Ein Stück Kontinuität: Studentisches Feldprojekt „Sozialpolitische Erwachsenenbildung für Wohnheimbeiräte und Kandidaten“ im zweiten Jahr erfolgreich."Wir vertreten uns selbst“, unter diesem Wahlspruch stand eine mehrwöchige Fortbildung für die gewählten Interessenvertreter von Wohnheimen behinderter Menschen.
Kursleiter waren Ingrid König und Frank Vestrick, die an der Münsteraner Abteilung der Katholischen Fachhochschule NW Sozialpädagogik studieren und sich seit drei Semestern mit diesem Thema beschäftigen. Gemeinsam mit ihnen erarbeiteten die Heimbeiräte in Rhetorik-Übungen, Rollenspielen und Diskussionen Möglichkeiten, sich für die Interessen ihrer behinderten Mitbewohner einzusetzen.
„Da geht es um vieles, was für uns selbstverständlich, in Behinderten-Wohnheimen aber noch längst nicht Alltag ist.“ erklärt Ingrid König. „So wurde in einem Wohnheim durchgesetzt, dass die Bewohner nicht mehr auf dem Flur telefonieren müssen, sondern sich dabei in einen separaten Raum zurückziehen können.“ Mehr Privatsphäre bedeutet auch ein Mehr an Menschenwürde.
Obwohl entsprechende Schulungen gesetzlich vorgeschrieben sind, existieren für Heimbeiräte neben dem Münsteraner Projekt bundesweit nur zwei weitere Anlaufstellen, um sich über ihr erweitertes Mitspracherecht zu informieren.
2002 hatten Studierende der KFH NW in Münster die erste Schulung dieser Art selbst entwickelt. Das Experiment verlief so erfolgreich, dass sich alle Beteiligten einig waren: Diese direkte Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden. Diesjähriges Novum: Die Heimbeiräte boten eine eigene Lehrveranstaltung an, in der sie ihre Aufgaben und ihre konkreten Erfolge einer größeren Zahl interessierter Studenten vorstellten. Dazu Dozent Thomas Hülshoff, der das Projekt begleitete:„Das ist ein Geben und Nehmen für beide Seiten und für die zukünftigen Sozialpädagogen eine gute Vorbereitung auf ihren Beruf.“ Das Geben und Nehmen, die Erfahrung, sich selbst zu vertreten und nicht fremdbestimmt zu werden, war sicherlich ein wichtiger Motivationsfaktor, 12 der 17 Teilnehmer kamen schon zum zweiten Mal zur Schulung.
Das Abschlussfest des Kurses feierten alle gemeinsam an der KFH: Die Heimbeiräte der Westfalenfleiß gGmbH aus Gremmendorf, Kinderhaus, Telgte und Wolbeck, Vertreter von KFH und Westfalenfleiß und nicht zuletzt die hoch zufriedenen Kursleiter. Gerda Fockenbrock, Geschäftsführerin der Westfalenfleiß gGmbH, unterstrich in ihrer Rede noch einmal die große Bedeutung der Arbeit der Heimbeiräte und wünschte dem Projekt Kontinuität. Die TeilnehmerInnen erhielten Lehrgangszertifikate und Erinnerungsbücher.
Anna Stern