
Auszeichnungen für die besten Abschlussarbeiten: Angela Waschull und Jens Rüter erhielten den DKM-Preis für ihre Bachelor-Arbeiten in den Studiengängen Heilpädagogik und Soziale Arbeit.
Interview mit zwei Absolventen der Bachelor-Studiengänge Soziale Arbeit und Heilpädagogik
Im Rahmen der Abschlussfeier der KatHO NRW, Abteilung Münster, in der Halle Münsterland wurden fünf Absolventen der Studiengänge Soziale Arbeit und Heilpädagogik mit dem Preis der Darlehenskasse Münster (DKM) ausgezeichnet. Der Preis im Gesamtwert von 2000 Euro wird für die besten Abschlussarbeiten vergeben.
Ausgezeichnet wurden die Diplomarbeiten von Johannes Klix (Soziale Arbeit) mit dem Titel „Die pädagogischen Anteile der Sozialen Arbeit anhand ihrer Vorgeschichte: Versuch einer historischen Rekonstruktion durch ausgewählte Beispiele (Paul Natorp, John Dewey, Theodor Litt)“ und die von Sandra Volpers (Heilpädagogik) „Das Apallische Syndrom - Von einem Phänomen und der Bedeutung für die Heilpädagogik“.
Für die beste Arbeit im Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit erhielt Jens Rüter den DKM-Preis. Seine Studie widmete sich der „Sozialen Arbeit und Justiz. Täterarbeit bei häuslicher Gewalt“. In der Heilpädagogik wurde Angela Waschull für ihre Arbeit mit dem Titel „Kommunikation mit verhaltensauffälligen Kindern - Chancen heilpädagogischer Beratung“ ausgezeichnet.
Wir sprachen mit den beiden Bachelor-Absolventen Angela Waschull und Jens Rüter.
Wie sind Sie auf das Thema ihrer Arbeit gekommen?
Jens Rüter: Ursprünglich wollte ich eigentlich eine reine Theoriearbeit über „Wahnsinn und Gesellschaft“ vorlegen. Ich habe eine Ausbildung zum Krankenpfleger an der LWL-Klinik absolviert und dort drei Jahre lang als Krankenpfleger gearbeitet. Auch jetzt arbeite ich dort noch an jedem zweiten Wochenende im Nachtdienst. Da lag das Thema nahe.
Mein betreuender Dozent Professor Dr. Heidrich war allerdings nicht so begeistert von der Idee und konnte mich mit seinem Vorschlag überzeugen, über „Täterarbeit bei häuslicher Gewalt“ zu arbeiten. Zu dieser Problematik lag auch eine konkrete Anfrage eines Trägers vor. Untersucht habe ich die Wirksamkeit einer Therapie für Männer auf der Grundlage einer gerichtlichen Zuweisung, also einer Zwangstherapie. Dieses Gebiet ist in Deutschland weitgehend Neuland. Hier gilt nach wie vor das Prinzip der Freiwilligkeit als richtungsweisend. Zur Zeit bricht dieses Dogma etwas auf. Erforscht ist das Thema in Deutschland allerdings kaum.
Um die Situation hier vor Ort zu erfassen, habe ich ein Gespräch mit der Männerberatung des SKM – Katholischer Verein für soziale Dienste in Münster e.V. geführt. Zudem war das Amtsgericht Münster sehr entgegenkommend und ich konnte ein Interview mit einer Amtsanwältin führen.
Kann man ein Fazit aus ihrer Arbeit ziehen, das auch für die Praxis von Bedeutung ist?
Jens Rüter: Man kann festhalten, dass die Therapie aufgrund einer gerichtlichen Anordnung ein Weg sein kann. Wir brauchen für jeden Täter das richtige Beratungsangebot. Daher sollten vielfältige Hilfsangebote bestehen, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Täter zugeschnitten sind. Vielleicht kann die Arbeit Orientierungspunkt für die künftige Gestaltung von Strukturen geben.
Angela Waschull: Die Suche nach einem Thema für die Bachelor-Thesis fiel mir nicht schwer. Ich habe sechs Jahre als Erzieherin mit Kindern im Schulalter (6-14 Jahre) in einem „Brennpunktgebiet“ von Stuttgart gearbeitet und konnte dadurch viel Erfahrung mit sogenannten „verhaltensauffälligen“ Kindern sammeln. Diese Kinder und das Thema Verhaltensauffälligkeit interessieren mich schon lange, deshalb habe ich auch die dreijährige, berufsbegleitende Weiterbildung zur Heilpädagogin (Fachschule Waiblingen) absolviert.
Während meines Praktikum in einer Förderschule glaubte ich, intensive Kommunikationskonflikte beobachten zu können. In einem Beratungsseminar an der KatHO hatte ich über die Konsulentenarbeit in der Behindertenhilfe gehört. So entstand die Überlegung, ob dieses Modell der Konsulentenarbeit auf die Kinder- und Jugendhilfe zu übertragen sei. Meine Überlegung war es, den Betroffenen Lösungsmöglichkeiten für diese Kommunikationskonflikte an die Hand zu geben, denn ab einem bestimmten Konfliktlevel droht die Eskalation und es wird ein externer Berater benötigt. Bei der Konsulentenarbeit wird nicht „über“ Menschen mit herausforderndem Verhalten gesprochen, sondern mit ihnen, denn sie werden in die Lösungssuche mit einbezogen und sind gleichberechtigt mitbeteiligt.
Wie sind Sie methodisch vorgegangen?
Angela Waschull: Ich habe Fragebögen an Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen in Münster und Umgebung verschickt, um herauszufinden, ob pädagogische Fachkräfte sich durch sogenannte verhaltensauffällige Kinder (stark) belastet fühlen, wie sich ihre Kommunikation gestaltet und welche Form der Unterstützung sie sich bei Kommunikationskonflikten wünschen.
Es hat sich bestätigt, dass sich pädagogische Fachkräfte in den Einrichtungen stark belastet fühlen und besonders externe Beratung gewünscht wird. Die Einschätzung der Mitarbeiter aus der Praxis lautet, dass Verhaltensauffälligkeiten zugenommen haben und es künftig auch tun werden. Ich habe ein Modell ausgearbeitet, das Fachkräften ein Beratungskonzept als Lösungsweg vorstellt.
Prof. Dr. Hans-Rüdiger Schwab hat in seiner Laudatio die Praxisrelevanz beider Arbeiten hervorgehoben. Wie haben sie die intensive zweimonatige Phase der Examensarbeit erlebt?
Jens Rüter: Anstrengend, aber es hat auch Spaß gemacht.
Angela Waschull: Spannend. Das Thema wird mich auch in Zukunft bestimmt noch weiter interessieren.
Wie geht es nach dem Abschluss weiter? Haben Sie schon langfristige Pläne, haben Sie bereits einen Arbeitsplatz gefunden?
Jens Rüter: Ich werde meine theoretischen Kenntnisse vertiefen und den Masterstudiengang „Netzwerk- und Fallmanagement“ belegen. Das Thema interessiert mich. Konkrete Pläne, wohin der Weg anschließend geht, habe ich noch nicht. Spaß machen würde mir bestimmt eine Arbeit in der Männerberatung; auch das Praktikum im Betreuungsverein des SKFs (Sozialdienst katholischer Frauen e.V.) lag auf meiner Wellenlänge.
Angela Waschull: Ich bleibe an der KatHO und werde ein Jahr lang als Referentin für Praxiskoordination im Studiengang Heilpädagogik arbeiten. Nächstes Jahr möchte ich noch den Master zum Thema Beratung machen.
Wie haben Sie ihr Studium an der KatHO empfunden? Waren Sie mit der Begleitung der Dozenten einverstanden?
Jens Rüter: Ich habe ab dem Wintersemester 2004 zunächst für vier Semester Rechtswissenschaften an der WWU Münster studiert und bin zum Wintersemester 2006 an die KatHO Münster gewechselt. An der Uni habe ich eine Art des Studiums kennen gelernt, das dem Einzelnen viel Freiheit erlaubte. An der KatHO traf ich dann auf ein Modulsystem, an dessen Ende viele Prüfungen stehen. Das Studium ist sehr strukturiert und „verprüft“. Es erlaubt wenig Wahlmöglichkeit, nach rechts oder links zu schauen.
In der Sozialen Arbeit wurde das Theoriemodul beispielsweise erst in den letzten Semestern angeboten. Es bestand also eine geringe Wahlmöglichkeit, sich stärker auf diesen Aspekt des Studiums zu konzentrieren.
Angela Waschull: Das war in der Heilpädagogik anders. Dort haben wir mit dem Studieneingangsprojekt (SteP) und der „Theorie“ in Form der Einführung in wissenschaftliches Denken und Arbeiten begonnen. Das SteP war praxisorientiert und wurde von Anfang an mit Theorie verbunden, als „forschendes Lernen“.
Die Freiheit an der Uni hat für viele Studierende nicht nur positive Seiten. Viele verlieren sich im Dschungel der Möglichkeiten.
Jens Rüter: Das stimmt sicherlich. Es ist hilfreich, mit der Freiheit leben zu lernen, das schult für das Leben.
Angela Waschull: Ich habe mich während des gesamten Studiums gut betreut gefühlt. Die Hochschule ist klein und persönlich, wo Unterstützung notwendig war, fand man diese bei den Dozentinnen und Dozenten. Auch bei der Ausarbeitung der Bachelor-Thesis wurden wir sehr gut betreut und gleichzeitig zur eigenständigen Erschließung eines komplexen Themas angeleitet.
Die eingeschränkten Wahlmöglichkeiten im Studium habe ich nicht empfunden, jeder konnte eigene Themenschwerpunkte setzen und bekam innerhalb eines Moduls Wahlfreiheit.
Jens Rüter: Die Betreuung durch die Dozenten fand ich auch sehr gut. Ich habe gerne an der KatHO studiert – sonst würde ich wahrscheinlich auch nicht hier weiterstudieren - nicht zuletzt wegen der familiären Atmosphäre.
Hat sich durch Ihr Studium die Sichtweise über den Beruf des Sozialarbeiters/Heilpädagogen verändert?
Angela Waschull: Eigentlich nicht. Sie hat sich natürlich erweitert, aber durch meine Tätigkeit als Erzieherin und meine heilpädagogische Weiterbildung hatte ich schon recht konkrete Vorstellung vom Beruf. Ich komme aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, durch das Studium bin ich nun neugierig geworden auf die Behindertenhilfe als anderem Schwerpunkt der Heilpädagogik. An dieser Schnittstelle würde ich gerne weiterdenken und –arbeiten.
Verkürzte Praktikumsphasen, viele Prüfungen, die in kurzer Zeit zu absolvieren sind – wir kommen immer wieder auf das Bachelor-Studium zurück, das für viel Diskussionsstoff gesorgt hat. Sie waren der erste Durchlauf, quasi ein wenig die Versuchskaninchen.
Angela Waschull: Wir waren die ersten Bachelor-Studenten. An uns konnte der Studiengang in der Praxis erprobt werden. Es war spannend zu sehen, dass es sich hierbei nicht um ein statisches System handelte, sondern Erfahrungen des Praxisbetriebs mit einflossen. Ergebnisse aus Focusgruppen, Erfahrungen von Studierenden und Dozenten wurden schnell transportiert und umgesetzt. Sie flossen in das Studium ein, so dass es immer wieder zu Veränderungen und Verbesserungen kam.
Ich würde den Bachelor nicht so negativ sehen. Wir sollten das Selbstbewusstsein nach außen tragen und den Standpunkt in der Praxis vertreten: Ich habe in drei Jahren ein qualitativ hochwertiges Studium durchlaufen und kann hochwertige Arbeit bieten.
Wir beurteilen Sie im nachhinein ihr Studium an der KatHO Münster?
„Es war eine gute Zeit. Jetzt kommen neue Herausforderungen, auf die ich gespannt bin“, sind sich Angela Waschull und Jens Rüter einig.