Abschlussworkshop und Ergebnispräsentation des Projektes „Case Management bewegt“ in Münster

Hauptredner und Organisatoren des Kongresses (von links): Dr. F. W. Meyer (GEBIT), Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson , Prof. Dr. H. Mennemann (KFH NW), Prof. P. Löcherbach (KFH Mainz), Prof. Wolf Reiner Wendt, Prof. Dr. M. Macsenaere (IJK Mainz) und Prof. Dr. Th. Hermsen (KFH Mainz)
Abschlussworkshop und Ergebnispräsentation des Projektes „Case Management bewegt“ in Münster

117 namhafte Vertreterinnen und Vertreter von Forschung und Praxis der Jugendhilfe aus ganz Deutschland, trafen sich am Donnerstag den 17. April 2008 zum Abschlussworkshop des bundesweit einmaligen Projektes „Case Management bewegt“ im Stadtweinhaus der Hochschulstadt Münster.

17.04.2008 - Bei Fachvorträgen und in vier Workshops sowie einer abschließenden Podiumsdiskussion wurden die bemerkenswerten Ergebnisse des dreijährigen Projektes von Wissenschaftlern und Praktikern aus Jugendämtern diskutiert. Auch hat die Projektleitung das bisherige Fazit des Projektes der Öffentlichkeit sowie der Presse vorgestellt: Durch den Einsatz des „Computergestützten Case Managements“ in der Kinder- und Jugendhilfe“(CM4JU) haben die Kinder, Jugendlichen, ihre Familien aber auch die Fachkräfte in den Jugendämtern einen unmittelbaren Vorteil. Wichtige Hilfeleistungen der Jugendämter für die genannten Zielgruppen können wirkungsvoller und wirtschaftlicher erbracht werden. Der Einsatz eines Computergestützten Case Managements in der Kinder- und Jugendhilfe“(CM4JU) ist nach Meinung der Projektleitung empfehlenswert. Eine weitere Fachtagung zum Thema wird im Juni folgen und beim dt. Jugendhilfetag in Essen wird ebenfalls über CM4JU berichtet.

Unter „Case Management“ verstehen Fachleute ein Verfahren in der Kinder- und Jugendhilfe zur Ermittlung und Steuerung des aktuellen Versorgungsbedarfs von Klienten in der sozialen Arbeit, die mit vielschichtigen sozialen Problemlagen (z.B. Jugendkriminalität, Sucht, Gewalt in der Familie, Verschuldung etc.) konfrontiert sind. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt zu überprüfen, ob die Anwendung von Case Management Verfahren die Wirkungen im Bereich der Hilfen zur Erziehung verbessert und ob hierzu unterstützend der Einsatz eines computergestützten Dokumentationssystems sinnvoll ist. Das dreijährige Forschungsprojekt „Computergestütztes Case Management in der Kinder- und Jugendhilfe (CM4Ju)“ wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 500.000 Euro gefördert.

Auf der Münsteraner Fachtagung wurden die ersten Ergebnisse des Forschungsvorhabens vorgestellt und diskutiert. Für die Entwicklung der Software waren die Katholische Fachhochschule NW (KFHNW), Abteilung Münster und die GEBIT Münster (Gesellschaft für Beratung sozialer Innovation und Informationstechnologie MS) federführend zuständig. Die Katholische Fachhochschule Mainz (KFH Mainz) und das IKJ-Mainz (Institut für Kinder- und Jugendhilfe) haben anhand umfangreicher Datenerhebungen und Befragungen an Jugendämtern die Bedingungen einer effektiven Hilfeerbringung von Leistungen der Jugendhilfe untersucht. Interessant an dem Projekt ist die enge Zusammenarbeit von Forschung, Praxis und Lehre mit privatwirtschaftlichen Partnern wie der GEBIT Münster und dem IKJ Mainz auf dem Feld der sozialen Arbei

Ergebnisse der Evaluation

 

  • Insgesamt konnte eine hohe Gesamteffektivität, d.h. eine in hohem Maße gelingende Jugendhilfe in den acht beteiligten Jugendämtern (in NRW und Rheinland Pfalz)nachgewiesen werden. Dies ist ein Beleg für die hohe Kompetenz der Mitarbeiter in den Jugendämtern.
  • Die Ergebnisse belegen darüber hinaus, dass eine Orientierung am Verfahren „Case Management“ sowohl eine höhere Effektivität der Hilfen als auch einen höheren Grad an Zufriedenheit beim jungen Menschen, den Sorgeberechtigten und den Leistungserbringern bewirkt. „Case Management“ Strukturen verbessern also die Wirkungen der sozialen Arbeit.
  • Im Detail konnte nachgewiesen werden, dass die Arbeitsweise des „Case Managements“ besonders positive Effekte beim jungen Menschen bewirkt. Entwicklungsstörungen konnten im Hilfeverlauf signifikant erfolgreicher behoben werden. Bei den Familien und dem sozialen Umfeld waren die Effekte erwartungsgemäß geringer.
  • Auch die Arbeitsabläufe im Jugendamt wurden durch das System des „Case Management“ positiv beeinflusst. Es kam auf breiter Ebene zu quantitativ und qualitativ besseren Kooperationsbeziehungen und Austauschprozessen zwischen den Fachkräften sowie zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit. · Verbesserungspotenzial durch das „CM“ besteht unter anderem auf der Ebene der Kompetenz- und Entscheidungsstrukturen für Fachkräfte.
  • Das Projekt-Fazit der Forscher lautet: das CM bringt mehr Vertrauen in die Fachkompetenz bei gleichzeitiger verbesserter Dokumentation und Evaluation der eingesetzten Hilfen.
  • Das System des „Case Management“ ist in den meisten Jugendämtern noch ausbaufähig. Auf Grundlage der vorliegenden Untersuchungsergebnisse kann den Jugendämtern empfohlen werden, diesen Weg weiter zu verfolgen. CM wirkt sich nicht nur positiv auf die Effektivität, sondern auch positiv auf das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Hilfen (Effizienz) aus. Soziale Hilfen auf der Basis von „Case Management“ sind bei gleicher Intensität weniger kostenintensiv.

Ergebnisse zur Weiterentwicklung einer CM-orientierten Software im Bereich „Hilfen zur Erziehung“

  • Verbesserte Dokumentation und Evaluation von Hilfen macht Fachsoftware erforderlich, die die Arbeit der Case-Manager unterstützt. Eine Case-Management-Software hat dabei die Funktion der Unterstützung und Integration der alltäglichen Arbeitsprozesse. Sie stellt eine standardisierte und strukturierte Bearbeitung der Hilfen sicher.
  • Mit dem Produkt „GeDokCM4Ju“ (von GEBIT MS und KFHNW) ist als Ergebnis des Projektes zum ersten mal eine fachlich fundierte, auf Case Management basierende Software entstanden, die die Jugendämter in der Fallsteuerung und Leistungsabrechnung optimal unterstützt.

Fazit

Durch den Einsatz des „Computergestützten Case Managements in der Kinder- und Jugendhilfe“(CM4JU) haben die Kinder, Jugendlichen, ihre Familien und auch die Fachkräfte in den Jugendämtern einen unmittelbaren Vorteil. Wichtige Hilfeleistungen der Jugendämter für die genannten Zielgruppen werden wirkungsvoller und wirtschaftlicher erbracht. Je mehr CM-relevante Strukturen und Arbeitsabläufe sowie entsprechende Software in den Jugendämtern eingesetzt wird, desto höhere Wirkungen in der sozialen Hilfe können bei den jungen Menschen und tendenziell auch bei deren Sorgeberechtigten erreicht werden.

Prof. Dr. Hugo Mennemann fasste seinerseits die Diskussion mit den Worten zusammen: "Der Zwiespalt war, ob es eine gute oder eine preiswerte Jugendarbeit geben solle. Und mit dem System des Case Managements lässt sich eine gute Arbeit in den Jugendämtern machen, die zudem noch schonend mit den knappen Ressourcen der öffentlichen Händen umgeht. Außerdem bietet das System den Ämtern die Möglichkeit die einzelnen Fälle und Hilfen besser aufeinander abzustimmen. Die Jugendamt-Mitarbeiter wissen immer wer was gerade macht und es kann vom System her keine so schlimmen Ausrutscher, wie in der Vergangenheit leider hier und da passiert sind, geben."

 

 

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