
Die eigenständige Wissensaneignung und das forschende Lernen stehen im Mittelpunkt von SteP. Am Montag stellten die Studierenden ihre Projekte vor, die sie für 15 Institutionen entwickelt hatten.

Bildungsmaterial für Beschäftigte mit hohem Assistenzbedarf zu erstellen, war der Auftrag dieser Projektgruppe.

Sie entwickelten ein Konzept, wie ein ungenutzter Bereich auf einem Schulhof zu einem Rückzugsort für Oberstufenschüler umgestaltet werden kann.

Nach einer Bedarfsermittlung konnten diese Arbeitsgruppe der Schule Vorschläge präsentieren, wie die Belastung beim Umgang mit problematischen Schülern reduziert werden kann.
Studierende der Heilpädagogik zeigten Ergebnisse ihrer siebenwöchigen Forschungsreise
Das Studieneingangsprojekt (SteP) führt die Studierenden der Heilpädagogik direkt in die Berufspraxis. Für sie hieß es, Projekte für 15 Institutionen zu entwickeln. „Wir kooperieren mit mehr als 250 Einrichtungen der unterschiedlichsten Art“, erklärte Prof. Dr. Heinrich Greving. Viele Institutionen kommen inzwischen mit ihren Wünschen nach Realisierung eines Projektes auf den Studiengang zu.
Die eigenständige Wissensaneignung und das forschende Lernen stehen im Mittelpunkt von SteP. Sieben Wochen lang begaben sich die Studierenden auf ihre Forschungsreise. Am Montag, 23. November, präsentierten sie ihre Ergebnisse. Sie erarbeiteten Angebote für Menschen mit Autismus im Großraum Hamm, erstellten eine Übersicht der pädagogisch-therapeutischen Angebote in der Region Münster oder eine Erhebung der Wünsche und Bedürfnisse zum Thema Freizeit für Menschen mit geistiger Behinderung – um nur einige Beispiele aus den 15 Projekten zu nennen.
Berufliche Weiterbildung für behinderte Menschen
Eine Projektgruppe sollte im Auftrag der Osnabrücker Werkstätten Bildungsmaterial für Beschäftigte mit hohem Assistenzbedarf (im Intensiv- und Spezialförderbereich) planen und erstellen. Arbeit hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Auch für Menschen mit erhöhtem Assistenzbedarf ist Arbeit ein Grundbedürfnis und zweiter Lebensraum, begründete die Arbeitsgruppe die Relevanz des Themas. Dabei werde der Blick noch viel zu wenig auf die berufliche Weiterbildung von behinderten Menschen gerichtet. Für diese gebe es wenig oder keine adäquaten Angebote. Gerade diese Bildungsangebote dürfen sich nicht an Defiziten, sondern an Ressourcen und Möglichkeiten ausrichten.
Die Bedarfsermittlung erfolgte durch teilnehmende Beobachtung bei den Beschäftigten sowie durch Befragung von Gruppenleitern und Mitarbeitern. Nach einer Auswertung erstellte das Projektteam Mappen mit Bildungsmaterial zu drei Themen, die direkten Bezug zum täglichen Berufsleben der Beschäftigten hatten. In Kursen setzten sich die Teilnehmer konkret mit den Themen auseinander. Ein zweitägiger Kursus stand beispielweise unter dem Motto „Soziale Kontakte und Freundschaft im Werkstattalltag“.
Die Projektgruppe berichtete, dass es sowohl von Seiten der Teilnehmer und als auch der Gruppenleiter ein positives Feedback gegeben habe: „Unsere Arbeit ist anerkannt und nachhaltig.“ Das Ziel der beruflichen Bildung für Menschen mit Behinderungen soll in den Osnabrücker Werkstätten weiterverfolgt werden.
Pausen-Treffpunkt für Oberstufenschüler
Ein zweite Arbeitsgruppe war damit beauftragt worden, ein Konzept zur Nutzung des Rückzugsbereichs auf einem Schulhof für ältere Schülerinnen und Schüler zu entwickeln, denn an der Schule fehlte ein Pausen-Treffpunkt für die Oberstufenschüler. Es gab bereits eine ungepflegte Fläche mit einem Bauwagen, die für eine Umgestaltung genutzt werden konnte. Nachdem sich die Gruppe zunächst mit den Themen „Konzepterstellung“, „Freizeitbeschäftigung“ und „Schule“ auseinandergesetzt hatte, konnte die praktische Arbeit des Entwicklungsprojekts erfolgen.
Die Schüler wurden in Schülerratssitzungen an der Planung des Konzepts beteiligt. Die Wünsche wurden auf Realisierbarkeit überprüft und anschließend gemeinsam umgesetzt. Der Bauwagen wurde renoviert, eine Hauswand mit Graffiti verschönert – damit wurde ein professioneller Künstler beauftragt -, es gab ein Musikangebot und eine Getränkeausgabe. Der Außenbereich wurde mit diesen Maßnahmen deutlich aufgewertet.
Belastung für Erzieher reduzieren
Eine weitere Projektgruppe hatte die Aufgabe, einen Evaluationsbogen zu entwickeln, der psychologische Hilfen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung und psychischen Problemen geben sollte. Der Forschungsauftrag ist Bestandteil eines dreijährigen Modellprojekts an der Schule, um die Belastungen der Erzieher deutlich zu reduzieren, Kinder besser zu integrieren und Förderziele mit Perspektiven zu formulieren.
Die Studierenden erstellten zunächst einen Fragebogen, um den Bedarf zu ermitteln. Dabei bejahten 86 Prozent der Lehrer, dass es eine psychische Belastung im Umgang mit Kindern mit Doppeldiagnose gebe. 23 Prozent sprachen von Anstrengung und Anspannung. Das Fazit der Studierenden: „Es gibt Handlungsbedarf.“ In einem weiteren Arbeitsschritt präsentierten sie der Schule Vorschläge, wie die Belastung beim Umgang mit problematischen Schülern reduziert werden kann.