Das Seminar „Option für Armen“ will die Ordensleute auf den Weg zu den Armen begleiten.

Professorin Ursula Adams bewahrt die Figur des Bettlers, die während der Woche in der Mitte des Seminars steht, bei sich zu Hause auf.

Das Seminar „Option für Armen“ will die Ordensleute auf den Weg zu den Armen begleiten.

Die Juristin, Professorin em. Ursula Adams, hat das Seminar „Option für die Armen“ 1991 an der KFH gegründet. Über ihre Motivation, sich mit dem Thema „Randgruppen“ zu beschäftigen, erzählt sie: „In meiner Klasse saß eine Schülerin neben mir, die aus einer stadtbekannten asozialen Familie stammte. Wir spielten Puppen miteinander und sie sagte: ‚Du hast so viele Anziehsachen für deine Puppe. Ich habe nur das, was ich an habe.’ Das war ein entscheidender Anstoß, an den ich mich später immer wieder erinnert habe.“

Nach dem Jurastudium arbeitete Ursula Adams in einer Kindertageseinrichtung in einer Obdachlosensiedlung. Über die Arbeit schrieb sie ein Buch („Nachhut der Gesellschaft“). „Es war das erste Mal, dass ein Blick in diese Milieus getan und aufgeschrieben wurde.“

1965 kam Ursula Adams als Dozentin für Jugend- und Familienrecht mit dem Schwerpunkt Randgruppenarbeit an die KFH und fing an, mit ihren Studierenden „auf die Straße“ zu gehen. „Ich habe mich bei den Wohnungslosen nach den so genannten ‚Barmherzigen Türen’, den Klosterpforten, erkundigt und deren Umgang mit den Wohnungslosen kennen gelernt. Das wurde weiterberichtet an die Ordensoberen, die daraufhin den Umgang mit ihren ‚Gästen’ verstärkt in den Blick genommen haben.“

Im Laufe der Zeit gingen immer mehr Ordensleute „auf die Straße“, um einen „Ortswechsel in die Nähe der Armen“ zu vollziehen. Mit der Initiierung des Kontaktseminars an der KFH wollten Ursula Adams und der Kapuzinerpater Erich Purk vor allem die Motivation dieser Ordensleute stützen. Der Austausch untereinander, aber auch mit den Studierenden erwies sich als zweckdienlich, um das Engagement zu stabilisieren. Die Ordensleute wurden beraten, wie sie den Dienst an den Wohnungslosen in ihren Gemeinschaften kommunizieren konnten. „Seitdem wir die Seminare haben, ist keiner mehr ausgetreten.“ Alle hätten Wege gefunden, ihre Arbeit mit ihren Gemeinschaften abzustimmen und unterstützen zu lassen.

Thematisch orientiert sich das Kontaktseminar, das einmal im Jahr in einer Woche im Februar stattfindet, an den Interessen und Bedürfnissen der Teilnehmenden. Wichtig war von Anfang an, die Ordensleute zu qualifizieren, zum Beispiel mit sozialrechtlichen Fragen vertraut zu machen und Vorurteile gegenüber öffentlichen Institutionen abzubauen. Denn: „Mit Barmherzigkeit alleine ist die Arbeit mit Wohnungslosen nicht zu schaffen“, ist Ursula Adams überzeugt. Die Studierenden hingegen sollten in dem Seminar Ansätze für ihre spätere Praxis kennen lernen.

Ursula Adams, Jahrgang 1930
Juristin, 2. Staatsexamen 1963
Seit 1965 Dozentin an der KFH (vormals Westfälische Wohlfahrtsschule)
Mitglied im Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge in der Fach-Kommission VII „Soziale Rechtsfragen in der Randgruppen-Problematik“
Mitglied in der Kommission III in der Würzburger Synode
Acht Studienreisen nach Brasilien und Nordamerika, Schwerpunkt: Armutsbevölkerung

 

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