Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

6. Fachtagung der Klinischen Sozialarbeit in Deutschland

Aachener Fachtagung zur Klinischen Sozialarbeit und Sozialtherapie

Am 16./ 17.10.2015 fand unter der Leitung von Prof. Dr. Ute Antonia Lammel die 6. deutsche Fachtagung der Klinischen Sozialarbeit an der KatHO in Aachen statt. Mit 180 Teilnehmer*innen aus dem ganzen Bundesgebiet, aus Österreich und der Schweiz, war die Tagung völlig ausgebucht.

Zum Thema "Sozialtherapie. Heilsame Interventionen in verschiedenen Arbeitsfeldern. Grundlagen, Forschungsergebnisse, Arbeitsansätze" referierten namhafte Fachleute aus Deutschland sowie Österreich. In zahlreichen Panels brachten Praxisvertreter*innen und Wissenschaftler*innen Best Practice Beispiele und aktuelle Forschungsergebnisse aus klinisch-therapeutischen Arbeitsfeldern ein. Behandelt wurden die Arbeit mit Familien und Kindern psychisch kranker Eltern, die Arbeit im Kinderschutzkontext, in der Suchthilfe, im Betreuten Wohnen für Menschen mit psychischen und Sucht-Erkrankungen, an den Schnittstellen von Jugend- & Suchthilfe & Psychiatrie und mit alten Menschen. In unterschiedlichen Workshops konnten sich die Teilnehmer*innen intensiv mit diagnostischen Zugängen und klinisch-therapeutischen Handlungsansätzen beschäftigen.

Prof. Dr. Heiner Keupp (LMU München) sprach in seinem Eröffnungsvortrag über "Handlungsbefähigung in der Spätmoderne" und diskutierte die Frage: "Was macht Heranwachsende heute stark?" Ausgehend von dieser gesellschaftlichen Analyse nahm Prof. Dr. Helmut Pauls (HS Coburg) anschließend eine Standortbestimmung zur Sozialtherapie in Deutschland vor. Der Titel seines Vortrags lautete "Sozialtherapie - unterwegs zu einem klinischen Selbstverständnis". Einen besonderen Entwicklungsbedarf in den verschiedenen Arbeitsfeldern markierte Prof. Dr. Alexander Trost indem er über die notwendige "Bindungsorientierung in der Klinischen Sozialarbeit" sprach und wichtige Erkenntnisse aus den Bindungstheorien vorstellte. Alexander Trost knüpfte damit an die Aachener Tagung "Bindungsorientierung in der Sozialen Arbeit" im Jahr 2013 an.  Die Tagungsleitung Ute Antonia Lammel interviewte den langjährigen Leiter der Drogentherapeutischen Gemeinschaft Tauwetter Kurt Funk zur Entwicklung der Sozialtherapie im Kontext der Suchthilfe.  Als Sozialarbeiter, Psycho- und Lehrtherapeut, der seit Jahrzehnten Sozial- und Psycho-TherapeutInnen ausbildet, konnte Funk interessante Einblicke in die Professionalisierung Sozialer Arbeit im therapeutischen Kontext geben. Der Zeitzeuge lieferte mit seinen Statements wichtige Anregungen für die Entwicklung der Berufsrollen-Identität von Praktiker*innen und Studierenden der klinisch orientierten Masterstudiengänge. In den abschließenden Statements von Helmut Pauls (HS Coburg), Prof. Dr. Silke Gahleitner (ASH Berlin & Donau-Universität Krems), Kurt Funk, Dario Deloie (FH Köln, stellvertretender Vorsitzender des ECCSW) und Ute Antonia Lammel (KatHO Aachen) wurden Entwicklungsbedarfe und Perspektiven der Sozialtherapie skizziert. Die Tagung endete mit einer Aufbruchstimmung und den Appellen, "Spielräume" stärker als bisher zu nutzen und die Behandlungsbeteiligung Sozialer Arbeit, die bereits 1926 von Alice Salomon und Siddy Wronsky in der Veröffentlichung "Soziale Therapie" formuliert wurde, deutlicher als bisher zu markieren.

Soziale Arbeit in ambulanten und stationären Arbeitsfeldern ist seit Jahrzehnten maßgeblich an der Betreuung, Beratung und Behandlung von Menschen aller Altersgruppen mit chronischen psycho-sozialen Notlagen, psycho-somatischen und psychischen Erkrankungen beteiligt. Ein großer Teil der therapeutischen Versorgung wird von Sozialarbeiter*innen geleistet. Auf der Basis einer öko-bio-psycho-sozialen Diagnostik bietet Soziale Arbeit mit klinischem Sachverstand alltagsnahe und lebensweltbezogene Hilfen, die zur Stabilisierung und Gesundung beitragen. Mit der 6. Fachtagung der Klinischen Sozialarbeit in Deutschland, den dort präsentierten Forschungsergebnissen und den vorgestellten Handlungsansätzen hoffen wir, dass es uns gelungen ist, die Praxis der klinisch-therapeutischen Sozialen Arbeit vielfältig zu bereichern.

Flankiert wurde der Kongress von einem Treffen der politischen Interessenvertretung der "Sektion Klinische Sozialarbeit" der "Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit" und dem Treffen des European Centre for Clinical Social Work ("ECCSW").

Die Tagung fand in angenehmer Atmosphäre statt und bot vielfältig Gelegenheit zum Austausch zwischen klinisch-therapeutischen Praxisfeldern, den einschlägigen Forschungsaktivitäten und den klinisch-therapeutischen Masterstudiengängen. Die große Tagungsnachfrage deutet darauf hin, dass "Sozialtherapie" und Behandlungsaspekte der Sozialen Arbeit bei Praktiker*innen, Studierenden und Wissenschaftler*innen gleichsam von aktueller Bedeutung sind. 

Anlässlich der Tagung wurde das gerade neu erschienene Buch "Klinisch-therapeutische Soziale Arbeit - Grundpositionen, Forschungsbefunde, Praxiskonzepte", herausgegeben von Ute Antonia Lammel, Johannes Jungbauer, Alexander Trost, erstmals vorgestellt (weitere Informationen unter http://www.verlag-modernes-lernen.de/docs/shop-details.php?Bestell_nr=1258).

Ute Antonia Lammel

 

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Informationen zu Panels und Workshops als »pdf-Dokument

 

Präsentationen

Prof. Dr. Heiner Keupp: Handlungsbefähigung in der Spätmoderne: Was macht Heranwachsende heute stark?

Prof. Dr. Helmut Pauls: Sozialtherapie. Unterwegs zum klinischen Selbstverständnis.

Prof. Dr. Alexander Trost: "Alles Bindung, oder was?" Bindungsorientierung in der Klinisch-therapeutischen Sozialen Arbeit

 

Prof. Dr. Johannes Jungbauer: Wenn Eltern psychisch krank sind: Forschungsstand und Erfordernisse der Praxis

Yvonne Lamers: STEP Duo

Vera Magolei: Präventive Unterstützung von Kindern psychisch erkranker Eltern

Mathias Soppe: Feuervogel - Hilfen für Kinder aus suchtkranken Familien (Suchthilfe Aachen)

Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann: Zur Kooperation von Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendhilfe. Welche Unterstützung brauchen psychisch kranke Kinder und Jugendliche in der Jugendhilfe?

Kristina Latz: Ziele und Methoden in der Therapie von Pathologischem PC-/ Internetgebrauch

Dorothee Böhne, Denise Delonge, Prof. Dr. Verena Klomann, Annette Neigenfind: Klinische Sozialarbeit im Kinderschutzkontext

Miriam Floren: Der Angehörigenlotse. Ein Modellprojekt für Angehörige von Schlaganfallpatienten.

Sabine Janitzek: Über das, was hält und trägt...auch in schwierigen Zeiten.

Laura Müller: Bindungswissen als Ressource im BeWo Sucht?! Eine Fragebogenerhebung im Zuständigkeitsgebiet des LVR

Sabrina Weber: Komplexes Lernen im BeWo

Prof. Dr. Silke Birgitta Gahleitner: Integrative Sozialtherapie bei komplexer Traumatisierung

Dr. Jürgen Beushausen: Risiken und Nebenwirkungen (k)ein Thema für die psychosoziale Beratung?

 

 

 

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