Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Rechte Verhältnisse in Hochschule und Gesellschaft. Rassismus, Rechtspopulismus und Extreme Rechte zum Thema machen

 

Veranstaltungsreihe des Dekanats, des AStA und StuPa der Abteilung Aachen

 

Rassismus und Rechtspopulismus sind keine neuen gesellschaftlichen Phänomene. Dennoch sind die Zivilgesellschaft, Bildungsinstitutionen wie die Hochschulen und die Praxis der Sozialen Arbeit aktuell in besonderer Weise herausgefordert: Antidemokratische Tendenzen, die sich unter anderem europaweit in Wahlerfolgen rechter Parteien und in hohen Umfragewerten für autoritäre, nationalistische und rassistische Einstellungen zeigen, spiegeln sich auch in der Hochschule und der Praxis Sozialer Arbeit. Das Feld des Sagbaren – auch in demokratischen Institutionen – wird systematisch erweitert. Diskriminierende Praxen wie rassistische, antisemitische, antifeministische und sexistische Anfeindungen sind alltäglich. Die Idee eines friedlichen, grenzfreien Europas weicht zunehmend völkisch-nationalem Denken.

In der Hochschule stehen Lehrende und Studierende vor der Herausforderung sich kritisch mit entsprechenden Positionen auseinanderzusetzen und entschieden gegen derartige Praxen vorzugehen. Die Veranstaltungsreihe Rechte Verhältnisse in Hochschule und Gesellschaft – Rassismus, Rechtspopulismus und Extreme Rechte zum Thema machen im Wintersemester 2019/2020 versucht einen Beitrag zu dieser politischen Auseinandersetzung zu leisten. In unterschiedlichen Veranstaltungsformaten werden rechte Verhältnisse in der Gesellschaft und der Hochschule zum Thema gemacht.

Die Veranstaltungsreihe ist ein hochschulgruppenübergreifendes Projekt von Studierenden, Lehrenden und des Dekanats der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen. Einzelne Beiträge der Reihe werden 2020/2021 als Buch im Barbara Budrich Verlag veröffentlicht.  

 

Hinweise

Die Teilnahme an allen Veranstaltungen der Veranstaltungsreihe ist kostenfrei. Alle Veranstaltungsräume sind barrierefrei zugänglich.

Über kurzfristige Änderungen informieren wir Sie auf dieser Website.

 

Kontakt

Wenden Sie sich bei Fragen an Martin Spetsmann-Kunkel (m.spetsmann-kunkel(at)katho-nrw.de). Zur Anmeldung nutzen Sie bitte das unten beschriebene Verfahren.

 

Ausschluss

Ausgeschlossen von den Veranstaltungen sind Personen, die rechten Parteien oder Organisationen angehören, die einer Szene mit vergleichbar rechten Anschauungen zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind.
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und diesen Personen den Zutritt zu den Veranstaltungen zu verwehren oder sie von diesen zu verweisen.

 

Programm

Sommersemester 2020

 

Vortrag: Antisemitismus als ideologisches Bindeglied zwischen Rechtsextremismus und Islamismus
22. April 2020, 18:00 Uhr, Raum 62

Referent_innen: Philipp Markgraf, Johanna Zeevaert

 

+++ ENTFÄLLT / VERSCHOBEN AUF DAS WINTERSEMESTER 2020/2021 +++

Vortrag: Deutschland rechtsaußen. Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können
23. April 2020, 18:00 Uhr, Aula

Referent: Matthias Quent, Moderation: Joachim Zinsen

In Kooperation mit den Aachener Mutbürger*innen gegen Rechts.

 

Filmvorführung: Der Kick (2016, Andres Veiel)
30. April 2020, 18:00 Uhr, Raum 62

Moderation: Tim Ernst

In der Nacht zum 13. Juli 2002 misshandeln die Brüder Marco und Marcel Schönfeld und ihr Bekannter Sebastian Fink den 16jährigen Marinus Schöberl. Täter und Opfer kennen sich. Sie kommen aus Potzlow, einem Dorf 60 Kilometer nördlich von Berlin. Die Täter schlagen über Stunden hinweg auf ihr Opfer ein. In einem Schweinestall muss Marinus in die Kante eines Futtertrogs beißen. Nach dem Vorbild des Bordsteinkicks aus dem Film American History X tötet Marcel sein Opfer durch einen Sprung auf den Hinterkopf. Die Täter vergraben die Leiche in einer nahegelegenen Jauchegrube. Vier Monate später werden die Überreste von Marinus Schöberl gefunden.

Der Regisseur Andres Veiel und die Dramaturgin Gesine Schmidt haben sich über Monate auf Spurensuche nach Potz-low begeben. Sie sprachen mit den Tätern, Dorfbewohnern, Angehörigen von Opfer und Tätern und studierten Akten, Verhörprotokolle, Anklage, Plädoyers und Urteil des Gerichtsprozesses. Die Ergebnisse ihrer Recherche verdichteten sie zu einem filmischen Protokoll für zwei Schauspieler. Der Kick versucht, den Strukturen und Biographien hinter der Tat eine Sprache zu geben. „Es geht darum“, sagt Andres Veiel, „über das Entsetzen hinaus Fragen zuzulassen, Brüche auszuhalten und einen Bruchteil zu verstehen.“

Susanne-Marie Wrage und Markus Lerch spielen die fast 20 Rollen des Films mit beeindruckender Präzision und Intensität. Schauspieler und dargestellte Person behaupten keine Identität. Die Inszenierung verzichtet auf vordergründige Illustrierung, Licht und Kameraarbeit schaffen einen Resonanzboden für den Text – und das Schweigen. In der Verschränkung filmischer Mittel mit solchen des Theaters, von nüchterner Darstellung und Fiktionalisierung geht Der Kick an die Grenzen des dokumentarischen Genres. Es wird möglich, sich mit dem Unfassbaren zu befassen.

Quelle: Piffl Medien

 

Vortrag: 'the people vs. democracy'? Populismus und die liberale Ordnung
28. Mai 2020, 17:30 Uhr, Hörsaal

Referent: Philip Manow

Populismus ist ein allgegenwärtiges Phänomen. Mit ihm scheint eine enorme politische Polarisierung einherzugehen, zugleich eine Absage an einen politischen Diskurs, der an Vernunft und Verständigung orientiert ist. All das verdichtet sich oft zur Diagnose, die liberale Demokratie westlichen Zuschnitts sei in Gefahr. Wie sind diese Entwicklungen zu erklären?

Philip Manow entwickelt die These, dass wir zunächst nicht mit einer Krise der Demokratie, sondern mit einer Krise der politischen Repräsentation konfrontiert sind, die gerade aus der ungemeinen Ausweitung politischer Kommunikations- und Partizipationschancen resultiert, also aus einer Demokratisierung der Demokratie. Diese Entwicklung nimmt vermittelnden Repräsentationsinstanzen - wie Parteien, Parlamenten oder der Presse - ihre kanalisierenden und disziplinierenden Funktionen der Interessenaggregierung und -formulierung. Entmediatisierung – das Wegbrechen intermediärer Instanzen – führt dann zu einer Radikalisierung der Debatte, in denen die Extrema sich wechselseitig attestieren, Feinde der Demokratie zu sein. Das wächst sich dann tatsächlich zu einer Krise der Demokratie aus.

 

Vortrag: Rechtsruck, welcher Rechtsruck? Über die Liberalisierung der Gesellschaft und die Radikalisierung einer Minderheit
17. Juni 2020, 17:30 Uhr, Hörsaal

Referent: Floris Biskamp

Mit großer Selbstverständlichkeit wird immer wieder über einen „Rechtsruck der Gesellschaft“ und eine laufende „Rechtsverschiebung von Sagbarkeitsgrenzen“ gesprochen. Vergleicht an die gegenwärtigen Zustände aber mit denen vor 20, 40 oder gar 60 Jahren, ist nicht erkennbar, dass Gesellschaft, Diskurse und Politik insgesamt jemals „weniger rechts“ gewesen wäre. Die Entwicklungen, die sich stattdessen beobachten lässt, ist die einer fortschreitenden Liberalisierung der Gesellschaft, die jedoch wie jede Liberalisierung mit Ambivalenzen einhergeht. Was oftmals für einen „Rechtsruck“ gehalten wird, geht nicht auf eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, sondern vielmehr auf das sehr laute Wirken einer rechtsradikalen Minderheit zurück.

 

Filmvorführung: Wildes Herz (2017, Charly Hübner, Sebastian Schultz)
24. Juni 2020, 18:00 Uhr, Raum 62

Moderation: Tim Ernst

Ein kleines Dorf in den Weiten Mecklenburgs. Geprägt vom politischen Wandel der letzten Jahrzehnte ist hier eine Band entstanden, die etwas zu sagen hat und das sehr laut. FEINE SAHNE FISCHFILET um Jan „Monchi“ Gorkow ist heute eine der erfolgreichsten Punkbands in Deutschland und in den Augen des Staates „Vorpommerns gefährlichste Band“. Sie sorgt dafür, dass die Wüste weiterlebt und Mecklenburg noch nicht komplett im Arsch ist. Mit funkelnder Radikalität und dem Finger stets am Verbalabzug stellen sich Monchi, Olaf, Christoph, Kai, Köbi und Max gegen Nazis, Leerstand und Wendeverliererfrust. Bleiben oder Gehen, das ist für sie die wesentliche Frage. Ihre Musik ist wie der Berserker unter den deutschen Bands, voller Aufruhr und so kompromisslos wie Poesie nur sein kann. Ihnen gelingen rasante Hymnen voller Kraft: Lautstark, lebenshungrig und lustvoll singen sie von der Lücke im System, die ihre Heimat ist. In der Idylle Vorpommerns ist Jan Gorkow in den neunziger Jahren direkt in die gesellschaftliche Leere hineingewachsen, die sich dort immer breiter machte. Der Schauspieler und gebürtige Mecklenburger Charly Hübner erzählt die Geschichte dieses jungen und wilden Lebens zwischen stürmischem Punk-Furor und energischem Lokalpatriotismus, zwischen Rock am Ring und wellenschlagender Wahlkampftour.

WILDES HERZ ist das so intime wie mitreißende Porträt eines jungen Musikers geworden, der sich mit großem Herzen und noch größerer Klappe gegen den Rechtsruck stemmt und dabei von nichts aufzuhalten ist. Regisseur Charly Hübner begibt sich auf eine sehr ehrliche und humorvolle Reise mitten ins wild schlagende Herz einer aufgewühlten Region zwischen Verlierern und Gewinnern, zwischen Rückschlägen und tanzenden Triumphen.

Quelle: Neue Visionen Filmverleih

 

Archiv

Wintersemester 2019/2020

 

Ausstellung: We, the six million
14.–26. Oktober 2019

Führungen: 16., 21. und 23. Oktober, Beginn jeweils um 15:30 Uhr vor Raum 61

Die Reichspogromnacht bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung „We, the six million“, die jüdisches Leben im westlichen Rheinland vor und nach der von den Nationalsozialisten geplanten und durchgeführten Verfolgungs- und Zerstörungsaktionen thematisiert. 

Die Ausstellung ist nach sechs „Berufs- und Sozialgruppen“ gegliedert, die einen Überblick über die jüdische Synagogengemeinde Aachen geben. Ziel der Ausstellung ist, einen empathischen Zugang zu eröffnen und die persönliche Auseinandersetzung zu ermöglichen. 

 

Vortrag: Pop als Kulturkampf? Gangstarap und Identitätsrock als Ausdruck sozialer Konflikte im Neoliberalismus
17. Oktober 2019, 17:30–19:00 Uhr, Raum 6

Referent: Martin Seeliger

Im letzten Jahrzehnt hat die deutsche Populärkultur zwei wesentliche Kontroversen hervorgebracht, die die deutsche Öffentlichkeit – der in diesem Bereich üblicherweise kurzlebigen Empörung entgegenstehend – auch über den Tag hinaus beschäftigt haben: die Debatte um Gangstarap im Zusammenhang mit der deutschen Migrationsgeschichte sowie die Auseinandersetzung um einen (vermeintlichen) Rechtsradikalismus der Gruppe Frei.Wild. Dass gerade diese beiden Themen eine derartige öffentliche Resonanz erfahren konnten, stellt nun keineswegs einen Zufall dar. Vielmehr, so möchte ich in dem geplanten Beitrag argumentieren, bilden beide die Demarkationslinien zeitgenössischer sozialer Konflikte ab.

Martin Seeliger promovierte am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln und ist zurzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Europa Universität Flensburg tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen neben der Arbeits- und Wirtschaftssoziologie auch die Auseinandersetzung mit Gegenständen aus dem Feld der Geschlechterforschung und Cultural Studies.

 

Filmvorführung: Wir sind jung. Wir sind stark. (2014, Burhan Qurbani)
22. Oktober 2019, 18:00 Uhr, Raum 62

Moderation: Tim Ernst

Rostock-Lichtenhagen 1992. In einer verödeten Wohnsiedlung hängen die Jugendlichen herum und wissen nichts mit sich anzufangen. Tagsüber gelangweilt, harren sie der Nächte, um gegen Polizei und Ausländer zu randalieren. Auch Stefan (Jonas Nay), der Sohn eines Lokalpolitikers (Devid Striesow), streift mit seiner Clique ziellos durch die Gegend. Es brodelt, aber immer nur bis kurz vor dem Siedepunkt. Ohne Job und eine Aufgabe finden die Freunde immer nur sich selbst als Ziel kleinerer und großer Grausamkeiten. Liebe ist austauschbar, Freundschaft und Loyalität sind nur Beiwerk einer aufgesetzten Ideologie.

Auch Lien (Trang Le Hong) lebt mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin in der Siedlung, im sogenannten Sonnenblumenhaus, das von Vietnamesen bewohnt wird. Sie glaubt in Deutschland eine Heimat gefunden zu haben und will auch nach der Wende bleiben. Ihr Bruder dagegen plant die Rückkehr, weil er vor dem Hintergrund der wachsenden Anfeindungen um die Zukunft seiner Familie fürchtet. Es ist der 24. August als die Geschichten dieser Menschen zusammentreffen: Der Mob hat sich vor dem Sonnenblumenhaus versammelt. Auch Stefan, Robbie und die anderen sind unter den Randalierern. Die Krawalle eskalieren und schließlich wirft einer den ersten Molotow-Cocktail ins Haus. Die tatenlos zuschauende Menge klatscht Beifall. Am Ende dieses Tages wird sich für viele das Leben geändert haben. Dabei eint sie alle die Sehnsucht nach einer Heimat, nach Liebe und einer Alternative im Leben; nach der Möglichkeit den eigenen kleinen Traum vom Glücklichsein verwirklichen zu können.

WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK. zeigt eindringlich wie eine Gesellschaft in einer lauen Sommernacht moralisch gegen die Wand fährt. Mit Feingefühl und Sensibilität folgt Burhan Qurbani dem schmalen Grat zwischen Verlust von Identität und der daraus resultierenden Flucht in eine Ideologie, die vermeintlich eine Perspektive verspricht. Mutig zeichnet der Regisseur das Bild einer verlorenen Generation und das moralische Versagen der Gesellschaft, sich um die Menschen zu kümmern.

Quelle: jungundstark.de

 

Vortrag: Gleichgeschaltet in die Praxis. Die KatHO und der Nationalsozialismus
23. Oktober 2019, 17:30–19:00 Uhr, Raum 60

Referent: Tim Ernst

2018 wurde mit einem großen Festakt das einhundertjährige Bestehen unserer Hochschule gefeiert. Die Jahre 1933 – 1945 wurden dabei jedoch ziemlich vernachlässigt. Auch im Studium wird die Geschichte der Menschenrechtsprofession Soziale Arbeit zur Zeit der NS-Diktatur kaum behandelt.

Diese Leerstelle soll nun gefüllt werden: Wir blicken zurück auf die Soziale Arbeit in der NS-Zeit und die Geschichte unserer Hochschule mit dem Vortrag "Gleichgeschaltet in die Praxis: Die KatHO und der Nationalsozialismus". (Quelle: AStA/StuPa KatHO Aachen)

 

Philosophisches Café: Freiheit der Lehre
24. Oktober 2019, 17:30–19:30 Uhr, Raum 62

Referent und Moderation: Joachim Söder

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“

(Art. 5, Abs. 3 GG)

Unter diesem Motto findet am 24. Oktober 2019 von 17:30 bis 19:30 Uhr (Raum 62) das zwölfte Philosophische Café der Abteilung Aachen statt.

Nach einem kurzen Einführungsvortrag von Prof. Dr. Joachim Söder sind alle Gäste eingeladen, in gewohnt gemütlicher Atmosphäre einen Raum für Genuss, Philosophie und gemeinsamen Austausch entstehen zu lassen.

Zur besseren Planung von Gebäck und Getränken freuen die Veranstalter_innen sich über vorherige Anmeldung unter philocafe(at)katho-nrw.de. Aber auch kurzentschlossene, unangemeldete Gäste sind jederzeit willkommen.

 

Fachabend: Rassismus und Diskriminierung im Hochschulkontext. Reflexionen im Spannungsfeld von Handlungsfähigkeit und Verunsicherung
13. November 2019, 17:30–20:30 Uhr, Raum 8

Referent_innen: Laura Distelrath, Weena Mallmann, Ahmad Moustafa, Abdul Rahmen Abu Nabout, Insa Paschert, Annika Wilden, Emilene Wopana Mudimu

Diskriminierung und Rassismus sind in allen Bereichen der Gesellschaft wirksam. So agieren auch Institutionen wie Hochschulen, Universitäten und Behörden oder auch Sportvereine und soziale Einrichtungen nicht außerhalb von rassistischen Verhältnissen. Was bedeutet dies für den Hochschulkontext oder für eine Stadtgesellschaft?
Diesen Fragen widmen sich Forschung und sozialarbeiterische Praxis immer häufiger. Auch der Fachabend „Rassismus und Diskriminierung im Hochschulkontext. Reflexionen im Spannungsfeld von Handlungsfähigkeit und Verunsicherung“ lädt dazu ein, sich anhand verschiedener Forschungsprojekte und Handlungskonzepte diesem Thema zu nähern sowie die eigenen Erfahrungen zu reflektieren. Die Projekte und Konzepte beschäftigen sich mit Rassismus und Diskriminierung und sie verbinden die generelle Frage danach, wie der Themenkomplex behandelt werden kann sowie welche Handlungsmöglichkeiten es gibt. Ein wichtiger Ansatz ist dabei, diese Handlungsstrategien mit Menschen zu entwickeln, die selbst Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Nach drei Kurzvorträgen gibt es Raum für Fragen und Austausch sowie abschließend einige Sensibilisierungsübungen.

Programm und Referent_innen

  • Vorstellung eines Master-Entwicklungsprojektes an der KatHO Aachen: Weena Mallmann, Insa Paschert, Annika Wilden (KatHO Aachen)
  • Einblicke in ein partizipatives Forschungsprojekt: Weena Mallmann, Ahmad Moustafa, Abdul Rahman Abu Nabout (KatHO Aachen)
  • Vorstellung des Projekts NRWeltoffen: Laura Distelrath (VHS Aachen)
  • Sensibilisierungsübungen: Emilene Wopana Mudimu (RWTH Aachen und KingzCorner)

 

 

Vortrag: Die antisemitische Feindbildung. Zur Sozialpsychologie eines kollektiven Wahns
14. November 2019, 18:30–21:00 Uhr, Raum 6

Referent: Rolf Pohl

Der Antisemitismus wird gesellschaftlich und politisch erzeugt und immer wieder erneuert. Seine Massenwirksamkeit aber erhält er erst durch seinen irrationalen Charakter in Form eines kollektiven Wahns, dessen Attraktivität vor allem in den Mechanismen seiner Feindbildung liegt. Das begünstigt die entgegenkommende Bereitschaft und damit die Anfälligkeit der Einzelnen. Die psychischen Wurzeln des Antisemitismus liegen dabei in unbewussten, mit starken Affekten gepaarten Wahrnehmungsmustern und die Hauptantriebskraft antisemitischer Einstellungen und Gewalttaten ist eine subjektiv und kulturell tiefsitzende, bis zum Hass steigerbare Feindseligkeit. Vor diesem Hintergrund weist die verschwörungstheoretische Konstruktion des „Juden“ als „absoluten Feind“ trotz historisch wechselnder Erscheinungsformen des Antisemitismus Übereinstimmungen auf, die eine Kontinuität immer wiederkehrender Motive erkennen lässt. Dies soll in dem Vortrag vor allem aus einer wahrnehmungspsychologischen Perspektive untersucht werden.

Prof. Dr. Rolf Pohl lehrt am Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind: Psychoanalyse und psychoanalytische Sozialpsychologie, sozialpsychologische Jugendforschung, politische Psychologie, sozialpsychologische und sexualwissenschaftliche Männlichkeits- und Geschlechterforschung.

 

Filmvorführung: Jahrhundertwende (2012, Moritz Liewerscheidt)
27. November 2019, 17:00 Uhr, Rhizom (Friedrichstraße 115, 52070 Aachen)

Diskussion: Moritz Liewerscheidt, Marion Gerards, Lydia Sloof

Der Essayfilm „Jahrhundertwende" ist eine Reflexion zur Dialektik von Aufklärung und Romantik, Spätkapitalismus und (Neo-)Nazismus. Zugleich möchte der experimentelle Film das vom TV-Dokumentarfilm gewohnte Verhältnis eines für unmündig gehaltenen Publikums und seines autoritären Vormundes – des gesprochenen Kommentars – auf die Probe stellen. Gegenwartsbilder und Zitate historischer Texte kommentieren sich in Liewerscheidts Montage wechselseitig und lassen Raum, selbst zu denken.

Das an die Filmvorführung anschließende offene Publikumsgespräch mit dem Filmemacher soll die vom Film initiierten Überlegungen aufgreifen und fortführen.

Trailer: http://www.moritzliewerscheidt.de/jahrhundertwende/

Interview mit Moritz Liewerscheidt:  http://sociologicalimagination.org/archives/14757

 

Filmvorführung: Der Staat gegen Fritz Bauer (2015, Lars Kraume)
05. Dezember 2019, 18:00 Uhr, Raum 62

Moderation: Tim Ernst

Deutschland 1957. Während die junge Bundesrepublik die NS-Zeit hinter sich lassen will, kämpft ein Mann unermüdlich dafür, die Täter im eigenen Land vor Gericht zu stellen: Zwölf Jahre nach Kriegsende erhält der kompromisslose Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Burghart Klaußner) den entscheidenden Hinweis darauf, wo sich der frühere SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann versteckt halten soll. Gemeinsam mit dem jungen Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld) beginnt Bauer, die Hintergründe zu recherchieren. Doch es formiert sich Widerstand bis in die höchsten Kreise: In seiner eigenen Behörde verschwinden immer wieder Akten und auch Oberstaatsanwalt Ulrich Kreidler (Sebastian Blomberg) und BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt (Jörg Schüttauf) behindern den unliebsamen Bauer in seinen Ermittlungen. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen unsichtbare Gegner beginnt, doch Bauer und Angermann geben nicht auf, wohl wissend, dass ihnen die Jagd auf Eichmann sowohl beruflich als auch privat alles abverlangen wird.

Die Bedeutung des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer für das Zustandekommen der Auschwitzprozesse der 1960er Jahre ist unumstritten. Doch erst nach seinem Tod wurde sein entscheidender Verdienst um die Ergreifung Eichmanns bekannt. Grimme-Preisträger Lars Kraume (DIE KOMMENDEN TAGE) zeichnet mit DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER nun das kraftvolle und fesselnde Porträt eines mutigen Mannes und dessen Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit. Unbeirrbar legte Bauer den Finger in die Wunde und schreckte dabei auch nicht vor unbequemen Fragen der Regierung Adenauer gegenüber zurück. Burghart Klaußner (ELSER, DAS WEISSE BAND) verkörpert den Titelcharakter kongenial bis in die feinsten Details von Mimik und Gestik. Für die weiteren Rollen in seinem packenden, dichten Portrait der jungen BRD versammelte Lars Kraume mit Ronald Zehrfeld (BARBARA), Sebastian Blomberg (ZEIT DER KANNIBALEN), Lilith Stangenberg (DIE LÜGEN DER SIEGER) und Jörg Schüttauf (SO GLÜCKLICH WAR ICH NOCH NIE) ein hochkarätiges deutsches Schauspieler-Ensemble.

Quelle: Alamode Filmverleih

 

Fachtagung von Studierenden für Studierende: Rechte Verhältnisse in Hochschule und Gesellschaft
18.–19. Dezember 2019

Weitere Informationen.

 

Workshop: Rechte Räume – Architektur und Politik
09. Januar 2020, 14:00–17:00 Uhr, Raum 62

Referent: Markus Baum

Eine Anmeldung zu dem Workshop ist nicht mehr möglich, da die maximale Anzahl der Teilnehmenden bereits erreicht wurde.

Durch die im Mai 2019 erschienene Ausgabe #235 der Zeitschrift „Arch+“, die sich sogenannten rechten Räumen widmet, wurde die Debatte zum Verhältnis von Politik, Architektur und Stadtplanung erneut intensiviert. Die Perspektive vorgebend, wird zu Beginn jener Ausgabe eine Arbeit Hans Kollhoffs in Berlin thematisiert, die den Namen „Walter-Benjamin-Platz“ trägt und zugleich mit einem  Zitat des Dichters Ezra Pound versehen ist: Benjamin, jüdischer Philosoph, der sich 1940 auf der Flucht vor den Nazis das Leben nahm, und Pound, Mussolini-Bewunderer und Antisemit, in einem architektonischen Konzept vereint. Fungiert hier Architektur als eine Geschichte antisemitisch kommentierende und fortschreibende Flaschenpost?

Ausgehend von dieser Frage lässt sich ein Blick zurückwerfen auf verschiedene architekturtheoretische und stadtsoziologische Kontroversen, anhand derer sich Leitmotive des rechten Bauens rekonstruieren lassen. Zu denken ist hier u.a. an den Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche, den Umbau der mazedonischen Hauptstadt Skopje oder die Rekonstruktion des Frankfurter Dom-Römer-Viertels.

In dem Workshop werden wir verschiedene Orte dieser Kontroversen (virtuell) besuchen und uns kreativ und gestalterisch mit architektonischen Stilen, Formen und Materialien beschäftigen. Leitend wird dabei die Frage sein, inwiefern Architektur und städtebauliche Entwürfe als Element eines (extrem) rechten Denkens gelten können. Auf diesem Wege, so das Ziel des Workshops, soll eine Sensibilität für Versuche nationalistischer Mythen- und Ordnungsbildung und für autoritäre, rechtspopulistische Strategien geschaffen werden. Nicht allein in Anbetracht gegenwärtiger politisch-sozialer Transformationsprozesse, sondern grundlegend für eine vitale demokratische Gesellschaft ist ein derartiges kritisches Bewusstsein unerlässlich. Damit weist der Workshop über Architektur und Stadtplanung hinaus.

 

Filmvorführung: Fahrenheit 11/9 (2018, Michael Moore)
22. Januar 2020, 18:00 Uhr, Raum 62

Moderation: Tim Ernst

Kaum eine Wahl hat die Öffentlichkeit so stark beschäftigt wie die von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Als einer der wenigen, die das Ergebnis vorhergesagt haben, offenbart Oscar-Preisträger Michael Moore die Umstände und Mechanismen, die zum Wahlerfolg des umstrittenen Kandidaten geführt haben. Im Fokus seiner Kritik steht dabei nicht nur der Präsident selbst, sondern vor allem auch das Versagen der Demokraten.

Furchtlos, provokativ und hochgradig unterhaltsam seziert Michael Moore die politischen und gesellschaftlichen Prozesse bis zu Donald Trumps Amtseinführung und prangert soziale Ungleichheit an. Dabei bleibt er nicht bei der Frage, wie es dazu kommen konnte, sondern ruft alle Amerikaner zu politischem Engagement und Widerstand auf.

Quelle: Weltkino Filmverleih

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2020