Soziale Arbeit - Profession und Gender (30.09.09, Münster)

Arbeitsbibliographie neu überarbeitet und aktualisiert

Seit nun acht Jahren steht die Arbeitsbibliographie „Soziale Arbeit – Profession und Geschlecht“ online. Jedes Jahr wird sie neu überarbeitet und aktualisiert. Mittlerweile umfasst sie knapp 800 Titel in deutscher und englischer Sprache  in thematischer und in alphabetischer Reihenfolge.
Diese Bibliographie beinhaltet primär Monographien, Sammelbände und Artikel in Fachzeitschriften über Geschlechteraspekte in der Sozialen Arbeit aus den letzten 20 Jahren; der älteste Text ist 1915 erschienen. Wir können rückblickend beobachten, wie sich Themenschwerpunkte herauskristallisiert und wie sie sich im Laufe der Jahre verschoben haben. Hier ein kleiner Überblick über die deutschsprachigen Titel.
Ein Viertel der deutschsprachigen Titel beschäftigt sich kontinuierlich seit Ende der 80er Jahre mit der Geschichte der Sozialen Arbeit, davon viele mit den Pionierinnen wie Alice Salomon, Jane Addams oder Mary Richmond. Das Bedürfnis nach einer Vergewisserung der eigenen Wurzeln scheint ungebrochen. Zugleich sind Quellentexte weiterhin aktuell angesichts der Debatten um die Zukunft der Arbeit bzw. der alten/neuen Verteilung von Arbeit.
Gut ein weiteres Viertel konzentriert sich entweder auf Frauen oder auf Männer in der Sozialen Arbeit. In den 80er und 90er Jahren thematisieren viele Titel die Soziale Arbeit als Frauenberuf, teils kritisch analytisch, teils lediglich deskriptiv. Gegen Ende der 90er Jahre bis heute erscheinen zunehmend Titel über Frauen in Führungspositionen sowie über Männer in der Erziehungs-, Betreuungs- und Beratungsarbeit. Dabei geht es sowohl um Beschreibungen von untypischen weiblichen wie männlichen Handlungs- und Wahrnehmungsmustern als auch um kritische Reflexionen der Reproduktion bzw. des Abbaus von eingefahrenen Machtverhältnissen.
Erst in jüngerer Zeit greifen vermehrt Texte gezielt die aktuellen Diskussionen über geschlechterbewusste oder geschlechterreflexive Soziale Arbeit, über Genderkompetenz und über Gender Mainstreaming auf. Ab 2002 steigen diese Veröffentlichungen jedoch stetig. Ebenfalls wird in jüngerer Zeit verstärkt zu Ausbildung und Studium in der Sozialen Arbeit veröffentlicht, die ersten kritischen Betrachtungen zu Geschlechteraspekten der Bachelor- und Masterstudiengänge sind erschienen, weitere werden vermutlich folgen.
Relativ wenige Titel widmen sich der Professionsentwicklung der Sozialen Arbeit im engeren Sinne. Veröffentlichungen über die Entwicklung des Ehrenamtes bzw. der Freiwilligenarbeit sowie über Soziale Arbeit als Beruf übertreffen zahlenmäßig bei weitem die Texte, die die Soziale Arbeit als Profession mit eigenem Zuständigkeits-bereich und ExpertInnenstatus unter Genderaspekten beleuchten. Die (immer noch) unklaren Grenzen zwischen professioneller, praktisch beruflicher und Laienarbeit im Feld des Sozialen werden hier auch in der Veröffentlichungspraxis deutlich.

 

Brigitte Hasenjürgen u. a. 2009: Arbeitsbibliographie „Soziale Arbeit – Profession und Geschlecht“.

Download: www.katho-nrw.de/muenster/studium-lehre/lehrende/hauptamtlich-lehrende/hasenjuergen-brigitte-prof-dr-phil/downloads/

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