Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Forscher berechnen Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung (21.02.2014, Münster)

Die Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung nähert sich zunehmend derjenigen der Gesamtbevölkerung an. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Münster. Sie haben in der Studie „Alter erleben“ gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Tübingen und des Kommunalverbandes Jugend & Soziales Baden-Württemberg die durchschnittliche Lebenserwartung und die altersbezogenen Überlebenswahrscheinlichkeiten von Menschen mit geistiger Behinderung aus Westfalen-Lippe und Baden-Württemberg untersucht.

„Die mittlere Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung ist zwar immer noch geringer als bei der Gesamtbevölkerung“, erklärt Projektleiter Professor Dr. Friedrich Dieckmann, „aber das liegt auch an Teilgruppen in den Stichproben, die bekanntermaßen eine immer noch sehr geringe durchschnittliche Lebenserwartung haben, wie zum Beispiel Menschen mit Down-Syndrom.“

Über spezifische altersbezogene Überlebens- bzw. Sterbewahrscheinlichkeiten zu verfügen, sei wichtig, um die zukünftige Anzahl und Altersstruktur von Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland verlässlich vorauszusagen, so der Münsteraner Wissenschaftler.

„Für die zwei Stichproben wurden personenbezogene Daten für die Jahre 2007 bis 2010 analysiert“, erläutert Diplompsychologe Christos Giovis, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter die Studie betreut hat. „Die erste Stichprobe besteht aus allen erwachsenen Empfängern von Eingliederungshilfe, die in stationären Einrichtungen in Westfalen-Lippe leben. Das sind pro Jahr rund 13.500 Personen.“ Die zweite Stichprobe setzte sich aus etwa 11.000 erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung zusammen, die stationär, ambulant unterstützt oder ohne professionelle Unterstützung (zum Beispiel in ihrer Herkunftsfamilie) in Baden-Württemberg wohnen. Für jede Stichprobe wurden die sogenannten Sterbetafeln mit den altersbezogenen Überlebenswahrscheinlichkeiten für Frauen und Männer mit geistiger Behinderung entwickelt. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Stichprobe haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse mit Hilfe einer exponentiellen Regressionsanalyse verlässlich geschätzt, ein für diese Zwecke neues Verfahren.

Die mittlere Lebenserwartung von Männern mit geistiger Behinderung in Westfalen-Lippe beträgt 70,93 Jahre und in der Stichprobe aus Baden-Württemberg 65,27 Jahre, während die Männer der Gesamtbevölkerung in den Jahren 2007 bis 2009 auf eine mittlere Lebenserwartung von 77,33 Jahren kommen. Frauen mit geistiger Behinderung erreichen eine Lebenserwartung von 72,84 Jahren in Westfalen-Lippe und 69,90 Jahre in der Stichprobe aus Baden-Württemberg bei einer Lebenserwartung von 82,53 Jahren von Frauen der Gesamtbevölkerung.

Quelle: Dieckmann, F. & Metzler, H. (2013). Alter erleben – Lebensqualität und Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung im Alter. Stuttgart: Kommunalverband Jugend und Soziales Baden-Württemberg


Weitere Informationen: Prof. Dr. Friedrich Dieckmann: f.dieckmann(at)katho-nrw.de

Redaktion: Julia Harzendorf, presse(at)katho-nrw.de

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