Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

KatHO Aachen: 101. Hospizgespräch stellte Bedeutung der Sozialen Arbeit im Bereich Palliativ Care heraus (30.09.2015, Aachen)

Veronika Schönhofer-Nellessen, Servicestelle Hospiz für die StädteRegion Aachen, moderierte das 101. Hospizgespräch in der KatHO Aachen. Fotos: Kathrin Albrecht

Rund 100 Teilnehmende diskutierten mit den Referenten und erarbeiteten in sechs Workshops die Bedeutung der Sozialen Arbeit im hospizlich-palliativen Kontext.

Hannelore Leiendecker, Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst, Region Aachen, zeigte mit einem Rollenspiel, was Soziale Arbeit in einem Palliativteam bedeuten kann.

Gemeinsamer Wunsch in der abschließenden Podiumsdiskussion: Politik und Gesellschaft sollten sich der Bedeutung der sozialen Arbeit stärker bewusst werden.

Von unschätzbarem Wert, oft nicht im Blick der Akteure

In einer Familie ist der Sohn an einer lebensverkürzenden Krankheit erkrankt. Sein Zustand verschlechtert sich, die Mutter verbringt viel Zeit in der Klinik, es gibt noch eine Schwester, die der Obhut bedarf und die nicht alles versteht, was um sie herum geschieht und die jetzt mal vom Vater, mal von der Oma und mal von Nachbarn betreut wird. Wie geht es der Schwester mit der Situation? Wie dem Vater? Wie der Mutter? Wer kümmert sich um diese Bedürfnisse?  

Es ist ein Fall, der zeigt, wo die Soziale Arbeit in der palliativen Versorgung von Patienten sichtbar wird. Die Rolle der sozialen Arbeit in der hospizlich-palliativen Begleitung von Menschen war auch Thema des 101. Hospizgesprächs, das diesmal an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen stattfand. Schnell wurde in der von Veronika Schönhofer-Nellessen, Servicestelle Hospiz für die StädteRegion Aachen, moderierten Tagung deutlich: Die Soziale Arbeit in der Palliativversorgung ist wichtig und wird auch wertgeschätzt, erfährt aber nicht die notwendige gesetzliche und finanzielle Anerkennung. Diese Erfahrung bestätigt auch Martina Ellmann. Die Sozialpädagogin arbeitet beim mobilen Hospizdienst Home Care. „Von der Krankenkasse wird die medizinische Versorgung und die Pflege angerechnet. Die Therapeutin und ich müssen weiterhin über Spenden finanziert werden. Wir sind gewissermaßen das Sahnebonbon.“ Wie vielfältig die Soziale Arbeit in der palliativen Begleitung von Menschen ist, zeigten sechs Workshops, in denen Referenten Bereiche von der Forschung über die Kinder- und Jugendhospizdienste und ein Wohnprojekt für suchtkranke Menschen in der letzten Lebensphase bis hin zur Begleitung der ehrenamtlichen Hospiz- und Trauerbegleiter vorstellten. Wissenschaftliche Impulse gaben Rainer Krockauer, Professor für Theologie und Ethik an der KatHO Aachen, Hugo Mennemann, Professor an der Fachhochschule Münster und Maria Wasner, die die derzeit einzige Professur für Palliativ Care an der katholischen Stiftungsfachhochschule in München innehat. Alle drei bestärkten die rund 100 Teilnehmenden der Tagung darin, dass Soziale Arbeit für die palliative Versorgung einen unschätzbaren Wert besitzt.

Hugo Mennemann strich in seinem Vortrag „Identität und Profil sozialer Arbeit im hospizlich-palliativem Kontext“ heraus: Soziale Arbeit, so seine These, schaffe Begegnungsräume, die es Menschen ermöglichen, miteinander in Kontakt zu treten und gemeinsam zu handeln. Im Hinblick auf die palliative Begleitung von Menschen lägen die Stärken in der Bedarfsanalyse und der Mediation auf verschiedenen Ebenen. Eine ähnliche Sichtweise vertrat auch Rainer Krockauer in seinem Vortrag zur „Anwaltschaft für interprofessionelle Kooperation in Palliative Care“. Absolventen des Bereichs Soziale Arbeit seien durch ihre Ausbildung nahezu prädestiniert, in multiprofessionellen Teams die Leitung und Koordination zu übernehmen. Maria Wasner untersuchte die derzeitige Situation der Sozialen Arbeit in der Palliativversorgung und den Entwicklungsbedarf der Sozialen Arbeit im hospizlich-palliativen Kontext. Sie forderte neben einer stärkeren Einbindung der Palliative Care in die Ausbildung der Sozialen Arbeit auch mehr Selbstbewusstsein von den Sozialarbeitern selbst ein.  Abschließend betrachtet sei es wichtig, im Hinblick auf die gesetzlichen Neuregelungen in Bezug auf die palliative Begleitung von Menschen die Soziale Arbeit stärker in den Blick zu nehmen. „Ich wünsche mir, dass die Soziale Arbeit im neuen Hospiz- und Palliativgesetz erwähnt wird“, sagte Maria Wasner. An die Leiter multiprofessioneller Teams  appellierte Rainer Krockauer:  „Jetzt ist die Stunde, in der Führungskräfte klar bekennen müssen, wie sie zur Sozialen Arbeit stehen.“

Kathrin Albrecht

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014