteilung begegnet. Sie waren stets von ihrer Geradlinigkeit, Authentizität und Warmherzigkeit beeindruckt. Am 29. Mai ist Mirjam Ohringer im Alter von 91 Jahren in ihrer Heimatstadt Amsterdam gestorben.                                       

Mirjam Ohringer wurde am 26. Oktober 1924 als Kind jüdischer Eltern in den Niederlanden geboren. Während der deutschen Besatzung beteiligte sie sich als Jugendliche an verschiedenen Widerstandsaktivitäten. Sie musste untertauchen und überlebte den Krieg. Danach gründete sie eine Familie und engagierte sich fortan für Frieden, Menschenrechte und eine bessere Gesellschaft. Irgendwann begann sie von dem Erlebten und Erlittenen ihrer Jugendzeit zu erzählen, um als Zeitzeugin die Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten.

Ein Student resümierte 2007 nach der Begegnung mit ihr: „Kämpfen können fällt einem ja nicht in den Schoß. Kämpfen lernen braucht Vorbilder.“ Mirjam Ohringer hatte von Unterdrückung, Unfreiheit, Todesangst, vom Verstecken, von Mut und Widerstand erzählt und hinzugefügt: „Das ist nicht leicht, gegen Terror die eigene Stimme zu erheben. Aber es ist möglich.“

Beide begegneten sich im Rahmen des Seminars „Lebenszeugnisse des Widerstands im Nationalsozialismus“. Dieses ist seit 1997 mit einer eintägigen Exkursion nach Amsterdam verbunden, die von ihr immer mit begleitet wurde.  Bei der ersten Exkursion 1997 ins Anne-Frank-Haus wurde sie uns über Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste als Zeitzeugin und Gesprächspartnerin zugeteilt. Seitdem war die alljährliche Exkursion immer auch mit ihrem Namen und der Begegnung mit ihr verbunden (Foto: Zeitzeugengespräch 2014, privat).

Mirjam Ohringer war und bleibt eine Zeitzeugin mit einer imposanten Strahlkraft. Sie hat in eindringlicher Weise ihre Geschichte erzählt. Ihr eigenes Schicksal stand dabei nie im Mittelpunkt. Vielmehr hat sie unermüdlich ihr Vermächtnis eines unerschrockenen und engagierten Lebens für andere Menschen weiterzugeben versucht und hat so mit ihrem Zeitzeugnis an die Werte erinnert, die eine humane Gesellschaft auszeichnen.   

Am 16. Juni wird die nächste Exkursion der KatHO stattfinden. Für 12.30 Uhr war die Begegnung mit ihr fest eingeplant. Wir werden da sein, am Auschwitz-Denkmal, in der Hollandschen Schouwburg, am Denkmal des „Dockarbeiters“ und im Widerstandsmuseum. Wir werden da sein, uns erinnern und ihrer gedenken.  Und: Wir werden ihr Vermächtnis wachhalten!

Prof. Dr. Rainer Krockauer

 

Vgl. auch:  www.asf-ev.de/de/friedensdienste/einblicke/weggefaehrt-innen/wir-trauern-um-mirjam-ohringer.html

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