Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

DemenzNetz Aachen: Evaluation der Versorgungsstrukturen für Menschen mit Demenzerkrankungen und ihre Angehörigen

Projekttitel
DemenzNetz Aachen – Förderung von Frühdiagnostik und häuslicher Versorgung.
Evaluation der Versorgungsstrukturen für Menschen mit Demenzerkrankungen und ihrer Angehörigen

Hintergrund
Das DemenzNetz Aachen bietet für die Versorgung von Demenzerkrankten und ihren Angehörigen ein sektorübergreifendes Versorgungsnetz an. Konstitutive Bestandteile dieses integrierten Versorgungssystems sind die enge Zusammenarbeit von Hausarzt und Gerontopsychiatrischem Zentrum des Alexianerkrankenhauses und die Etablierung eines umfassenden Unterstützungsnetzwerkes, das medizinische, pflegerische und psychosoziale Leistungen umfasst. Die Versorgung der Erkrankten und ihrer Angehörigen wird im Rahmen eines Case Managements koordiniert. Die Vernetzung von hausärztlicher Versorgung und Fachklinik soll einen niederschwelligen Zugang zur Frühdiagnostik gewährleisten. Das unterstützende Betreuungs- und Versorgungsnetzwerk dient der Entlastung der versorgenden Angehörigen und der Vermeidung von Hospitalisierung und Heimeinweisung. Die Evaluation überprüft auf Struktur-, Prozess- und Ergebnisebene. Sie analysiert das Zuweisungsverhalten der Hausärzte und die Auswirkungen des Case-Managements auf die Belastung der Angehörigen, die Lebensqualität und Versorgungssituation der Betroffenen und die resultierende Versorgungskontinuität. Auf der Grundlage der Evaluationsergebnisse werden die Netzwerkstrukturen weiter entwickelt und passgenaue Versorgungskonzepte entwickelt.

Methoden
Dokumentenanalyse auf der Basis quantitativer Inhaltsanalysen

  • Anonymisierte Basisdokumentationen der Gerontopsychiatrischen Beratungsstelle (n=150)
  • Strukturdaten des GPZ zur Analyse funktionaler und technischer Qualitätsaspekte


Hausärztebefragung mittels standardisiertem Fragebogen (n=100)
Angehörigenbefragung als Längsschnittstudie (n=60)

  • 1. Welle: Leitfadengestützte Interviews
  • 2. und 3. Welle: Halbstandardisiertes Telefoninterview

Kontrollgruppenbefragung (Versorgende Angehörige ohne Case Management, n=60) mittels vollstandardisiertem Fragebogen

Ergebnisse
Die Akteursgruppen der Angehörigen und der Hausärzt/-innen sind zentrale Ansprechpartner/-innen, deren strukturelle Einbindung in ein Versorgungsnetzwerk erforderlich ist. Dabei sind folgende zentralen Ergebnisse der Studie zu berücksichtigen:

  • Hausärzt/-innen übernehmen in der Versorgung von Demenzpatient/-innen anteilig Versorgungsleistungen, die nicht ursächlich dem Berufsfeld der Medizin zugeordnet sind.
  • Die Übernahme zusätzlicher Versorgungsleistungen beschränkt sich weitgehend auf patient/-innenbezogene Aspekte, ferner findet kein umfassender Einbezug der individuellen Angehörigenperspektive statt, so dass die für die Demenzversorgung notwendige Stabilisierung des familiären Umfeldes – zumindest in Teilen der hausärztlichen Versorgung - unberücksichtigt bleibt
  • Die praktizierten hausärztlichen Versorgungskonzepte verdeutlichen in einer Reihe von Fällen eine erhebliche Differenz zwischen einer leitliniengestützten Versorgung Demenzerkrankter und der hausärztlichen Versorgungsrealität, die sich – einem nicht zu vernachlässigenden Umfang - in einer Nicht-Passung zwischen Soll-Vorgehen (DEGAM) und Ist-Verfahren (gelebte Realität) darstellt.
  • Angehörige sind mit einer komplexen Versorgungsverantwortung konfrontiert, die zu Überlastungssituationen und in Folge zu dekompensierten Versorgungslagen führen. Unabhängig davon, ob die Versorgung Generationen intern oder Generationen übergreifend organisiert wird, besteht die Gefahr der Überlastung der versorgenden Personen. Dies resultiert aus der Vielseitigkeit sowie der Brisanz der Versorgungsaufgaben (Überwachung der Medikamenteneinnahme) und dem Fehlen erforderlicher Regenerationsmöglichkeiten für die Versorgenden.
  • Die Angehörigen werden als zentrale Akteure in der Versorgung auch zu Adressat/-innen. Hieraus resultiert die Auflösung der klassischen Situation: Der Patient tritt aus seiner Singularität in der Versorgungssituation heraus und es entsteht die neue Dimension des ‚Patient-Angehörigen-Tandems‘. Das ‚PatientIn-Angehörigen-Tandem‘ wird zum Bezugspunkt medizinisch, pflegerischer und psycho-sozialer Versorgung. Dies bedingt eine Neuorganisation von Kommunikations- und Entscheidungsprozessen. Dem Angehörigen kommt die Rolle des Stabilisators im ‚PatientIn-Angehörigen-Tandem‘ zu.

Projektleitung KatHO
Prof. Dr. phil. Liane Schirra-Weirich

Projekttyp
Verbundprojekt

Verbundpartner
Alexianer Aachen GmbH, Gerontopsychiatrisches Zentrum,
Dr. med. Andreas Theilig, Aachen;
Arbeitsgemeinschaft Aachener Hausärzte (AGAH), Dr. Wilfried Duisberg, Aachen

Mitarbeit
Dipl.-Soz.-Päd. Claudia Kingler,
Dipl.-Soz.-Päd. Martin Rombach

Art des Projektes
Forschung und Entwicklung

Finanzierung
Drittmittel

Drittmittelgeber
Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen der Förderlinie ‚Leuchtturmprojekt Demenz‘

Laufzeit
04.2008 - 02.2010

Publikationen
DemenzNetz Aachen Förderung von Frühdiagnostik und häuslicher Versorgung:
Evaluation von Versorgungsstrukturen im Rahmen des „Leuchtturmprojekt Demenz“. Bericht über die HausärztInnen-Befragung.

 

 

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014