
„Wenn du nicht weißt, w i e du gelebt hast, dann hast du nicht gelebt!“ Mit dieser provokanten These hatte der Studiengang Heilpädagogik zum diesjährigen „Forum Heilpädagogik“ an die KFH eingeladen.
25.09.2007 - Etwa 60 Teilnehmer lernten verschiedene Methoden der Biografie- und Erinnerungsarbeit kennen, wie sie in der heilpädagogischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, alten und Menschen mit Behinderung eingesetzt werden können.
In ihrem Eingangsreferat ging Professorin Dr. Sabine Schäper auf die Möglichkeiten ein, die Biografiearbeit in heilpädagogischen Handlungsfeldern bieten kann. So könne durch Biografiearbeit, die „Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für das eigene Innere“ eingeübt werden. Demenzerkrankte könnten beispielsweise durch das Erinnern ihrer Vergangenheit ein Stück ihrer Identität und damit ihrer Zukunft wieder gewinnen. Im Blick auf Lebensgeschichten werde deutlich, dass Entwicklung keine stetig ansteigende Linie des Zugewinns an Erfahrung und Kompetenz, sondern durch vielfältige Brüche durchzogen sei. Der Blick zurück könne davor schützen, Menschen, die in ihre Geschichte auf vielfältige Weise verletzt worden seien, ein weiteres Mal zu verletzen. Dieses erfordere eine Haltung des Respekts vor der subjektiven Wahrheit des Betroffenen.
In vier Arbeitsgruppen kamen die Teilnehmer am Nachmittag noch intensiver ins Gespräch über die fachlichen Möglichkeiten einer gezielten Erinnerungsarbeit. Mareike Gerlach und Verena Burkert, Absolventinnen des Studiengangs an der KFH, führten in die Methode der „Persönlichen Zukunftsplanung“ ein. Diplom-Pädagogin Birgit Lattschar erklärte das Erstellen eines Lebensbuches, wie es vor allem für Kinder in Jugendhilfeeinrichtungen sowie Adoptiv- und Pflegekinder hilfreich sein kann, die in der Vergangenheit Beziehungsabbrüche erlebt, Bezugspersonen verloren haben und ihre Umgebung wechseln mussten. Das Lebensbuch als Methode stellte auch Karin Mohr, Diplom-Sozialpädagogin beim Eylarduswerk in Bad Bentheim, vor, um besser verstehen zu lernen „wie ich geworden bin, wer ich bin“. In der vierten Arbeitsgruppe ging Doris Tanklage, Diplom-Heilpädagogin und Supervisorin, auf die Biografiearbeit mit Pflegekindern ein, insbesondere die Auseinandersetzung mit dem oftmals „schwarzen Loch“ in der Erinnerung eines Kindes, weshalb es nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen kann.
Das Forum Heilpädagogik machte die Bandbreite der Möglichkeiten deutlich, Lebensgeschichten und Erinnerungen zum Ausgangspunkt der Beratung und Begleitung von Menschen in unterschiedlichen Kontexten zu machen. Und ebenso zum Ausgangspunkt für den Blick nach vorne. „Wenn du nicht weißt, wie du gelebt hast, dann hast du nicht gelebt! – und dann w i r s t du nicht leben!“, ergänzte Professorin Schäper das Motto am Ende des Tages.