Schon Tradition: Irisches Gastspiel an der KFH

Zum fünften Mal war eine Gruppe irischer Studierender von der Universität in Cork zu Gast an der Münsteraner KFH. Sie absolvieren einen neu eingerichteten Studiengang, den Bachelor in Sozialarbeit mit europäischer Orientierung.

"Welcome ladies and gentlemen to our seminar 'European Perspectives in Social Work'". Zugegeben, eine etwas ungewöhnliche Begrüßung in einem kleinen Seminarraum an der Katholischen Fachhochschule an der Piusallee. Doch der Münsteraner Dozent "George" Albers hatte sichtlich Spaß an der Gelegenheit, seiner Veranstaltung, die den Blick über den deutschen Tellerrand schon im Titel trägt, auch sprachlich ein internationales Flair zu geben. Und der triftige Grund dafür, an diesem Tag die ganze Veranstaltung auf Englisch abzuhalten, saß mit in der Runde: vier irische Studierende waren für eine Woche an der KFH zu Gast. Caroline Gould, David Foley, Moses Kasule und Eugene Browne absolvieren an der Universität in Cork einen neu eingerichteten Studiengang, den Bachelor in Sozialarbeit mit europäischer Orientierung. Zu dieser Ausbildung gehört ein Studienbesuch im Ausland dazu, den ihre Dozentin Cynthia Martin begleitete. Der Austausch mit Cork steht nach fünf Jahren auf sicheren Beinen. Dafür gesorgt und das umfangreiche Münsteraner Programm zusammengestellt hat - wie auch in den letzten Jahren - Magdalena Stemmer-Lück, die Auslandsbeauftragte der KFH in Münster.

Beispiele zum Mitnehmen

Die irischen Gäste nahmen an Seminaren teil und besuchten eine Reihe von Praxis-Institutionen in und um Münster, darunter den Psychiatrischen Dienst und die Kinderschutzambulanz in Münster, ein Asylantenheim in Albachten, das Jugendamt in Greven und das Begegnungszentrum in Kinderhaus. Dort vermittelten ihnen die Mitarbeiter neue Erfahrungen und Konzepte. "Sehr informativ und gut organisiert!", lobten die Gäste. Vor allem die Situation in Kinderhaus beeindruckte sie.Viele Nationalitäten leben hier auf engem Raum zusammen. Stoff für Konflikte, die die Sozialarbeiter im Begegnungszentrum immer wieder auf einfallsreiche Weise entschärfen. Zoff zwischen türkischen und russischen Jugendlichen? Eine Reise in die Türkei brachte den Russland-Deutschen die Kultur näher, der Anfang eines Dialogs war gemacht. "Das sind wichtige Beispiele, denn diese Probleme werden auch auf uns in Irland zu kommen.", so David Foley. Denn bisher galt Irland als klassisches Auswanderungsland, erst seit dem letzten Jahrzehnt muss auch der Inselstaat für die wachsenden Konflikte mit und zwischen Einwanderern Lösungen suchen.

Lebenserfahrung als Eintrittskarte

Im Laufe des Seminars von Georg Albers stellten die Iren den deutschen Studierenden ihre Arbeits- und Forschungsfelder vor. So beschäftigt sich Moses Kasule mit den unwürdigen Lebensbedingungen von minderjährigen Asylsuchenden in Irland, die deren Integration verhindern, Caroline Gould untersucht die Stellung der Frauen in der irischen Gesellschaft und beschrieb den im Vergleich zu Deutschland oder Skandinavien längeren und beschwerlicheren Weg zur Gleichberechtigung. Deutlich wird in der Runde: die Iren passen nicht ins Bild typischer Studierender. Sie sind älter und entsprechend erfahrener als ihre deutschen Kommilitonen. Das liegt bereits in den Voraussetzungen begründet, die für den neuen Studiengang in Cork gelten: Eingangsalter über 23 und Berufserfahrung im sozialen Feld. Gruppenarbeit ist ein Hauptbestandteil der Ausbildung. Und je mehr unterschiedliche Horizonte hier einfließen, umso ertragreicher für den Einzelnen. Das bestätigt auch Eugene Browne. Er war lange Jahre bei der Armee als Blauhelm-Soldat im Einsatz. Ihn haben seine Erlebnisse in Flüchtlingscamps im Südlibanon zur Sozialen Arbeit gebracht. Diese Lebenserfahrung betrachtet nicht nur er als wichtige Eintrittskarte für die professionelle

Soziale Arbeit.

Doch egal ob 20 oder 40 Jahre, das viele "team work" scheint sich auch auf die Zeiten außerhalb der Universität auszuwirken. "We party too much!", stellte David Foley lachend fest. Das hatte für zwei Münsteraner Studierende nur Vorteile. Denn nach einer langen Nacht im Pub waren Unterkunft und Praktikumsmöglichkeiten für ihren diesjährigen Besuch in Cork schon geklärt. Ob sich die EU-Bürokraten von dieser spontanen Organisationskunst nicht eine Scheibe abschneiden könnten?

Anna Stern

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