Handlungssystem, Profession, Wissenschaft
Die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit mit und für Kinder, Jugendliche, Familien, Kranke, Arme, Menschen mit Behinderung und anders benachteiligte oder diskriminierte Menschen haben ein gemeinsames Ziel: Die Sorge der Sozialen Arbeit um die gleiche Würde, um die Freiheit, das Selbstbestimmungsrecht und um die soziale Gerechtigkeit im Gemeinwesen, damit verfassungsrechtlich anerkannte Freiheitsräume auch tatsächlich gestaltet und ausgefüllt werden können.
Armut, Ausgrenzung, mangelnde Integration, Arbeitslosigkeit, familiäre Problemlagen, Verwerfungen im Erziehungsprozess oder auch Bildungsdefizite gefährden diese Handlungsfreiheit und die Willensfreiheit des Menschen, äußerlich wie innerlich, individuell wie sozial. Das Handlungssystem der Sozialen Arbeit gibt Antworten auf diese Gefährdungen, entwickelt und realisiert Fortschritte und Lösungen: Sie rückt die Person und ihre Handlungsräume ins Zentrum.
Letztes Ziel der Sozialen Arbeit ist die Realisierung sozialer Gerechtigkeit im Sinne der Chancen- und Partizipationsgerechtigkeit für ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben.
Bachelor-Abschluss
Ein europaweiter Studienreformprozess hat zur Einführung von Bachelor und Master-Studiengängen geführt. Der Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit“ an der KatHO NRW geht aus der Evaluation und Weiterentwicklung des vorherigen Diplomstudiengangs „Soziale Arbeit“ hervor. Früher als bisher erreichen Studierende des Bachelorstudiengangs nach sechs Semestern ihren berufsqualifizierenden Hochschulabschluss und treten schneller in den Beruf ein. Mit dem erfolgreichen Abschluss erhalten die Sozialarbeiter/innen und Sozialpädagogen/innen die staatliche Anerkennung.
Kompetenzorientierung
Die spezifische Kompetenz, auf eigene Urteilskraft zurückgreifen zu können, benötigt parallel zur theoretisch-wissenschaftlich fundierten Bildung im Studium die Praxis, durch die der Erfahrungsbezug im Lehr-/Lern-Prozess wachsen kann. Erfahrung und Persönlichkeit des Handelnden sind grundlegende Bedingung für den Erfolg Sozialer Arbeit. Die Soziale Arbeit untersucht und bearbeitet wissenschaftlich, was in der Praxis geschieht, wie dort gehandelt wird und wie dort gehandelt werden sollte und könnte. Wissenschaftliches Wissen ist Reflexionsmedium der Profession. Die Praxis der Profession ist der Bewährungsfall. Referenzpunkt der Wissenschaft ist die Wahrheit, Referenzpunkt der Profession ist die Wirksamkeit.
Die Kompetenzen zur Ausübung der Profession Soziale Arbeit lassen sich analytisch unterscheiden in den Dimensionen des Wissens, des Könnens, der Haltung.
Soziale Arbeit bedarf einer besonderen Urteilskraft, erworbene Erkenntnisse praktisch angemessen und erfolgreich einzusetzen. Diese Urteilskraft gilt es auf den Ebenen von Wissen, Können und Haltung auszubilden. Diese (im Studium zu erwerbenden) Kompetenzen beziehen sich auf drei Perspektiven: Klienten, Organisationen, Gemeinwesen.
Als Ertrag des Studiums haben die Absolventen/innen fachliche und persönliche Kompetenzen erworben. Sie können:
Das Studium der Sozialen Arbeit an der KatHO NRW ist so angelegt, dass Schlüsselkompetenzen erworben und vertieft werden, wie beispielsweise
Inhaltsbereiche des Studiums der Sozialen Arbeit
Welche sind nun die kompetenzorientierten Inhaltsbereiche des Studiengangs? Zwei Bereiche betreffen als Querschnittsaufgabe alle Inhaltsbereiche und werden entsprechend berücksichtigt:
Die Inhaltsbereiche des Studiums der Sozialen Arbeit lassen sich in fünf thematische Zentren gliedern:
zu 1. Wissenschaftliches Denken und Arbeiten:
Auf unterschiedlich frühe und spätere Studienphasen verteilt widmet sich der erste Inhaltsbereich zu Beginn den Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und Denkens.
Im ersten Studienprojekt (in Modul 2) stehen dann der Theorie-Praxis-Bezug und ein von der Hochschule begleiteter Praxiseinsatz im Mittelpunkt. Schließlich geht es um die Vertiefung theorie- und forschungsbezogener Bearbeitung von Themen und Studienschwerpunkten. Die Bachelor-Thesis und das Angebot zur wissenschaftlichen und professionsbezogenen Begleitung der Berufseinstiegsphase beschließen den Inhaltsbereich.
zu 2. Soziale Arbeit als Wissenschaft und Profession:
Schwerpunkt dieses Inhaltsbereiches ist die Soziale Arbeit als Wissenschaft und Profession. Nach der Einführungsphase eröffnet dieser Inhaltsbereich historische und systematische Zugänge zur Wissenschaft Sozialer Arbeit, erschließt Grundlagen konzeptionellen Handelns sowie Konzepte professioneller Intervention und Organisation und schließlich Theorien Sozialer Arbeit; hier ist auch die Auseinandersetzung mit den berufsethischen Standards verankert. Hier erwerben Studierende u. a. die Kompetenz, soziale Kohäsion sichern bzw. schaffen zu können, effektiv an individuellen Ressourcen der Klienten orientiert arbeiten zu können, Soziale Dienste organisieren und managen sowie ihr professionelles Handeln reflektieren und weiter entwickeln zu können.
zu 3. Gesellschaftliche und normative Grundlagen und Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit:
Dieser Inhaltsbereich widmet sich den notwendigen Rechtskenntnissen und der Fähigkeit, in entsprechenden Verfahren zielführend zu handeln, also beispielsweise für Interessenwahrnehmung und -ausgleich zu sorgen. Zentrale Faktoren politischer und sozialökonomischer Entscheidungen und ihre Folgen für die Klienten sollen erkannt und in die eigene Arbeit integriert werden können, Wege zur politischen Partizipation auch der Klienten eröffnet werden. Dazu zählen nicht zuletzt auch Begriffe und Aspekte ethischer Argumentation und die Entwicklung eines ethisch fundierten Selbstverständnis professioneller Sozialer Arbeit.
zu 4. Grundlagen menschlicher Existenz und Entwicklung
Hier werden Grundlagen der menschlichen Existenz und ihrer Entwicklung, Einheit wie Verschiedenheit des Menschen aus Sicht der Philosophie und der Theologie, der (Sozial-) Pädagogik, Psychologie, Sozialmedizin und der Kulturpädagogik thematisiert und zwar vor dem schon genannten Hintergrund der prinzipiellen Gefährdetheit des Gelingens menschlichen Lebens und seiner sozialen Organisationsformen.
zu 5. Handlungsfelder: Lebensalter, Lebenslagen, Lebensformen, Sozialräume
Die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit sind Wahl-Pflichtbereich. Hier geht es darum, Strategien der Hilfestellungen entwickeln und fallorientiert umsetzen zu können, auch einen Beitrag zur handlungsbezogenen Theorieentwicklung der Disziplin leisten zu können und die Praxiserfahrungen zu reflektieren.
Praxis- und Anwendungsorientierung im Studium
Unverzichtbar sind Übung, (Selbst-)Erfahrung und Anwendung erworbener Handlungskompetenz schon im Studium der Sozialen Arbeit. Praxisbezogene Projektphasen in konkreten Tätigkeitsfeldern und die Begleitung dieser Praxiseinsätze durch die Hochschule sind an der KatHO NRW seit jeher Kernbestand des wissenschaftlichen und anwendungsorientierten Studiums künftiger Fachkräfte.
Die Rückmeldungen der Absolventen/innen und der Entscheidungsträger/innen in der Praxis der Sozialen Arbeit zeigen die Bedeutung unserer Praxisphasen-Regelungen, auch die Evaluation durch externe Gutachter/innen bestätigt, dass Anwendungsorientierung und innovatorischer Charakter der spezifischen Handlungskompetenz weiterhin bereits im Studium angewandt werden soll.
Deshalb sind in das Studium integriert zwei Projektphasen
Das Studienprojekt 1 umfasst die Vorbereitung, Begleitung und Auswertung einer Projektarbeit Ausgehend von einer aktuell relevanten Frage-/Themenstellung zur Theorie und Praxis Sozialer Arbeit entwickeln die Studierenden forschend einen konkreten Projektauftrag und ein Ziel, Projektarbeitspläne und –methoden, Prüfkriterien und Evaluationsverfahren und planen die Beratung der Projektarbeitsgruppen. Schließlich dokumentieren und präsentieren sie die Ergebnisse dieses Studienprojektes 1.
Das Studienprojekt 2 umfasst die Theorie- und Projektbegleitung des Praxisprojektes, Supervision und das Praxisprojekt. Das Praxisprojekt kann im Ausland stattfinden. In dieser Praxisphase werden grundlegende Kompetenzen zum präventiven und intervenierenden Handeln exemplarisch erweitert sowie professionelle soziale Kompetenz in interkulturellen Handlungsfeldern erworben.
Dipl. Soz.Arb. Gisela Keil
Dipl. Soz.Päd. Franz-Peter Eicke
Dipl. Soz.Arb. Ingrid Sitzenstuhl