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Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Netzwerkforschung in der Sozialen Arbeit

Hilfesysteme haben sich im Zuge gesellschaftlicher Wandlungsprozesse (Individualisierung, Pluralisierungen von Mustern der Lebensführung etc.) in den vergangenen Jahren immer mehr ausdifferenziert, so dass im Bedarfsfall unterschiedliche Leistungen zusammengeführt werden müssen, damit passgenaue Hilfe geleistet werden kann. Im Forschungsschwerpunkt „Netzwerkforschung in der Sozialen Arbeit“ nehmen die WissenschaftlerInnen daher vor allem die fachliche Weiterentwicklung der Netzwerkarbeit in der Sozialen Arbeit und der Heilpädagogik in den Blick. Sie untersuchen, wie Netzwerkarbeit als Möglichkeit genutzt werden kann, um Leistungen der Sozialen Arbeit anschlussfähig an die Biographien der Adressaten zu gestalten. Dabei wird der Fokus der Netzwerkarbeit nicht nur auf den Einzelfall gerichtet, sondern auch auf die Ebenen der Organisationen sowie des Gemeinwesens.

Die Ziele des Forschungsschwerpunktes sind im Einzelnen:
 
1.    Fachliche Weiterentwicklungen im Kontext der Netzwerkarbeit in der Sozialen Arbeit und Heilpädagogik

  • Neue Modelle des vernetzten (interdisziplinären) Arbeitens als Gegenbewegung zur Versäulung der Hilfesysteme
  • Netzwerkarbeit als methodische Grundlage zur Realisierung von anerkannten Konzepten wie z.B. das der Lebensweltorientierung und der damit eng verbunden Sozialraumorientierung
  • Etablierung neuer Methoden, die sich u.a. durch Netzwerkarbeit begründen, wie das Case Management

2.    Netzwerkarbeit zur Effektivierung und Effizienzsteigerung von Leistungen der Sozialen Arbeit

  • Effektivere und effizientere Ausnutzung vorhandener Ressourcen durch Netzwerkarbeit als ein Merkmal qualitativer Arbeit in sozial- und heilpädagogischen Arbeitsprozessen (als Reaktion auf den Legitimationsdruck für Leistungen der Sozialen Arbeit und Heilpädagogik und der Frage nach ihren Wirkungen)
  •  Kritische Betrachtung des Spannungsfeldes von Ökonomisierung und Fachlichkeit im Kontext der Netzwerkarbeit
  • Analyse und Qualifizierung von Prozessstrukturen und institutionellen wie trägerübergreifenden Kooperationserfordernissen mit Blick auf Strukturen, Konzepte und Personen/fachliche Kompetenzen

3.    Netzwerkarbeit als Reaktion auf gesetzliche Vorgaben

  • Interdisziplinäre Netzwerkarbeit als Folge sozialpolitischer Entwicklungen, die zunehmend integrierte Angebote einfordern (z.B. im Bereich des SGB II, SGB III, SGB V, SGB VIII, SGB IX, SGB XI, SGB XII sowie der Landesschulgesetze)
  • Teilhabe als Leitidee u.a. in der UN-Konvention der Rechte von Menschen mit Behinderungen

Folgende Themen werden über Forschungsaktivitäten abgedeckt und gelten als zukünftige Innovationsbereiche des Forschungsschwerpunktes:

  • Case Management (Analyse und Entwicklung von Verfahren zur Etablierung des Konzeptes in unterschiedlichen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit und Heilpädagogik)
  • Sozialpädagogische Diagnostik/Fallverstehen (Analyse und Entwicklung von Prozessen fachlicher Beurteilung und (inter-)organisationaler Anforderungen / Qualifizierung der Praxis)
  • Netzwerkmanagement (Entwicklung von Verfahrensstandards des Netzwerkmanagements auf der Organisationsebene)
  • Interinstitutionelle Netzwerkarbeit in Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitswesens, des Pflegewesens sowie im Bereich der integrierten Versorgung
  • individuelle und kommunale/regionale Teilhabeplanung im Handlungsfeld der Behindertenhilfe

Die Ergebnisse der Forschungsaktivitäten dienen der theoretischen Fundierung sowie der weiteren Qualifizierung des konzeptionellen und methodischen Arbeitens im Kontext der Netzwerkarbeit sowohl innerhalb ausgewählter Handlungsfelder der Sozialen Arbeit als auch darüber hinaus dem interdisziplinären Dialog. Die Projekte des Forschungsteams zeichnen sich durch eine enge Kooperation mit anerkannten Praxispartnern aus (siehe Forschungsprojekte). Der Forschungsschwerpunkt ist zudem eng verbunden mit den forschungsorientierten Masterstudiengängen an der KatHO NRW, „Netzwerkmanagement in der Sozialen Arbeit“ und „Teilhabeorientierte Netzwerke in der Heilpädagogik“ und dient somit auch der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014