Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

"ACH, AACHEN IST DOCH NICHT DEUTSCHLAND..." - Begegnung mit Zeitzeugen in Amsterdam (19.06.2015, Aachen)

Oben: Miriam Ohringer und Prof. Dr. R. Krockauer; unten: die Exkursionsteilmeher*innen; Fotos: Florian Großmann

Mia Corbey-van Praag, die als jüdisches Kind, in Kerkrade versteckt, den Holocaust überlebte, bleibt uns mit diesem Satz in prägender Erinnerung. Bereits zum 17. Mal machte sich Prof. Dr. Rainer Krockauer am 21. Mai 2015 mit über 40 Studierenden der Katholischen Hochschule NRW (Abteilung Aachen) auf den Weg nach Amsterdam, um mit Zeitzeugen des Holocaust zu sprechen und deren Erfahrungen zu hören. Mirjam Ohringer (90 Jahre; vgl. Bild) hat die Zeit der nationalsozialistischen Besatzung der Niederlande in Amsterdam als junge Widerstandskämpferin miterlebt und erzählte den gespannten Teilnehmern des Seminars "Zeugen der Zeugen", wie sie diese dunkle Zeit erlebt und vor allem überlebt hat. Dabei erzählt Mirjam Ohringer so lebendig, bewegend und spannend, dass man sich dem Schrecken der Zeit, aber auch dem Mut der im Untergrund Kämpfenden nicht entziehen kann. Frau Ohringer wird nicht müde, ihre Geschichte als Warnung an die Jungen und im Gedenken an die Verstorbenen zu erzählen und mit Erfahrung zu bereichern. Als zweite Zeitzeugin erzählte uns Frau Mia Corbey-van Praag, wie sie als jüdisches Kind in Amsterdam diese Zeit erlebte. Von ihrer Familie getrennt, überlebte sie die Shoa in verschiedenen Familien, die sie versteckten und versuchten, sie wie ihr eigenes Kind aufzuziehen, wie sie sagt. Als sie erzählte, wie sie auf dem Schoß eines deutschen Offiziers saß, während man vor den Bomben im Keller der Pflegefamilie Schutz suchte, macht sich ein Gefühl der Angst und Beklemmung breit. Weite Teile der Familie, die geliebten Großeltern, werden von den Nazis ermordet, während die Eltern überleben und die Familie sich wieder zusammenfindet. Ein großer Schmerz, ein tiefes Trauma bleibt zurück. Als Mia während einem der vielen Besuche bei ihrer ehemaligen Kriegsfamilie zu einem Besuch nach Aachen eingeladen wird, erklärt sie, Deutschland nie betreten zu wollen. Da antwortet man ihr: "Ach, Aachen ist doch nicht Deutschland ". Und da ist sie gegangen. Sie erzählt, dass Aachen, vielleicht aufgrund seiner besonderen Nähe zu Belgien und den Niederlanden und der damit einzigartigen Atmosphäre, etwas ganz Spezielles hätte. "Nach Deutschland gehe ich nicht, aber Aachen liebe ich, sagt sie.Dieser Mut, die Kraft und Bereitschaft, trotz der unfassbar schlimmen Ereignisse, Fremde an der eigenen Geschichte teilhaben zu lassen, wurde von den Exkursionsteilnehmern als besonders wertvolles Geschenk empfunden, das Pflege und besondere Achtung verdient. Herzlichen Dank an Mia Corbey-van Praag und Mirjam Ohringer für diese besondere Freundschaft.

Text: Florian Großmann

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Rainer Krockauer
r.krockauer(at)katho-nrw.de

Redaktion:
Heidrun Schnier, h.schnier(at)katho-nrw.de

 

 

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