
Abschied von den Kollegen aus Münster: (v.l.) Dekan Prof. Dr. Hugo Mennemann, Prof. Dr. Thomas Hülshoff, Prof. Dr. Sabine Schäper, Wolfgang Köhn, Prof. Dr. Heinrich Greving, Prof. Dr. Dieter Gröschke. Auch Rektor Prof. Karl Heinz Schmitt war zur Feier aus Köln angereist.

"Du hast uns Selbstreflexion gelehrt und uns einen Spiegel vorgehalten."

"Du warst wie ein starker Baum, der reiche Früchte getragen hat."

Auch seine Frau Barbara war mit zur Abschiedsfeier gekommen.

Der "lachende Heilpädagoge".

Mit Geschenken. Liedern und Dankesworten verabschiedeten sich Kollegen, Studierende und Ehemalige von Wolfgang Köhn.

Ein Lied zum Abschied: "Der Lotse geht von Bord".

Auch der Dozentenchor leistete seinen musikalischen Beitrag zur Verabschiedung.

Prof. Dr. Alexander Trost blickte auf die gemeinsame Zeit an der KFH in Köln zurück.

Seine beeindruckende Abschiedsvorlesung widmete sich der heilpädagogischen Beziehungsgestaltung.
Wolfgang Köhn wurde im Rahmen des Forums Heilpädagogik verabschiedet
Großer Bahnhof am Freitag, 18. September 2009, in der Katholischen Hochschule Münster. Einen ganzen Tag lang drehte sich beim jährlichen Forum Heilpädagogik alles um eine Person: Wolfgang Köhn, einen der Pioniere der Heilpädagogik in Deutschland. Der Geehrte selbst hätte seine Verabschiedung lieber etwas bescheidener gefeiert, aber da waren Studierende, Ehemalige und Kollegen anderer Meinung. Nach 35 Jahren, die er als Dozent in der Hochschule tätig gewesen war (s. auch Interview mit W. Köhn), sollte Wolfgang Köhn zum Abschied noch einmal groß herauskommen. Viele Gäste waren zur Feier gekommen, um ihm etwas von dem zurückzugeben, was er ihnen im Laufe der Jahre geschenkt hatte.
Sie hatten Geschenke, Lieder und viele Dankesworte mitgebracht. „Vielen Dank für die vielen guten Jahre der Begegnung“, brachten es Studenten und Ehemalige aus Köln und Münster auf den Punkt: „Danke für die Begleitung auf dem Weg durch das Studium. Du hast uns vorbereitet auf den Weg durch das Leben.“
Lehrer und Weggefährte
Vaterfigur, starker Baum, Füllhorn, Lehrer und Weggefährte, ein Mensch voller Kraft und Stärke, ein Kämpfer, ein Lehrer mit unermüdlichem Einsatz für seine Schüler, solche Worte der Anerkennung und des Dankes fielen am Freitag immer wieder.
Rektor Prof. Karl Heinz Schmitt hob Wolfgang Köhns „reiche Lebens- und Berufsbiografie mit vielen Stationen“ hervor. In seiner 35-jährigen Tätigkeit habe er die Geschichte der Heilpädagogik an der Hochschule maßgeblich geprägt, den Studiengang mit aufgebaut und gestaltet. Als Zeichen der Anerkennung überreichte er Köhn den Ehrenpreis der KatHO.
Wolfgang Köhn setze sich kämpferisch für Inhalte ein, unterstrich Dekan Prof. Dr. Hugo Mennemann in seiner Begrüßung hervor. „Insofern vereinigst Du den Soldaten mit dem Pädagogen.“ Mennemann zum Abschied: „Du bist unersetzbar. Ein Kollege mit Charakter, ein Mensch verlässt das Kollegium.“
Der lachende Heilpädagoge
Was ist charakteristisch, prägnant? Was verbindet man sofort mit dem Namen Wolfgang Köhn? Für Prof. Dr. Dieter Gröschke war die Antwort klar: „Sein Lachen, das ganz viele Nuancen hat.“ „Wir hören ihn oft eher, als wir ihn sehen“, erklärte Gröschke in seiner Laudatio. Der lachende Heilpädagoge, der die Maxime verinnerlicht habe: „Fröhlich, wenn ich kann, traurig, wenn ich muss“.
Auch das jährlich stattfindende Forum Heilpädagogik geht maßgeblich auf die Initiative von Köhn zurück. Seit dem Jahr 2000 verbindet dieses Forum Wissenschaft und Praxis. Jährlich widmet es sich wechselnden Themen. In diesem Jahr war das Thema allerdings ein Mensch, dem „Meister der Heilpädagogik“, der auf eine lange Reihe von Schülern zurückblicken kann, wie es Gröschke formulierte: „Wir widmen uns der Bedeutung der Person in der Heilpädagogik am Beispiel von Wolfgang Köhn.“ Als Lehrer habe er unter vollem Einsatz seiner Person junge Menschen zu Heilpädagogen ausgebildet. „Uns alte Hasen hast Du inspiriert und angespornt“, unterstrich Prof. Gröschke.
Inspirierender Lehrer und charismatischer Charakter
Köhns Lehre beziehe sich nicht nur auf die fachliche und professionelle Ausbildung, sondern auch auf die Persönlichkeitsentwicklung der Studenten. Gröschke charakterisierte ihn als inspirierenden Lehrer mit charismatischem Charakter. Professor Dr. Alexander Trost aus Aachen blickte auf eine lange gemeinsame Zeit an der KFH in Köln zurück unter dem Motto „Reibung erzeugt Wärme“. „Als Kämpfer am Widerstand zu wachsen, in dialogische Auseinandersetzung zu gehen, war für mich eine neue Erfahrung.“
Unterwegs mit mir zu Dir – die heilpädagogische Beziehungsgestaltung
In seiner Abschiedsvorlesung „Unterwegs mit mir zu Dir…“ widmete sich Wolfgang Köhn den Schritten auf der Gratwanderung heilpädagogischer Beziehungsgestaltung. „Will ich, muss ich, kann ich denn jemanden mitnehmen auf meinen Weg als Heilpädagoge – oder bin ich nicht vielmehr verpflichtet, auf seinem, auf ihrem Weg der mir anvertrauten Kinder, Jugendlichen, Eltern, Menschen mit Behinderungen, alten Menschen mitzugehen?“, hieß die Fragestellung. Weiß der Pädagoge wirklich immer, wo der Weg langgeht? „Lehrende und Lernende, jeder nimmt sich selbst mit auf den Weg“, unterstrich Köhn. Jeder Mensch könne nur den eigenen Weg gehen. Und diese Gratwanderung, den eigenen Weg zu finden, erfordere Selbstentwicklung und –erkenntnis, „Mensch kann man nur werden, niemals sein“, erläuterte der Heilpädagoge. „Aber auch die Selbstentwicklung macht nicht perfekt“, warnte er vor dem „Fettnäpfchen der Selbsterhöhung“.
Annähern, Kämpfen, Aushalten und Begleiten - die heilpädagogische Begleitung
Ein Dasein im Sinne von Selbstentwicklung bedeute zunächst einmal, bei sich selbst zu sein und sich selbst zu achten mit den eigenen Licht- und Schattenseiten. Erst auf diese Weise könne man sich selbst treu sein, als Voraussetzung dafür, anderen Menschen treu sein zu können. Die Selbstentwicklung zu gegenwärtigem, angemessenem, verständnisvollem, unterstützendem Handeln in heilpädagogischer Begleitung setzt nach Köhn vier Schritte voraus: Annähern, Kämpfen, Aushalten und Begleiten.
„Das Leben gibt uns die Waffen in die Hand, um Lösungen zu finden. Nehmen sie sich Zeit für sich, damit Sie sich selbst unterwegs nicht aus den Augen verlieren“, machte Wolfgang Köhn Mut, sich auf die fordernde, aber auch lohnende Gratwanderung zu begeben.