Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

INTE-GER: Integrierte Versorgungsmodelle für geriatrisch zu versorgende Menschen

Hintergrund
Reformen im Gesundheitssystem und demographische Alterung der Gesellschaft sind Rahmenbedingungen, die Einfluss nehmen auf medizinische Versorgungsstrukturen. Gegenwärtig ist die Vernetzung und Kooperation zwischen den beteiligten Akteuren der medizinischen Versorgung unzureichend und verhindert die Arbeit an und mit PatientInnen auf der Basis gemeinsamer Wissens- und Entscheidungsgrundlagen (z. B. interdisziplinär zugänglicher PatientInnenprofile). Der steigende Anteil alter und hochbetagter Menschen, die zunehmend weniger auf stabile und tragfähige familiale und nachbarschaftliche Netzwerke zurückgreifen können, stellt veränderte Anforderungen an gesundheitliche Versorgungssysteme, speziell im geriatrischen Bereich. Somit ergeben sich zwei forschungstechnische Ziele:

1.  Analyse der Strukturbedingungen und organisatorischer Voraussetzungen zur Realisierung integrierter Versorgungsmodelle.

2.    Analyse der Anforderungen an eine medizinische und soziale Versorgung älterer und alter Menschen im ambulanten Bereich.

Methoden
Dokumentenanalysen auf der Basis quantitativer Inhaltsanalysen:
·   PatientInnenakten der Akut-Geriatrie, Geriatrischen Rehabilitation und Inneren Abteilung  
    (n=100)
·   IV-Verträge mit geriatrischem Bezug der AOK Rheinland / Hamburg (n=8)
    Befragung von PatientInnen auf der Basis leitfadengestützter Interviews (Geriatrie: n=50,
    Innere Abteilung: n=50)
·   In die Untersuchung einbezogen werden Menschen, die 65 Jahre und älter sind,  
    mindestens an vier behandlungsbedürftigen Erkrankungen leiden und nicht von einer
    mittel bis schweren Demenz betroffen sind.

Befragung von AkteurInnen der Versorgung von geriatrischen PatientInnen auf der Basis eines vollstandardisierten Fragebogens (ÄrztInnen: n=52, Pflegekräfte: n=46; Psychosoziale: n=24; Angehörige: n=43)
Ehrenamtliche (n=14).

Ergebnisse
Auf der Grundlage der Daten der PatientInnenbefragung wird auf der Basis einer hierarchischen Clusteranalyse eine PatientInnen-Typologie entwickelt. Die PatientInnentypologie dient dazu unterschiedliche PatientInnengruppen zu identifizieren, die sich hinsichtlich ihrer Versorgungsbedarfe und –bedürfnisse differenzieren. Bezug nehmend auf die entwickelte Typologie werden passgenaue integrierte Versorgungsmodelle unter Berücksichtigung medizinischer, pflegerischer und psychosozialer Aspekte entwickelt. Die hinter diesem Projektschritt stehende Grundannahme geht von der Differenziertheit der zu versorgenden PatientInnen aus, die zur Bewältigung der Anforderungen im häuslichen Umfeld unterschiedlich strukturierte Hilfs- und Unterstützungssysteme benötigen. Folgende vier PatientInnentypen können gegeneinander abgegrenzt werden:

§         Typ_1: Hilfe bedürftig – Modern – Extrovertiert (n=26)

§         Typ_2: Ambivalent – Unselbstständig – Hilfe ablehnend – Familienorientiert (n=28)

§         Typ_3: Weiblich – Emotional außerfamilial vernetzt – Funktional traditionell orientiert (n=27)

§         Typ_4: Männlich – Funktional – Versorgungsorientiert (n=19).

Die Akteursbefragung liefert Erkenntnisse zu den Aspekten ‚Versorgungsnetzwerke’, Versorgungsbedürfnisse’ und ‚Schnittstellenmanagement’ unter struktureller und prozessualer Perspektive. In Bezug auf die Versorgungsnetzwerke zeigt sich, dass Angehörigen eine zentrale Funktion im prozessualen Ablauf der Versorgung zugeordnet wird. Allerdings sind sie strukturell nur unzureichend im Versorgungssystem etabliert. Die Analyse des Schnittstellenmanagements identifiziert auf Prozess- und Strukturebene Faktoren, die zu Versorgungsdefiziten führen (können).

Projektleitung
Prof. Dr. Liane Schirra-Weirich
Zur Hompage der Dozentin

Mitarbeiter/innen
Dipl. Soz. Päd. Torsten Nyhsen, Betriebswirt (VWA)
Dipl. Soz. Arb. Petra Esser
Dipl. Soz. Arb. Sabine Wiese

Art des Projektes
Forschungsprojekt

Finanzierung
Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung  und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Programms „Transferorientierte Forschung an Fachhochschulen in NRW-TRAFO“

Kooperationspartner
Medizinisches Zentrum Kreis Aachen gGmbH; Klinik für Geriatrie;
Chefarzt Dr. med. Rudolf Harlacher; Würselen
Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, Düsseldorf
AOK Rheinland - Die Gesundheitskasse, Düsseldorf

Laufzeit
01.09.2005-31.08.2007

Publikation
Buchveröffentlichung in Vorbereitung

 

 

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014