Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Bindungsorientierung in der Sozialen Arbeit

Tagungsband

Ankündigung Tagungsband

Alexander Trost (Hrsg.) (2014): Bindungsorientierung in der Sozialen Arbeit. Grundlagen - Forschungsergebnisse - Anwendungsbereiche. Verlag modernes lernen, Dortmund

Mit Beiträgen der ReferentInnen der Fachtagung am 11. und 12.01.2013.

Erscheinungstermin: April 2014

Weitere Informationen zum Tagungsband und einen Bestellzettel erhalten Sie im Downloadbereich.

Begrüßungsworte                                                 Prof. Dr. Alexander Trost

Mit Freude über so viel Interesse an unserer Fachtagung, der ersten zu dem Thema im deutschsprachigen Raum begrüße ich Sie ganz herzlich.

Schon jetzt möchte ich meinen besonderen Dank an die ReferentInnen und die vielen HelferInnen richten: aus dem Kreis der Verwaltung, der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und nicht zuletzt vieler Studierender.

Viele sind aus regionalen Einrichtungen der Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Beratung und Therapie, gekommen, etliche aber auch von weit her, aus der ganzen Republik.

Das große Interesse zeigt: Bindungsorientierung ist ein relevantes Thema in unseren Arbeitsfeldern, und das kommt nicht von ungefähr:

Die Bindungstheorie gilt heute als die am besten fundierte menschliche Entwicklungstheorie. Für den Erwerb von Urvertrauen in die Welt und in die Menschen, für die Entfaltung jeglicher Kompetenzen und den Erwerb von Resilienz wurde die sichere Bindung zu einer primären Bezugsperson als wichtigste Ressource erkannt. Sicher gebundene Kinder haben es bereits im Kita-und Schulalter sowohl in Bezug auf die sozio-emotionale und kognitive Kompetenz, wie auch auf die Selbst- und Persönlichkeitsentwicklung gegenüber den unsicher gebundenen wesentlich leichter.

Die Klientel der Klinischen Sozialen Arbeit deckt sich allerdings weitgehend mit der Gruppe der bindungsgestört-desorganisiert gebundenen Menschen. Von Kindheit an leben sie mit einem erhöhten Risiko des Scheiterns. So finden wir beispielsweise in der stationären Jugendhilfe kaum sicher gebundene Kinder- und Jugendliche. Viele wurden früh und chronisch traumatisiert. Auch in der Psychiatrie, der Suchthilfe, der Arbeit mit Flüchtlingen, Obdachlosen und straffällig gewordenen Menschen finden sich große Anteile hochunsicher gebundener Menschen.

Gleichwohl hat die Soziale Arbeit das Bindungswissen noch nicht für sich entdeckt. Weder bei der psychosozialen Diagnostik noch in der Alltagspraxis finden sich explizit auf bindungstheoretische Erkenntnisse gestützte Konzepte. Allerdings handeln SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen häufig intuitiv bindungsorientiert.

Mit dieser Fachtagung will die KatHO Aachen einen Anfang machen und Soziale Arbeit, insbesondere die Klinische Sozialarbeit durch das Prisma der Bindungstheorie betrachten, und umgekehrt:

·     Welche neuen Zugänge eröffnet Bindungswissen in der sozialen Arbeit?

·     Welche Konsequenzen für professionelles Handeln ergeben sich daraus?

·     Wer arbeitet schon bindungsorientiert in der Sozialen Arbeit und wie?

·     Welche Forschungsprojekte gibt es zu der Thematik und wie muss weiter geforscht werden?

· Welche sozialpolitischen & ethischen Konsequenzen erwachsen aus den bindungsrelevanten Erkenntnissen in der Sozialen Arbeit?

·   Und was kann die Bindungstheorie von der Sozialen Arbeit lernen, wie kann beides heilsam im Sinne der KlientInnen verknüpft werden?

Wir wollen uns sieben  Dimensionen der Bindungsorientierung widmen:

1. Bindungswissen: Theorie und Forschungsstand. Dazu gehören: primäre Bindungsbeziehung übt einen lebenslangen Einfluss auf die eigene Gestaltung der Beziehungs- und allgemeinen Lebenswelt aus, die Bindungsentwicklung strukturiert die Hirnentwicklung, das Prinzip der sensiblen Perioden, Entwicklungsfenster, die Bedeutung des Bindungshormons Oxytocin für die Gestaltung von Beziehungen, das Regulationskonzept der modernen Bindungstherapie (A. Schore)    =>   K.H. Brisch wird uns hier Grundlagen liefern, später werden Forschungsprojekte z.B. zur Bindungsrepräsentation von Studis und Profis unserer Arbeitsfelder, zur emotionalen Kompetenz Studierender (P. Krapmann)  etc. vorgestellt

2. Arbeitsbeziehung: Wie muss eine Arbeitsbeziehung beschaffen sein, die Bindungserkenntnisse berücksichtigt und nutzt? Was funktioniert schon intuitiv, was wird bereits reflektiert, und wo fehlt es noch?  Querschnittthema in allen Vorträgen und Workshops, => explizit zur professionelle Beziehung in der klinischen Sozialarbeit wird uns S. B. Gahleitner berichten, W. Domma zu den Bindungsaspekten in der Kunsttherapie, M. Berg erforschte das Bindungswissen in Erziehungsberatungsstellen, S. Trautmann-Voigt schildert uns die notwendigen Netzwerkaspekte der Bindungsorientierung.

3. Leiblichkeit: Bindung ist gestützt auf analoge, präverbale Beziehungsdimension, die als solche erhalten bleibt und in Kommunikation bedeutendere Rolle spielt als der Inhalt des gesprochenen Wortes => B. Aßmann: kinematische Repräsentation von Exploration und Bindung, Bindung in Bewegung. (S. Trautmann-Voigt)

4. Programme und Konzepte zur Bindungsförderung / bindungsorientierte Behandlungs- und Förderprogramme: SAFE, BASE (Brisch), STEEP (R. Kißgen), entwicklungspsychologische Beratung & frühe Hilfen (D. Roeb-Flemming, H. Remmen & R. Renz, K. Stich), bindungsorientierte Konzepte in der Psychiatrie (J. Jungbauer und W. Hinüber), in der Jugendhilfe (Liz Möller, Klaus Esser, J. Düvel), der Stellenwert der Berufsbezogenen Selbsterfahrung im Studium der S.A. (Poster W. Ahrens)

5. Ökonomische Aspekte: „Return of Cost to Human Capital Investment“ (Heckman & Masterov), Nutzen-Kosten-Relation einiger US Langzeitstudien zur frühesten Bildung, die ACE-Studie etc…. Was ist eine ökonomische Krippenbetreuung? Ökonomischer Common Sense: Nachhaltige Beziehungs-, Erziehungs- und Bildungspartnerschaften zwischen professionellen Akteuren und den Eltern rund um die Geburt sind ein Gebot der Vernunft. (Meier-Gräwe) Professionelle Frühförderung „zahlt sich aus“, bringt die größte „Rendite“, kompensatorische Wirkungen in Kita, Schule, „dem Leben“ sind zweifelhaft.

6. Politische Aspekte: Querschnittsthema: Podiumsdiskussion. Kindeswohl vs. Elternwohl. Menschen brauchen überschaubare soziale Einheiten als sichere Basis. Dann können sie auch komplexere Strukturen füllen und verstehen lernen. Verantwortung für „Humankapital“ erfordert qualifizierte frühe Betreuung und Bildung. Bindungsaspekte in der Sozialpolitik.

7. Ethisch-anthropologische Dimension: Menschen sind Bindungswesen, unser Gehirn ist für soziale Beziehungen optimiert. (Primatengroßhirne differenzieren sich entsprechend der Gruppengröße). Die monadische Definition des Individuums ist an ihre Grenzen geraten. Das wussten lange vor der Blüte der Neurowissenschaften Philosophen und Theologen: Beziehungen und Liebe zählen und sonst nicht viel. (J. Söder)

 

Unsere Ziele der Tagung

Einen schönen Rahmen schaffen für lebendiges Lernen, miteinander und voneinander. Bei der Sache sein und gleichzeitig gute Begegnungen haben, somit: Mit Gewinn auf beiden Ebenen nach Hause gehen!

 

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