Eine Gesellschaft für alle (21.10.09, Münster)

Am Mittwoch wurde die vom Verein "Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit" in Essen konzipierte Wanderausstellung in der KatHO Münster eröffnet. Vier Wochen lang wird sie im Foyer zu sehen sein.

Kooperationspartnerin bei diesem Ausstellungsprojekt ist die Stadt Münster. In Folge der Ausstellung seien weitere Aktionen zum Thema geplant, erklärte die Behindertenbeauftragte der Stadt Doris Rüter, die selbst an der KatHO Münster studiert hat.

Auch die Ausstellungseröffnung sollte möglichst barrierefrei gestaltet werden. Für Gehörlose übersetzte ein Dolmetscher in die Gebärdensprache. Mareike Bübl vom Verein "Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit" in Essen führte in die Ausstellung ein. "Oft erfordert es gar nicht so einen großen Aufwand, Barrieren abzubauten", sagte sie.

"Die Bekämpfung der Armut kann nicht gelingen, ohne Menschen mit Behinderungen miteinzubeziehen. Denn 20 % derjenigen, die in absoluter Armut leben, haben eine Behinderung", ist auf einer Texttafel zu lesen.

Die Präsentation zeigt auf, wie Entwicklung für alle gestaltet werden kann.

Projekte aus Entwicklungsländern stellen konkret dar, wie Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt berücksichtigt werden können.

Ausstellung "Entwicklung ist für alle da" in der KatHO Münster eröffnet

Menschen mit Behinderungen haben weltweit ein Recht auf Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen und auf Selbstbehauptung. Mit der seit Mai 2008 gültigen UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist das verbindlich festgeschrieben; seit März 2009 gilt die UN-Konvention auch in Deutschland. Menschen mit Behinderungen werden nicht mehr als passive Empfänger von Wohlfahrtsleistungen oder Fürsorge gesehen, sondern als Mitmenschen, die ein Recht auf volle Teilnahme am gesellschaftlichen Leben haben.

Die große Mehrheit der Menschen mit Behinderungen (rund 80 Prozent) lebt in Entwicklungsländern. Davon wiederum leben rund 82 Prozent unterhalb der Armutsgrenze. Andererseits kann Armut die Auswirkungen einer Behinderungen verstärken oder sogar Behinderung erzeugen. Die weltweiten Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut können nur gelingen, wenn Menschen mit Behinderungen mit einbezogen werden.

 

Gleichberechtigt an Projekten und Programmen teilnehmen

Darauf verweist eine Ausstellung, die am Mittwoch, 14. Oktober 2009, in der Katholischen Hochschule Münster eröffnet wurde. „Entwicklung ist für alle da! Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen umsetzen – inklusive Entwicklung gestalten“ unter diesem Titel zeigt die von „Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.“ (bezev) in Essen konzipierte Wanderausstellung, wie Entwicklung für alle gestaltet werden kann. Projekte aus Entwicklungsländer stellen konkret dar, wie Menschen mit Behinderung gleichberechtigt in Programmen beteiligt werden. Die Präsentation stellt die Idee einer „Gesellschaft für alle“ dar, in der Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen gleichermaßen respektiert werden.

„In einer Gesellschaft, in der es eine enorme Beschleunigung gibt und eine Konzentration der Menschen auf die eigenen Interessen, spricht diese Ausstellung von der Verantwortung der Gesellschaft“, sagte Dekan Prof. Dr. Hugo Mennemann. Prof. Dr. Heinrich Greving unterstrich die Relevanz der Präsentation für aktuelle Diskussionen in der Heilpädagogik: „Sie gibt Informationen und trägt zur Aufklärung bei.“

Kooperationspartnerin der Katholischen Hochschule bei diesem Ausstellungsprojekt ist die Stadt Münster. „Die UN-Behindertenrechtskonvention hat in den Kommunen einiges ausgelöst“, sagte die Behindertenbeauftragte der Stadt Münster Doris Rüter im Rahmen der Ausstellungseröffnung. „Wir haben gute Netzwerke in Münster“, erklärte sie. In Folge der Ausstellung seien weitere Aktionen zum Thema geplant.

 

Entwicklung für alle

Inklusive Entwicklung schließt niemanden aus. Sie baut auf einer Gesellschaft für alle auf. Alle sollen die gleichen Chancen haben, sich zu entwickeln, mit ihren Fähigkeiten zum Gemeinwohl beizutragen und gesellschaftliche Leistungen in Anspruch zu nehmen. Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern sind häufig von solchen Möglichkeiten ausgeschlossen. Sie leben meist abhängig von der Fürsorge anderer.

 

Akzeptanz für Vielfalt

Die Ausstellung möchte Bewusstsein für die Akzeptanz von Vielfalt schaffen. Zwölf Texttafeln mit Fotos veranschaulichen, wie beispielsweise Forderungen nach dem Recht auf Entwicklung und Teilhabe oder Bildung für alle umgesetzt werden können. Sie zeigen, wie behinderte Menschen ihr Einkommen sichern und Barrieren abgebaut werden können. „Oft erfordert es gar nicht so einen großen Aufwand, reale Barrieren abzubauen. Vielfach sind die Barrieren noch in unseren Köpfen“, erklärte Mareike Bübl vom bezev. „Wir möchten den Teufelskreis aus Armut und Behinderung durchbrechen und die breite Öffentlichkeit für das Problem sensibilisieren“, sagte Bübl.

 

Jeder Mensch ist einzigartig

Dieser Ansatz einer Gesellschaft für alle möchte negative Sichtweisen von Andersartigkeit umdeuten, hin zu einer Wertschätzung und Anerkennung kultureller Vielfalt. „Jeder Mensch ist von Anfang an einzigartig und bleibt es sein Leben lang“, heißt es in der Broschüre zur Ausstellung. Oft genug wird Andersartigkeit jedoch negativ bewertet. Wer durch körperliche oder psychische Besonderheit von der Norm abweicht, bekommt das von klein auf zu spüren. Der Blick der Gesellschaft richtet sich stark auf die Defizite eines Menschen und weniger auf Gemeinsamkeiten oder auf das, was jeder Einzelne kann.

Die Wanderausstellung wird 2009 und 2010 in vielen Städten Deutschlands zu sehen sein.

 

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